Beiträge von Fuchshexchen

    Ich glaube, es hilft an dieser Stelle nicht weiter, wenn immer wieder betont wird, was man selbst für möglich oder unmöglich hält. Das beschreibt persönliche Grenzen, mehr aber auch nicht.

    Fakt ist doch, dass es in so gut wie keiner Familie möglich ist, jederzeit alle Bedürfnisse aller Beteiligten sofort zu hundert Prozent zu erfüllen. Völlig unabhängig davon, wie diese Familie aufgestellt ist. Ob das eine Person mit zehn Hunden ist, einer Großfamilie mit sechs Kindern, ein Elternpaar mit Kind und zwei Hunden, eine Vater Sohn Wohngemeinschaft mit fünfzehn Hühnern, drei Hunden und drei Katzen. Oder ein Bauernhof mit Großfamilie und mit fünfzig Kühen, acht Stallkatzen, einem Hofhund, dreißig Hühnern und drei Pferden. Oder ein privater Pferdehof. Oder oder oder.

    Zusammenleben bedeutet immer Kompromisse. Immer Abwägen, Priorisieren und Anpassen. Das ist kein spezielles Problem von Vielhundehaltung, sondern eine ganz normale Realität, sobald mehrere Lebewesen miteinander leben.

    Mir wird seit Jahren prognostiziert, dass es mit dem Gassi gehen irgendwann zwangsläufig schwierig werden müsse, wegen weil dieses und jenes KÖNNTE....... Und das ist trotz eines Altersunterschieds von zwölf Jahren zwischen dem jüngsten und dem ältesten Hund, trotz sehr unterschiedlicher Rassen, trotz Krankheit oder Verletzung einzelner Hunde nicht passiert.

    Ich verstehe, dass man gedanklich gern vom Worst Case ausgeht oder für alles eine perfekte Lösung haben möchte. Aber vielleicht darf man auch einfach akzeptieren, dass es bei anderen Menschen trotz all dieser theoretischen Worst Cases schlicht funktioniert.

    Das ist tatsächlich heute noch so 😅 obwohl ich mittlerweile schon gute kurze Bücher gelesen habe... Aber dann immer eher auf Empfehlung. Von mir aus hätte ich sie wohl tatsächlich nie gekauft.

    Ich kann absolut verstehen, wenn Menschen sagen, dass sie sich Vielhundehaltung für sich nicht vorstellen können. Das ist völlig okay. Nicht jeder möchte so leben, nicht jeder kann oder will das leisten. Und es ist auch in Ordnung, wenn jemand für sich sagt, dass er bestimmte Situationen nicht im Sinne aller Beteiligten regeln könnte.

    Was mir in diesen Diskussionen allerdings immer wieder auffällt, ist, dass sich vieles im Kreis dreht. Immer wieder nur „kann ich mir nicht vorstellen“, „würde für mich nicht funktionieren“, „wäre mir zu viel“. Ja… verstanden. Aber das sagt erst mal nur etwas über die eigenen Grenzen aus.

    Wenn man selbst sich nicht vorstellen kann, viele Hunde so zu führen, dass alle Spaß auf dem Gassi haben, ist das völlig okay. Ich finde es sogar sehr gut, wenn jemand seine eigenen Grenzen kennt. Aber diese Grenzen gelten eben nicht automatisch bei anderen.

    Genauso wenig, wie meine Grenzen für alle gelten. Ich könnte mir zum Beispiel nie im Leben vorstellen, einen großen Hund mit ernsthafter Beschädigungsabsicht sicher zu führen. Das wäre für mich völlig außerhalb dessen, was ich leisten könnte. Trotzdem käme ich nie auf die Idee, daraus abzuleiten, dass andere Menschen das nicht sehr wohl könnten.

    Und wenn es nach dem ginge, was ich mir vorstellen kann oder nicht, dürfte übrigens auch kein Mensch Kinder haben. Und schon gar nicht Kinder und Hunde gleichzeitig. Für mich wäre das komplett undenkbar. Trotzdem funktioniert das bei anderen offensichtlich sehr gut.

    Ich zum Beispiel habe überhaupt kein Problem damit, andere um Hilfe zu bitten. Ich frage ohne schlechtes Gewissen, ob mich jemand irgendwohin fahren kann, zur Not auch mehrmals die Woche oder mitten in der Nacht. Ich nutze mittlerweile keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr, die sind hier diesem ländlichen Gebiet auch eher spärlich gesät. Dafür kann ich von meinem Haus aus in quasi jede Richtung loslaufen und bin innerhalb von ein paar Minuten, maximal zwanzig, auf irgendeinem Feldweg. Und das, obwohl ich mitten in der Innenstadt wohne.


    Unterschiedliche Lebensrealitäten, unterschiedliche Lösungen. Nur weil man sich etwas selbst nicht vorstellen kann, heißt das nicht, dass es bei anderen nicht funktionieren kann.

    Ich verstehe einfach den Mehrwert nicht. Also, dass man 2 Hunde hält, oder auch drei und evtl auch 5, kann ich noch verstehen vor allem, wenn man ein besonderes Hobby mit den Hunden betreibt, sie zur Arbeit braucht oder züchtet. Dann hat man "aktive" Hunde im besten Alter, Nachwuchs und Senioren.

    Aber spätestens ab 5 Hunden, überlege ich mir, welchen Mehrwert man als Mensch hat, wenn noch ein weiterer Hund einzieht. Außer mehr finanzielle Ausgaben, mehr Arbeit an Pflege, weniger Zeit, die man auf die einzelnen Hunde aufteilen kann. Mehr Sorgen, mehr Stress, mehr Einschränkungen, usw. Vor allem, wenn man die Hunde nicht für einen Job/Hobby "braucht", sondern wirklich nur als Begleiter/Haustiere hält.

    Ich habe 2 Hunde und bin damit vollkommen ausgelastet (finanziell und zeitlich). Allerhöchstens könnte ich mir einen dritten Hund vorstellen, aber das wird wohl nie passieren, weil ich das einfach für den Alltag zu unpraktisch finde.

    Ich glaube, der Knackpunkt liegt schon im Wort Mehrwert.

    Den gibt es nämlich nicht objektiv messbar, sondern nur individuell.

    Ein passender Vergleich wäre für mich zum Beispiel Wohnen.

    Manche Menschen leben glücklich auf 50 qm und sagen völlig zu Recht, dass mehr Platz für sie nur mehr Kosten, mehr Putzen und mehr Aufwand bedeuten würde. Andere fühlen sich erst mit einem großen Haus wirklich wohl. Ich persönlich gehöre zu Letzteren und merke sehr deutlich, dass mir viel Raum gut tut… mein Haus hat rund 200 qm, und obwohl das objektiv mehr Arbeit und Verantwortung bedeutet, fühlt es sich für mich genau richtig an. Keines von beidem ist richtiger oder falscher, es passt einfach zu unterschiedlichen Lebensentwürfen.

    Genauso ist es mit Hunden.

    Für dich sind zwei Hunde genau das richtige Maß und du sagst ganz klar, mehr wäre für deinen Alltag unpraktisch und würde dir keinen Mehrwert bringen. Das ist vollkommen legitim. Für andere entsteht der „Mehrwert“ aber nicht durch weniger Aufwand, sondern im Zusammenleben mit einer größeren Gruppe, in der Dynamik, in der Struktur und im gemeinsamen Alltag.

    Der Mehrwert liegt also nicht darin, dass man noch einen Hund mehr hat, sondern warum und wie man damit lebt. Für den einen ist es eine Bereicherung, für den anderen wäre es Überforderung. Beides darf gleichzeitig wahr sein.

    Und übrigens gilt sowohl für das Wohnen als auch für die Hundehaltung, dass nichts davon für ewig in Stein gemeißelt ist. Irgendwann werde ich sehr wahrscheinlich wieder in einem kleineren Haus oder vielleicht sogar in einer Wohnung leben wollen, mit nur einem oder zwei Hunden. Lebensentwürfe dürfen sich verändern.

    Ich persönlich kann Liebe nicht kategorisieren. Ich könnte zum Beispiel nie sagen, dass ich meine Hunde mehr oder weniger liebe als meine Mama oder meine engsten Freunde. Die liebe ich nämlich auch, und zwar ebenfalls aus vollem Herzen.

    Manchmal werde ich auch gefragt, ob ich einen meiner Hunde mehr lieben würde als die anderen. Und auch das gibt es für mich nicht.

    Die Liebe sieht anders aus, ja. Ich liebe meine Hunde auf eine andere Art und Weise als meine Mama, und meine Mama auf eine andere Art und Weise als meine Freunde. Aber ich könnte nicht sagen, dass diese Liebe größer oder kleiner wäre.

    Deshalb erschließt sich mir auch nicht, warum eine bloße Bezeichnung meinerseits ausschlaggebend dafür sein sollte, wie ich meine Hunde behandle. Ob ich mich nun Teamleader, Mama, Mutti oder Frauchen nenne… keines dieser Worte würde meine Einstellung oder meine Liebe verändern.

    Und ganz ehrlich finde ich es auch relativ albern, Menschen allein aufgrund dessen, wie sie sich selbst ihrem Hund gegenüber bezeichnen, in eine Schublade zu stecken. Wichtig ist doch am Ende nur, wie jemand mit seinem Hund umgeht, und nicht, welches Wort er für sich selbst benutzt.

    Und wie man hier wirklich gut sehen kann, ist das vollkommen unabhängig voneinander.

    Hmh hmh. Es ist vermutlich anders gemeint, aber aus deinem Text klingt (ungewollt?) raus, dass Vielhundehalter mega tolle verantwortungsvolle Hundehalter sind, die in allem zurueck stecken, die Tiere immer an erster Stelle stehen, die nicht jammern, usw. und alle anderen sind es nicht.

    Joa... Das ist mEn definitiv nicht der Fall..

    Ich verstehe, was du meinst, und da gebe ich dir auch völlig recht. Vielhundehalter sind keine besseren Menschen und auch keine automatisch besseren Hundehalter. Es sind ganz normale Menschen mit Stärken und Schwächen. Und natürlich gibt es auch in der Vielhundehaltung Fälle, in denen Dinge nicht gut laufen oder schlicht nicht im Griff sind.

    Ich selbst habe leider auch schon Vielhundehalter kennengelernt, bei denen kaum oder gar nicht Gassi gegangen wird oder nur mit ausgewählten Hunden, während die anderen zu Hause bleiben müssen, weil sie „anstrengend“ sind. Ich habe auch Menschen erlebt, die sich einen Hund nach dem anderen anschaffen und die älteren oder weniger „coolen“ Hunde dann mehr oder weniger in der Versenkung verschwinden, weil der Fokus immer weiterwandert. Das ist weder verantwortungsvoll noch gut, und das hat auch nichts mit der Haltung zu tun, die ich beschrieben habe.

    Mir ging es in meinem Text nicht darum, Vielhundehaltung zu idealisieren oder andere abzuwerten, sondern darum, zu beschreiben, welche Lebenseinstellung es aus meiner Sicht braucht, damit Vielhundehaltung funktionieren kann. Nicht, dass sie automatisch funktioniert oder automatisch gut ist. Genau deshalb habe ich auch so stark betont, wie wichtig Selbstreflexion und ein ehrliches soziales Umfeld sind, das einem auch sagt, wenn etwas schiefläuft.

    Vielhundehaltung ist kein Qualitätsmerkmal an sich. Sie kann gut funktionieren oder eben nicht. Und ob sie funktioniert, hängt nicht an der Anzahl der Hunde, sondern daran, wie verantwortungsvoll, reflektiert und konsequent jemand mit dieser Aufgabe umgeht.

    Heute habe ich mit einer Freundin telefoniert, die wie ich Vielhundehaltung lebt und das Ganze sogar noch deutlich krasser stemmt als ich, denn sie hat zusätzlich Kinder. Und zwar mitunter die zuckersüßesten Kinder, die ich kenne, was aus meinem Mund schon wirklich etwas heißen will.

    Auslöser war diese Diskussion hier. Im Gespräch sind wir ziemlich schnell bei einem Punkt gelandet, der für mich vieles erklärt. Vielhundehaltung ist weniger eine Frage der Anzahl, sondern vor allem eine Frage der Lebenseinstellung. Man geht mit dem Wissen durchs Leben, dass es nicht immer leicht ist, dass es Phasen gibt, die anstrengend sind, chaotisch oder einfach nur scheiße. Und dann bleibt man nicht im Jammern hängen. Man sammelt sich, schaut, was jetzt nötig ist, sucht nach Lösungen und macht weiter.

    Gleichzeitig bleibt man sich immer der Verantwortung bewusst, die man für jedes einzelne Lebewesen übernommen hat, in dem Moment, in dem man es in seine Familie geholt hat. Egal wie hart es ist, diese Verantwortung wird priorisiert. Natürlich gibt es Kompromisse, natürlich muss man abwägen und organisieren. Aber nie so, dass es wirklich zu Lasten eines Individuums geht. Und mit Individuum sind übrigens nicht nur die Tiere gemeint, sondern auch man selbst. Das ist vielleicht sogar der schwierigere Teil, weil man so leicht dazu neigt, die Tiere immer an erste Stelle zu setzen. Am Ende ist aber klar, dass man selbst körperlich und psychisch stabil bleiben muss, denn als Dreh und Angelpunkt einer so großen Familie kann man der Verantwortung nur dann wirklich gerecht werden.

    Nicht ganz einig waren wir uns darüber, ob man diese Haltung schon mitbringt, wenn man in die Vielhundehaltung startet, oder ob sie sich erst mit der Zeit entwickelt. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem. Klar ist für mich aber auch, dass Vielhundehaltung kein statischer Zustand ist. Sie verändert sich. Es gibt ruhigere Phasen und fordernde Zeiten, stabile Abschnitte und solche, in denen man neu sortieren und nachjustieren muss. Verantwortung bedeutet nicht, immer perfekt zu funktionieren, sondern immer wieder ehrlich hinzuschauen.

    Dazu gehört für mich ganz klar, sich selbst und die eigene Haltung regelmäßig zu reflektieren. Und genau deshalb ist ein stabiles soziales Umfeld so wichtig. Menschen, die einen kennen, die nicht nur abnicken, sondern ehrlich sind. Die auch sagen, wenn etwas nicht passt, wenn man sich verrennt oder sich selbst vergisst.

    Ich bin auch nur ein Mensch und das letzte halbe Jahr war für mich wirklich schwierig. Emotional vor allem deshalb, weil es viel mit Krankheit zu tun hatte und leider auch mit dem Tod. Genau deshalb bin ich meinen Freunden gerade sehr, sehr dankbar. Sie waren da, haben zugehört, ausgehalten und mir vor ein paar Tagen liebevoll, aber sehr klar den Kopf gewaschen. Seitdem geht es mir deutlich besser, ich habe wieder mehr Kraft, mehr Ruhe und wieder klarere Gedanken.

    Gerade wenn man eine solche Lebensaufgabe übernimmt, ist es wichtig, nicht in dieses Klischee der einsamen, verbitterten Gestalt zu rutschen, die am Ende nur noch ihre Tiere hat. Ein stabiles soziales Umfeld ist mindestens genauso wichtig wie gute Organisation, Verantwortung und Struktur. Auch das gehört für mich ganz klar zu funktionierender Vielhundehaltung dazu.