Alles anzeigenHast du hier einen konkreten Vorschlag, wie wir das "umlenken" können und gleichzeitig eine Frustatrionstoleranz aufbauen können?
Frustrationstoleranz entsteht nicht dadurch, dass man wartet, bis der Frust schon richtig da ist und dann versucht, ihn irgendwie runterzudrücken oder „aushalten zu lassen“.l. Entscheidend ist, früher zu reagieren, ruhig und selbstverständlich, ohne panisch zu werden.
Und ja, ich verstehe absolut, dass es verunsichert, wenn ein Welpe plötzlich schnappt oder beißt. Das tut weh, das erschreckt und das fühlt sich im ersten Moment einfach falsch an. Das darf man auch so empfinden. Wichtig ist nur, was man danach daraus macht.
Je mehr Emotionen man in diese Situationen packt, egal ob Hilflosigkeit, Wut, Genervtsein,... desto größer wird das Thema für den Hund. Und dann lohnt es sich für ihn immer wieder, genau dort anzusetzen. Nicht, weil er böse ist, sondern weil Menschen sich in solchen Momenten extrem gut lenken lassen.
Was viel sinnvoller ist, ist ein nüchterner Umgang damit.
Ganz praktisch kann das zum Beispiel so aussehen: Der Welpe steuert Richtung Couch. Man reagiert früh, ich nutze dabei ein einfaches Ähäh, und führt ihn ruhig aus dem Zimmer. Kein Nein, kein Schimpfen, kein Drama. Im Flur passiert erst mal nichts. Man bleibt kurz dort, ruhig, neutral. Dann geht man gemeinsam wieder ins Wohnzimmer und bietet dort eine Alternative an.
Geht der Hund wieder Richtung Couch, passiert wieder genau dasselbe. Ruhig rausführen, kurz im Flur bleiben, wieder zurück. Ohne Steigerung, ohne Emotionen.
Wenn ihr euch nicht mehr mit den Händen an euren Welpen traut, nehmt ihr eben eine Leine dafür. Die könnt ihr auch erstmal dran lassen, dann müsst ihr nicht immer erst noch anleinen.
So lernt der Hund nicht, dass etwas schlimm ist, sondern dass ein unerfüllter Wunsch einfach keine große Sache ist. Und genau so entsteht Frustrationstoleranz.
Als Ergänzung noch:
Ich persönlich handhabe das zum Beispiel ganz anders. Einfach, weil ich keine Angst davor habe, dass ein Welpe mich beißen könnte. Bei mir gibt es dann das altbewährte „äh-äh“, danach entferne ich den Welpen von der Stelle, wo ich ihn nicht haben will. Und ja, zur Not halte ich ihn auch mal für ein paar Momente fest.
Ich gehe dabei gar nicht auf diese kleinen Wutbürger ein. Ich nehme das nicht ernst. Ich weiß dann einfach: Okay, da war ich zu spät, nächstes Mal reagiere ich früher.
Aber das funktioniert eben nicht für jeden so. Und gerade wenn da schon so viele Emotionen drin sind wie bei euch, ist das auch nicht hilfreich. Deshalb wäre es Quatsch, euch das als den einzig richtigen Weg zu verkaufen.
Ich finde kleine wütende Welpen ehrlich gesagt einfach furchtbar zuckersüß und nehme das Ganze nicht sonderlich ernst. Ich habe eher Spaß daran, ihnen zu zeigen, wie die Welt funktioniert. Dass man nicht immer alles bekommt, was man gerne hätte. Und dass das auch wirklich nicht schlimm ist.
Und ich liebe die kleine Rangelkämpfe, Hapsen und Schubsen und überhaupt. Mir macht das großen spaß, den Welpen bisher auch und gleichzeitig kann ich ganz nebenbei üben nicht nur die Energie hochzufahren, sondern eben auch wieder runter. Aber das ist wirklich noch eine Stufe zu weit für euch