„Höheres Rudelmitglied“, „Autoritätsperson“ oder „der Hund ordnet sich dem Baby unter“ sind keine sinnvollen Konzepte. Hunde denken nicht in menschlichen Hierarchien und schon gar nicht in abstrakten Rangordnungen mit Säuglingen. Ein Baby ist für einen Hund weder Rivale noch Vorgesetzter, sondern schlicht ein unberechenbarer Umweltfaktor: laut, geruchsintensiv, motorisch chaotisch und für den Hund nicht lesbar.
Deine Hündin hat durch die Geburt, deine Verletzungen und die neue Situation massiv Sicherheit verloren. Nicht „sie sah dich als schwächer“, sondern ihr Orientierungssystem ist weggebrochen. Hunde, die sich dann stark auf ein Baby fixieren, tun das häufig aus Stress, Überforderung oder dem Versuch, Kontrolle herzustellen. Knurren und Schnappen sind keine Dominanz, sondern Eskalationsstufen von Überforderung.
Ein gutes Zusammenleben mit Baby bedeutet deshalb nicht Rangordnung, sondern Management, Schutz und Vorhersehbarkeit:
– klare räumliche Trennung
– feste Ruhe- und Rückzugszonen für den Hund
– kein „Zusammenführen“ oder Gewöhnen durch Aushalten
– Baby und Hund nie als soziale Einheit behandeln
– ruhige, positive Verknüpfungen aus Distanz
– Stressquellen reduzieren statt Verhalten „wegtrainieren“
Dass eure Trainerin von 2–3 Jahren spricht, ist realistisch. Nicht, weil der Hund irgendwann das Baby „akzeptiert“, sondern weil Kinder berechenbarer werden und weniger Stress auslösen. Das ist ein riesiger Unterschied.