Beiträge von Schäferterrier

    Der initiale Testosteronanstieg dauert ungefähr 48 Stunden. Auch im Beipackzettel steht dass es direkt nach dem Einsetzen des Chips zu einer Hypersexualität kommen kann.

    Das es keine Erstverschlimmerung gibt vor der in Foren immer gewarnt wird hab ich mir ja nichts selbst ausgedacht.

    Hier sagt doch niemand, dass die Erstverschlimmerung durch einen dauerhaft erhöhten Testosteronspiegel entsteht, oder habe ich was überlesen? :???:

    Zumindest ich spreche in meinen Beiträgen ganz bewusst von einem Hormonchaos. Damit meine ich v.a. die starken Ausschläge im Hormonsystem: Den plötzlichen heftigen Anstieg und den anschließenden langsamen Abfall.

    Dass so eine hormonelle Achterbahnfahrt eine Erstverschlimmerung (im Sinne einer Verschlimmerung des Verhaltens, nicht des Testosteronspiegels) auslöst, ist doch nicht verwunderlich.

    Was ihr hier alle schreibt im Sinne von reizoffener, aggressiver ist ja eben das Gegeteil von dem was Testosteron bewirkt. Nämlich Selbstsicherheit, Fairness, verhindern von Aggression.

    Zu viel des Guten ist halt trotzdem des Guten zu viel. Laut dem müssten Rüden mit einem deutlich erhöhten Testosteronspiegel ja die entspanntesten, nettesten und umgänglichsten Vertreter ihrer Art sein. Und das ist in aller Regel einfach nicht der Fall.

    Hmm, also hier war es schon krass, fand ich. Das war definitiv nicht normal. Und soviel kann sich weder Hund noch Mensch einbilden.

    diesen unnötigen Stress für alle Beteiligten bildet man sich sicher nicht ein...

    Ich bin mir auch sehr sicher, dass ich mir hier nichts eingebildet habe.

    Dass der Hund in der Zeit nochmal deutlich schlechter ansprechbar war, bei jeder Begegnung noch eher aus der Haut gefahren ist, sich noch schlimmer in jeden Reiz reingesteigert hat, die Prostata noch größere Probleme gemacht hat, er 14+ Stunden nicht zur Ruhe kam, dauerhaft gejault und gejammert hat usw., joa, könnte ich noch unter "Einbildung" zählen. Weil war davor schon schlimm und dann nur schlimmer.

    Aber dass der Hund, der weder davor noch danach jemals eine Ressource mir gegenüber beansprucht hat, mich während der Hormonumstellung eines Abends nicht mehr in mein eigenes Bett lassen wollte? Aus dem Nichts, inklusive gefletschten Zähnen und Abschnappen? Da hört meine Vorstellungskraft dann auch echt auf. Das war weder Einbildung noch Zufall, sondern ganz klar hormonelles Totalchaos.

    Diese Erstverschlimmerung gibt es übrigens nicht. Das redet man sich wohl eher selbst ein. Zumindest konnte in Studien nie festgestellt werden das sowas existiert und von der Funktionsweise her geht das wohl auch gar nicht.

    Die Studienlage ist bezüglich der Auswirkungen auf das Verhalten tatsächlich mau, das stimmt. Das liegt aber hauptsächlich daran, dass es kaum Studien hierzu gibt.

    Es ist aber hinlänglich bekannt, dass GnRH-Agonisten wie Deslorelin (also der Wirkstoff des Chips) anfangs zu einem Anstieg der Sexualhormone führen. Erst dadurch wird - ganz unwissenschaftlich gesagt - die körpereigene Produktion runtergekurbelt.

    Dass sich das bei Hunden, die sexuell eh schon "drüber" sind oder die anderweitig ein instabiles Nervenkostüm haben natürlich deutlicher bemerkbar macht als bei Hunden, die an sich stabil und sexuell eh nicht so interessiert sind, sollte klar sein.

    ok, also ist es normal, dass man nach 3 wochen noch nichts merkt?

    Ja, ganz normal. Hier hat's sogar gute 8 Wochen gedauert, bis der Chip "richtig" gewirkt hat.

    denkt ihr diese schreckhaftigkeit kann von der erstverschlimmerung kommen?

    Es ist halt Hormonchaos wie in der Pubertät. Da kann von einer erhöhten Aggressionsbereitschaft über vermehrte Schreckhaftigkeit und Ängstlichkeit, Probleme mit dem Alleinbleiben, einer verminderten Frustrationstoleranz und Impulskontrolle, einer verstärkten Reizoffenheit usw. alles auftreten. Mitunter auch abwechselnd oder gleichzeitig. Es ist halt Chaos im Kopf.

    Wirklich beurteilen, wie sich ein Hund unter dem Chip verhält, kann man meiner Meinung nach erst 2-3 Monate nach dem Einsetzen.

    Ich habe hier schon mal geschrieben, seit der damals angesprochenen Kastration hat sich aber nochmal einiges getan. Vor allem wurde endlich der Grund für das Pöbeln sichtbar: Ich habe einfach einen sehr expressiven Hund mit losen Stimmbändern, der seine eigene Erregungslage gerne am Umfeld abreagiert :roll:

    Wenn er sehr aufgeregt, frustriert oder ungeduldig ist, wenn der Rücken schmerzt, selbst wenn er sich zu doll über irgendwas freut, pöbelt er das nächstbeste Opfer an. Ob das nun ein anderer Hund oder Mensch oder ne Mülltonne oder ein Blatt ist, ist dabei zweitrangig, hauptsache der Stress kann raus.

    Ganz eindrücklich wird das z.B. bei Tierarztterminen: Herr Hund hat große Angst, reißt sich aber während des Termins ganz passabel zusammen. Sobald wir rausgehen, reagiert er sich aber am nächstbesten, völlig unbeteiligten Ziel ab, um den ganzen aufgestauten Stress abzuladen.

    Ähnlich ist es, wenn wir zum Beispiel jemanden treffen, den er mag. Er freut sich total, die Erregungslage geht hoch und schon wird vor lauter Freu das nächstbeste Opfer (und sei es nur ein Baum) verbellt.

    Ohne Leine kann er seine Erregung wunderbar durch Bewegung abbauen, an der Leine ist es halt das Pöbeln.

    Wir haben durch die Kastration und entsprechende Arbeit an der Erregungslage in Trigger-Situationen große Fortschritte erzielt. Gerade versuche ich, ihm bessere Auswege aus Aufregungs-Situationen zu zeigen.

    Aber dass er ein Hund ist, dessen Erregungslage wahnsinnig schnell wahnsinnig hochschießt und dass er dann ebenso schnell ins Aggressionsverhalten kippt, das ist halt einfach so und wird sich auch nie so umfassend ändern.

    Und joa, auch wenn es mich manchmal stresst: Irgendwie lieb ich den kleinen Krawallknopf auch dafür, dass er halt ist, wie er ist :herzen1:

    Hm, ich kenne bei meinem Hund alles: Pinkeln aus Angst, Stresspinkeln und Markieren weil Großkotz.

    Beim Tierarzt pinkelt er tatsächlich ab und an aus lauter Angst unter sich. Falls es nicht einfach losläuft, hockt er sich da allerdings hin. Das Bein hat er dabei noch nie gehoben. Und das ist zumindest bei ihm auch sehr eindeutig an der Körpersprache zu erkennen.

    Davon abgesehen neigt er Stress-Situationen zum häufigen Markieren. Da wird dann auch mal irgendwas angepinkelt, was sonst nicht angepinkelt wird.

    Das hat bei ihm aber nichts mit Angst, sondern einfach mit Aufregung zu tun und ist ebenfalls gut an der restlichen Körpersprache und Verhalten (Stressgesicht, Hibbeligkeit, Fahrigkeit etc.) erkennbar. Da er da nicht gezielt, sondern ziemlich wahllos irgendwas im Vorbeigehen markiert, hilft da nicht viel außer aufzupassen.

    Nichtsdestotrotz hat mein Hund in der Pubertät andere Menschen markiert, einfach weil Herr Großkotz es halt konnte.

    Da war die Körpersprache und das Verhalten eine komplett andere. Der ganze Hund hat nur so vor Selbstbewusstsein gestrotzt. Und er war dabei nie fahrig oder hibbelig oder nicht ganz klar im Kopf, sondern hat das ganz bewusst gemacht, nur um dem Mensch danach noch rotzefrech in die Augen zu schauen und zu scharren :muede:

    Ist genau drei Mal vorgekommen. Als er beim dritten Mal versucht hat, mir selbst ans Bein zu pissen, hat er den Anschiss seines Lebens kassiert und damit war das Thema durch.

    Ich finde es irgendwie schade, dass hier so viele Pauschal-Antworten kommen, egal in welche Richtung. Je nach Körpersprache und restlichem Verhalten kann das alles oder nichts sein. Und ich glaube, eine Ferndiagnose ist da nicht der richtige Weg.

    Ich hatte irgendwie echt gehofft, dass mein Trainingstalent dazu geführt hat, dass wir keine Probleme mehr hatten. Weil er mit Chip auch nicht gerade geschlechtslos unterwegs war und das auch etwas geschwankt, aber sich zuletzt eingependelt hatte. Das ist gerade ziemlich ernüchternd :omg:

    Das beste Trainingstalent bringt dir nichts, wenn der Hund ohne Chip so durch ist, dass er das Training gar nicht annehmen und umsetzen kann.

    Mein Rüde hatte z.B. stressbedingt (also durch den starken Sexualstress und -frust) große Schwierigkeiten mit jeglichen Außenreizen. Leinenführigkeit, Menschen- und Hundebegegnungen waren eine Katastrophe.

    Ich habe mir damals 2 Jahre lang ohne Chip/Kastration einen Wolf trainiert, mit minimalen Fortschritten. An guten Tagen kamen wir z.B. auf 20 Meter an nen anderen Hund ran, an schlechten Tagen hat er auf über 50 Meter alles verbellt, was ein Hund sein könnte.

    Sobald der Chip gewirkt hat, kamen wir innerhalb einer Woche (!) mit genau demselben Trainingsansatz auf 5 Meter an andere Hunde heran.

    Klar, die Kastration ersetzt keine Erziehung. Aber manchmal ist sie der Grundstein, damit Erziehung und Training erst möglich wird und der Hund das auch abrufen kann.

    Unter dem Chip hat das Verhalten bei uns übrigens auch immer mal wieder geschwankt. Wirklich dauerhaft hat es sich dann mit der chirurgischen Kastration eingependelt.

    Wobei "eingependelt" hier eben auch heißt, dass sich mein Hund jetzt wie ein durchschnittlicher intakter Rüde verhält: Immer noch gestresst in Gegenwart von ner läufigen Hündin oder interessanten Pipistellen, aber eben nicht mehr so gnadenlos drüber und in anderen Sphären wie ohne Kastration.

    Wenn der Hund unter der Kastration Trainingserfolge zeigt, die sich nach dem Chip auch mit entsprechendem Training nicht wiederherstellen lassen UND der Hund trotz Chip ein gewisses Maß an Sexualverhalten beibehält, ist das für mich persönlich eine ziemlich klare Indikation für eine Kastration.

    Egal ob Hunde anders ticken, andere Sozialisierung, Rasse, die Gefahr des abhauens an Tag drei ist immer da.

    Da hast du natürlich absolut recht: An Tag 3 ist das Risiko, dass der Hund entläuft, für mich auch per se deutlich zu hoch, um ihn frei laufen zu lassen. Ganz egal ob der Hund nun aus dem Ausland oder aus Deutschland kommt.

    Man kennt ihn nicht, man kennt die Trigger nicht, man hat keine Bindung und kann das Verhalten in Stresssituationen noch nicht zuverlässig genug einschätzen.

    Die Vergleichbarkeit von Auslandshunden und Inlandshunden ist in diesem Fall eher insofern relevant, dass KayaFlat sich ja auf ihren Erfahrungsschatz im Einschätzen von (Inlands-)Hunden beruft. Ich denke endlichKHC war ähnlich wie mir einfach wichtig, zu verdeutlichen, dass dieser Erfahrungsschatz, wenn er auch sehr wertvoll ist, nicht einfach so auch auf jeden Auslandshund angewandt werden kann.

    Zweifellos gibt es viele Hunde, bei denen das funktioniert, das will ich gar nicht bestreiten. Aber es gibt eben auch Hundetypen aus dem Ausland, die ganz anders ticken als die Hunde hierzulande. Und so einen Hund mit der... hm, ich nenne es mal "Inlandshund-Brille" zu betrachten und davon ausgehend Annahmen in Bezug auf mögliches Verhalten und mögliche Reaktionen zu tätigen, kann dann ganz arg schnell nach hinten los gehen und im blödesten Fall echt gefährlich werden.

    Kurz: Das Risiko, einen Hund egal welcher Herkunft am 3. Tag frei laufen zu lassen, halte ich wie du ganz grundsätzlich für viel zu groß. Einen Hund frei laufen zu lassen, der möglicherweise einem ganz anderen Hundetyp entspricht als dem, wie ich ihn kenne, steigert das Risiko einfach nochmal zusätzlich enorm.

    Wie viel Gehorsam setzt ihr voraus, bevor der Hund frei laufen darf?

    In der konkreten Situation: 100%. Da bin ich auch ziemlich gnadenlos.

    Ein "äh äh" nicht gehört? Leine.

    Ein "raus da" nicht gehört? Leine.

    Ein "nein" nicht gehört? Leine.

    Ein "weiter" nicht gehört? Leine.

    Usw.

    Wie viel Risiko, dass er doch mal weg läuft, nehmt ihr in Kauf?

    Ich sag's mal so: Ich nehme kein bewusstes Risiko in Kauf. Mein Hund darf da freilaufen, wo ich mir sicher bin, dass er zu jedem Zeitpunkt rückrufbar ist. Sehe ich ein Risiko, dass er das nicht ist, kommt er halt an die Leine.

    Das heißt nicht, dass er immer und in absolut jeder Situation bombenfest rückrufbar sein muss. Mein Hund hat schon auch so seine Trigger, bei denen er ab einer gewissen Distanz nicht mehr absolut zuverlässig rückrufbar ist. Andere Hunde sind da zum Beispiel ein Thema, das in unter 5 Metern Distanz echt schwierig wird.

    Deshalb darf er eben nur da freilaufen, wo mit absoluter Sicherheit kein freilaufender Hund in zu geringem Abstand auftauchen kann. Wenn ich da auch nur irgendwo das geringste Risiko sehe, dass da eben doch ein Hund auftaucht und direkt zu nah ist (also das Gebiet nicht einsehbar genug ist), tja, dann bleibt die Leine halt dran.

    So ein "Aber wenn nun plötzlich aus dem Nichts ein fremder Hund aus dem Himmel fällt und 5 Meter vor ihm landet"-Szenario... Ja, klar, es kann immer irgendwas passieren, was man eben doch nicht bedenkt. Aber bewusst gehe ich absolut kein mir bekanntes Risiko ein.

    Wie oft müssen Trigger Situation an der Leine geklappt haben, bevor ihr euch sicher seid, dass ihr entspannt spazieren gehen könnt?

    Boah, das kann ich so allgemein nicht sagen. Das kommt einfach auf mein Vertrauen in den Hund in der jeweiligen Situation an.

    Ich hab hier so ein Kerlchen sitzen, das was 1000 Mal richtig macht und dann knallen beim 1001. Mal doch die Sicherungen durch.

    Ist so, das weiß ich, deshalb werde ich ihm in bestimmten Situationen auch nie zu 100% vertrauen. Bei Menschen- und Hundebegegnungen wird hier deshalb z.B. immer die Leine dran kommen, egal wie oft er es richtig gemacht hat. Einfach weil ich weiß, dass speziell bei ihm trotzdem die Gefahr besteht, dass er es doch mal nicht richtig macht.

    Meiner Gassihündin würde ich da z.B. deutlich mehr vertrauen. Mit der habe ich nie auch nur ansatzweise so intensiv geübt wie mit meinem, aber die ist vom Typ her einfach ein absoluter Verlass-Hund, auf deren Gehorsam ich, wenn sie es einmal verinnerlicht hat, wirklich vertrauen kann. (Nichtsdestotrotz kommt sie btw aus Prinzip nicht von der Leine, bevor jetzt jemand schreit.)

    Wobei ich auch sagen muss, dass ich inzwischen total gerne mit Schleppleine oder Flexi Gassi gehe. Anfangs fand ich das ganz schrecklich, inzwischen finde ich es sogar deutlich entspannter.