Heute habe ich mit einer Freundin telefoniert, die wie ich Vielhundehaltung lebt und das Ganze sogar noch deutlich krasser stemmt als ich, denn sie hat zusätzlich Kinder. Und zwar mitunter die zuckersüßesten Kinder, die ich kenne, was aus meinem Mund schon wirklich etwas heißen will.
Auslöser war diese Diskussion hier. Im Gespräch sind wir ziemlich schnell bei einem Punkt gelandet, der für mich vieles erklärt. Vielhundehaltung ist weniger eine Frage der Anzahl, sondern vor allem eine Frage der Lebenseinstellung. Man geht mit dem Wissen durchs Leben, dass es nicht immer leicht ist, dass es Phasen gibt, die anstrengend sind, chaotisch oder einfach nur scheiße. Und dann bleibt man nicht im Jammern hängen. Man sammelt sich, schaut, was jetzt nötig ist, sucht nach Lösungen und macht weiter.
Gleichzeitig bleibt man sich immer der Verantwortung bewusst, die man für jedes einzelne Lebewesen übernommen hat, in dem Moment, in dem man es in seine Familie geholt hat. Egal wie hart es ist, diese Verantwortung wird priorisiert. Natürlich gibt es Kompromisse, natürlich muss man abwägen und organisieren. Aber nie so, dass es wirklich zu Lasten eines Individuums geht. Und mit Individuum sind übrigens nicht nur die Tiere gemeint, sondern auch man selbst. Das ist vielleicht sogar der schwierigere Teil, weil man so leicht dazu neigt, die Tiere immer an erste Stelle zu setzen. Am Ende ist aber klar, dass man selbst körperlich und psychisch stabil bleiben muss, denn als Dreh und Angelpunkt einer so großen Familie kann man der Verantwortung nur dann wirklich gerecht werden.
Nicht ganz einig waren wir uns darüber, ob man diese Haltung schon mitbringt, wenn man in die Vielhundehaltung startet, oder ob sie sich erst mit der Zeit entwickelt. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem. Klar ist für mich aber auch, dass Vielhundehaltung kein statischer Zustand ist. Sie verändert sich. Es gibt ruhigere Phasen und fordernde Zeiten, stabile Abschnitte und solche, in denen man neu sortieren und nachjustieren muss. Verantwortung bedeutet nicht, immer perfekt zu funktionieren, sondern immer wieder ehrlich hinzuschauen.
Dazu gehört für mich ganz klar, sich selbst und die eigene Haltung regelmäßig zu reflektieren. Und genau deshalb ist ein stabiles soziales Umfeld so wichtig. Menschen, die einen kennen, die nicht nur abnicken, sondern ehrlich sind. Die auch sagen, wenn etwas nicht passt, wenn man sich verrennt oder sich selbst vergisst.
Ich bin auch nur ein Mensch und das letzte halbe Jahr war für mich wirklich schwierig. Emotional vor allem deshalb, weil es viel mit Krankheit zu tun hatte und leider auch mit dem Tod. Genau deshalb bin ich meinen Freunden gerade sehr, sehr dankbar. Sie waren da, haben zugehört, ausgehalten und mir vor ein paar Tagen liebevoll, aber sehr klar den Kopf gewaschen. Seitdem geht es mir deutlich besser, ich habe wieder mehr Kraft, mehr Ruhe und wieder klarere Gedanken.
Gerade wenn man eine solche Lebensaufgabe übernimmt, ist es wichtig, nicht in dieses Klischee der einsamen, verbitterten Gestalt zu rutschen, die am Ende nur noch ihre Tiere hat. Ein stabiles soziales Umfeld ist mindestens genauso wichtig wie gute Organisation, Verantwortung und Struktur. Auch das gehört für mich ganz klar zu funktionierender Vielhundehaltung dazu.