Ich bin einzig und alleine kein Fan davon, wenn alte Zuchthündinnen nach Ende ihrer Zuchtlaufbahn einfach abgegeben werden.
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Aber dieser Gedanke einen Hund auszurangieren wenn er zu alt ist für die Zucht, damit eine andere Hündin nachrücken kann, gefällt mir einfach nicht.
Wo bitte steht was von "einfach abgegeben" und "Hund ausrangieren"?
Seit wann sind 4-5 jährige Hunde alt? Und eine Hündin, die 1-2 Würfe hatte, ist auch nicht als "Zuchtmaschine" missbraucht worden.
Was ich viel schlimmer finde sind die Züchter, die nur eine Hündin haben, unbedingt züchten wollen und die jeweilige Hündin - weil man ja nur die eine hat - bei jeder möglichen Hitze belegt, die Hündin dann im "besten" Fall 5-6 Würfe hat. Und da man nicht mehr als zwei bis drei Hunde gleichzeitig halten kann, das Ganze genauso mit der Nachwuchshündin weiter macht und mit der darauf folgenden Nachwuchshündin auch .....
Und weil man ja nie nie nie und nimmer einen Hund wieder abgegeben darf wartet bis zum letzten Wurf, bis man eine Nachwuchshündin behält, die dann eigentlich für die Zucht nur Mittelmaß ist, aber nun ja, man hat halt nichts anderes .....
Nichtsdestotrotz hinterlässt es einfach einen bitteren Nachgeschmack, das hier sehr viel nicht nur gerechtfertigt sondern sogar lobpreist wird, weil es halt "einem Zuchtziel dient, dass die Zuchtgeschichte relevant beeinflusst".
Hier wird nichts lobgepreist - sondern schlicht die Realität dargestellt. Und die "Hundehalter-Romantik" von wegen jeden Hund bis an sein Lebensende behalten ist nicht die Realität.
Du kannst nur auf einer relativ hohen Qualitätsbasis deine Würfe züchten, weil ANDERE Züchter diese Basis bereits geschaffen haben. Wirklich was verändern hinsichlicht Qualität kannst Du mit dem, was Du dir züchterisch vorstellst, nicht. Und unter diesen anderen Züchtern waren ziemlich sicher genügend, die mehr Hunde und mehr Würfe hatten als das die derzeitige "Hundehalter-Romantik" vorsieht - und die auch immer wieder Zuchthunde abgegeben haben.
Dieses Jahr hat bei "meiner" Rasse ein Hund eines Farbschlags auf einer Ausstellung "Best in Show" gemacht, bei dem viele vor 15 Jahren noch gesagt hätten "nie". Nicht FCI-anerkannt, lange Zeit nur "Versuchszucht" innerhalb der Rassezuchtverbände, dann nationale Anerkennung durch den VDH. Die Laien erkennen die Rasse, aber die körperliche und charakterliche Qualität lag lange Zeit ganz bös im Argen - Apfelköpfe, Glubschaugen, steile Vorderhand, steile Hinterhand, Plattpfoten, breite, stumpige, spitze, ...... Köpfe, schlechte Proportionen, unsicheres, ängstliches, schreckhaftes Wesen, ......... hoher Inzuchtkoeffizient, da rezessive Farbe und man ja die schönen Markenzeichnungen in kräftiger klarer Farbe auf gar keinen Fall verlieren will.
Heute gibt es Vertreter dieses Farbschlags, die sich in Körperbau und Charakter nicht mehr von den Vertretern der "etablierten" Farbschläge unterscheiden. Aber geschafft hat das nicht der kleine Züchter, der alle Jubeljahre mal einen Wurf hat, alle seine Hündinnen immer behält und auch alle nicht zur Zucht geeignenten Nachwuchshündinnen nicht mehr abgibt.
Der Hauptanteil an diesem züchterischen Erfolg hatte ein Züchter - die Risiken, die dieser Züchter eingegangen ist - das kann man als kleiner Züchter eigentlich fast nicht. Farbkreuzungen - sehr verpönt, denn zum einen gab es eben häufig auch keine Hunde mit dieser speziellen Farbzeichnung oder wenn, dann war die Farbzeichnung nicht besondern schön, zu hell, verrußt, nicht klar abgegrenzt, .... oder eben es gab öfter mal komplette Fehlfarben.
Mal eben aus dem Ausland einen Hund kaufen um evtl. gegen den Inzuchtkoeffizienten anzugehen ... Fehlanzeige - wenn das Hauptzuchtgeschehen für diesen Farbschlag in Deutschland liegt und das Ausland lange Zeit züchterisch gar nichts in der Richtung hatte.
Selbst heute basieren die relevanten Zuchten im Ausland auf Zuchthunden aus dieser einen Zucht.
Und wenn das bedeutet, dass ich ein schlechter Züchter wäre, weil ich im Zweifelsfall (!) meine Linie aufgeben müsste, damit ich keinen meiner Hunde (und ja, die gehören für mich als Hunde zur Familie) abgeben muss, weil ich mir einfach nicht mehr Hunde erlauben kann, dann ist das so.
Hat das jemand geschrieben? Es ist nur so - und das ist die Realität, auch wenn Du das nicht gern liest - dass man als kleiner Züchter keinen wirklichen Einfluss auf das Zuchtgeschehen hat. Man kann auf dem aufbauen, was es so gibt. Und ist die Zuchtbasis gut, kann man auch gute Hunde züchten. Ist aber die Zuchtbasis eher mau - weil die gesamte Zuchtpopulation eher mau ist - dann wird man als kleiner Züchter daran nicht viel ändern können.
Man kann dann eigentlich nur eines tun - nämlich schauen, dass man auf gesunde, körperlich und charakterlich gut gezogene Linien aufbaut. Das war's. Eine meiner Grosspudelhündinnen stammt aus einem A-Wurf eines Züchters, der danach nicht mehr weiter gezüchtet hat - sie verkrafteten es einfach nicht, die Welpen abzugeben. Die Verpaarung an sich war toll - die Welpen wuchsen durch die Bank zu tollen Hunden heran, charakterlich, wesensmässig, vom Körperbau her, wurden gesund alt ..... aber keiner ging irgendwie in die Zucht. Letztendlich war der ganze Wurf für die Zucht verloren, für die Zuchtgeschichte nicht relevant.
Relevant war dieser Wurf nur für die Züchter und die Welpenkäufer, die tolle Hunde bekommen haben.
Wenn man sich darüber im Klaren ist, dass man als kleiner Züchter mit einem Wurf alle Jubeljahre mal selbst wenn man gewissenhaft seine Zucht plant, v.a. tolle Hunde für seine Welpenkäufer züchtet, ist das doch auch ok.
Aber eben - man muss sich im Klaren darüber sein, dass man Verbesserungen auf diese Weise, wenn überhaupt, nur in sehr sehr kleinem Rahmen erreicht.
Aber alleine anhand dieses Aussage von mir direkt auf meine Zuchtziele und -gedanken zu schließen und mir vorherzusagen, dass ich meiner Rasse so mehr oder weniger nur ein Klotz am Bein wäre, ist schlichtweg Unsinn.
DAS hat auch niemand geschrieben ...
Kann es sein, dass Du derzeit noch sehr sehr romantisch-verklärte Ansichten von Zucht hast?