Sind denn Auslandshunde grundsätzlich eine andere Art Hund als Hunde, die nicht im Ausland geboren wurden?
Hund ist natürlich erstmal Hund. Aber das Spektrum an "Hund" ist halt deutlich größer als das, was wir von den typischen deutschen Familienhunden kennen.
Du kennst einen Teil dieses Spektrums (den Hund, der hierzulande groß geworden ist) recht gut. Aber aus den Erfahrungen mit einem Teil des Spektrums kannst du keine Annahmen zur gesamten Spezies Hund generieren.
Ja, auch wenn es einzelne Individuen gibt, die eine Ausnahme darstellen: Auslandshunde sind tatsächlich oft was anderes.
Dass das so ist, liegt unter anderem hieran:
Aber welche schlechten bzw. traumatischen Erfahrungen sollte Mulan im Shelter gemacht haben, die sie sich grundsätzlich so anders verhalten lassen sollten als andere Hunde?
Dass Auslandshunde vorwiegend durch schlechte oder traumatische Erfahrungen "anders" sind, ist ein gängiger Trugschluss.
In sehr vielen Fällen haben die einfach nicht genug Erfahrungen gemacht. Weder positive noch negative.
Das führt nicht nur dazu, dass die Hunde viele Umweltreize noch nicht kennen, sondern auch zu einem mangelnden Grundvertrauen in die Welt und ganz besonders den Mensch. Stichwort "schlecht sozialisiert".
Ein Hund, der von Welpenbeinen an erfahren hat, dass der Mensch ein Sozialpartner ist, dem er vertrauen und dem er sich anschließen kann, ist eine ganz andere Nummer als ein Hund, der eben diese Erfahrung nicht gemacht hat.
Oder meint ihr, sie ist genetisch so völlig anders aufgestellt?
Die Epigenetik mal außenvor: Tatsächlich sind Auslandshunde genetisch oft anders aufgestellt als die Hunde hierzulande. Liegt einfach an der Selektion auf bestimmte Wesenszüge.
Hierzulande selektieren wir im Allgemeinen nach Hunden, die für uns gesellschaftstauglich sind, mit denen man zusammenleben kann und die zumindest ein gewisses Maß an Kooperationsbereitschaft und Abhängigkeit vom Menschen zeigen.
Im Ausland funktioniert die Selektion anders.
Zum einen wird dort oft noch ein ganz anderer Typ Hund wertgeschätzt: Einer, der unabhängig und Menschen gegenüber misstrauisch ist, der eigenständig Entscheidungen trifft und für sich denkt. Und was wertgeschätzt wird, wird halt vermehrt und breitet sich dementsprechend stärker aus.
Zum anderen haben wir dort noch den Typ Straßenhund, der sich ohne Zutun des Menschen vermehrt. Da überlebt, wer sich am besten an die Gegebenheiten anpasst. Also in der Regel ebenfalls der, der für sich denkt, eigenständig handelt, ggf. auch Nähe zum Mensch sucht, aber trotzdem im Zweifelsfall eigene Entscheidungen trifft.
Natürlich gibt es auch im Ausland Familienhunde, die genau so sein sollen wie die Familienhunde hierzulande.
Aber es gibt eben auch die anderen Hundetypen, die über viele, viele Generationen hinweg nach ganz anderen Kriterien selektiert wurden und deren genetisches Material dadurch tatsächlich auch ein vollkommen anderes ist als das, was wir hierzulande haben.