Zitat
Wie trainiert man bei Polizeihunden(!) "Zivilschärfe"? Würdet ihr denn grundsätzlich sagen, dass diese gefährlicher sind als VPG-Hunde?
Ganz klares Ja und Nein.
Diensthunde sind ein völlig anderes Kaliber. Bzw. das ist eine völlig andere Ausbildung.
Beim VPG lernt der Hund nicht, Menschen zu beissen, allen Vorurteilen zum Trotz. Gerade vor kurzem hat ein Verein bei uns in der Nähe Jubiläum gefeiert mit Vorführungen sämtlicher Sportarten etc.
Darunter auch VPG - eine sehr schöne Vorführung, die ganz klar gezeigt hat, dass der Hund NUR am Beissarm interessiert ist. Sobald der Beissarm weg war, zeigte der Hund ein völlig "freundlich-verspieltes" Verhalten gegenüber dem Helfer.
BTW - was die "Stockschläge" betrifft - man konnte genau sehen, dass der Helfer am Hund "vorbeischlug". Was nicht heisst, dass der Hund nicht doch mal getroffen wurde. Nun denn, ich bin im Agi auch schon mit meinem Hund zusammengerempelt, was ganz sicher schmerzhaft für den Hund war (mir hat's auf jeden Fall wehgetan). Und wenn ich mir vorstelle, wie oft im Agi ein Hund nen Ausleger mitnimmt oder ähnliches - das ist sicher auch nicht schmerzfrei.
Der Helfer hatte im Anschluss daran den Stock an die Zuschauer weitergegeben - mit dem Hinweis, sie dürften gern mal anfassen und auch bei sich selbst, bsp. am Oberschenkel, ausprobieren, wie sich so ein Schlag anfühlt, wenn er denn doch mal trifft.
Diensthunde werden "zivil" ausgebildet. Nicht wie VPG-Hunde auf ein sichtbares "Objekt" "konditioniert". Logischerweise haben die Helfer bei der Ausbildung von Diensthunden auch Schutzanzüge an. Der Verschleiss an Helfern wäre sonst doch etwas zu gross.
Aber diese Schutzanzüge sind verdeckt von ziviler Kleidung. Der Hund lernt tatsächlich, auf den Menschen zu gehen.
Diese Art Ausbildung ist Privatpersonen verboten. Das dürfen nur Diensthundeführer in den entsprechenden Ausbildungszentren.
Diese Hunde sind prinzipiell nicht gefährlicher - im normalen Leben. Was allerdings auch damit zusammenhängt, dass ihre HF auch Ahnung haben.
Vor Jahren wurde mal ein Versuch gestartet mit VPG-Hunden. Ausgebildete VPG3-Hunde, also Hunde, die in der höchsten Leistungsklasse starten.
Zu Testzwecken wurden diese Hunde in einem speziellen Training bei einer Diensthundeausbildungsstätte "zivil" gearbeitet. Also ohne Beissarm, sondern mit Schutzanzug und darüber Zivilkleidung.
KEINER dieser VPG-Hunde hat auf den kurzen Distanzen angebissen - der Beissarm als "Signalwirkung" fehlte.
Auf der langen Flucht sind ein paar der triebigsten Hunde erst mal in den angebotenen Arm gegangen. Aber jeder einzelne der Hunde hat sofort irritiert losgelassen, als sie feststellten, dass das nicht das normale Gewebe des Beissarms ist. Und keiner hat bei einem zweiten Versuch nochmal Ansätze zum einbeissen gezeigt.
Fakt ist, dass im VPG Reizlagen, Triebe, Verhaltensweisen abgefragt werden, die für die Zucht und Selektion von Diensthunden von Bedeutung sind.
Mit Frisbee werfen usw. kann man derartiges nicht wirklich abprüfen.
Und ausserdem ..... VPG ist Sport und macht durchaus Mensch und Hund Spass.