Beiträge von WorkingDogs

    Beuteaggression zum Beispiel

    Was ist Beuteaggression? Wie schaut das aus?

    Ressourcenaggression, der Konfliktauslöser ist nicht dass da ein Fremder im Anzug steht, sondern dass der Fremde die Beute des Hundes hat welche er unbedingt haben möchte und der Spaß des Hundes kommt daher dass er die Beute gewinnt und besitzt. Viele moderne Sporthunde tragen sich mit Beuteaggression im Schutzdienst und natürlich Beutefangverhalten in den Fluchten.

    Man kann sich durchaus vorstellen, dass Hunderassen wie der DSH, Malinois, Border Collie, usw. das Stressproblem des Menschen verschlimmern und ihn umso stärker in die Impulsivität treiben. Diese Hunderassen sind züchterisch so "vernetzt", dass sie schnelle und intensive Stressreaktionen zeigen. Die ursprüngliche Hütearbeit erfordert Reaktionsschnelligkeit, Ausdauer und eine gewisse "Sensationsgeilheit" - was sich in Suchtverhalten äußert. Die Arbeit im Dienst und im Sport verschärft den Hang zu Neurosen.

    Ja, ich habe Hunde bei "ihrer" Arbeit beobachten dürfen. Die Intensität dieser Hunde ist überwältigend. Nicht-Sportler brauchen eine riesige Portion Bewusstsein für die psychologischen Vorgänge solcher Hunde. Meines Erachtens nach fehlt dieses oft im gesamten Hundebereich, was mich wieder an den Anfang dieses Textes bringt.

    Man kann die Arbeitsrassen aber nicht so über einen Kamm scheren. Ich hatte verschiedenen Arbeitsrassen daheim, dienstliche wie jagdliche und auch aus dem Hütebereich. Wie gut ein Hund daheim abschalten kann hängt meiner Erfahrung stark am Nervenkostüm und schlechtes abschalten bedingt keine sportlich bessere Leistung. Sehr viele Sportler und Jäger wollen auch genau den Hund der sportlich liefert und im Alltag angenehm ist.

    Was man merkt ist, dass manche Veranlagungen die Ausbildung vereinfachen, aber im Alltag dafür nerven können. Ganz Beispielhaft mal der Labrador, die Bringfreude ist so genetisch ausgeprägt, dass es kaum bis keine Zwänge braucht in der Ausbildung. Dafür merkt man im Alltag die Stereotypen die damit einhergehen. Beim DD muss das Bringen mitunter zwar mit mehr Zwängen durchgearbeitet werden, dafür ist die Rasse im Alltag angenehmer (finde ich!), weil sie dieses Zwangsverhalten nicht mitbringen und einfach mental ausgeglichener sind.

    Bei Arbeitshunden gibt es ganz gewaltige Unterschiede woher die Arbeitsbereitschaft kommt und wie die Kehrseite der Medaille im Alltag aussieht.

    Früher hatte man bei den Schutzhunden Hunde die wirklich überwiegend griffig waren. Das war auch der Treiber im Schutzdienst. Heute möchten das nur noch wenige und auch die PO macht diesen Schlag Hund immer schwieriger zu führen. Die Kehrseite ist also, dass die Hunde immer mehr über die Nerven und andere Formen der Aggression gehen (Beuteaggression zum Beispiel), was wieder seine Nachteile hat. Man möchte nicht mehr mit Zwängen in der UO ausbilden, also braucht es Hunde die sich gut motivieren lassen über Spielzeug und Futter, was wieder seine Probleme mitbringt - oft und gerade im Alltag.

    Allerdings bin ich als Welpentrainerin in unserem Verein tätig und was ich da oft mitbekomme ist eine ganz andere Realität als hier im Forum.

    Das stimmt schon, aber da könnte ich auch nur Gegenhalten dass das im Sport leider nicht anders ist. Zumindest bei uns, viele sind einfach unwissend. Wobei ich selten erlebe dass jemand aus unwissen draufhaut, die meisten wollen eigentlich nichts kaputt machen. Die Fraktion die richtig unfair wird tut es eher aus Frust weils nicht so klappt wie sie das wollen und der Erfolg dabei geht gegen null. Die sind im Alltag aber genauso, solche Leute muss man dann in ihre Schranken weisen. Choleriker gibts leider überall.

    Im Familienhundebereich (oder wie man es immer auch nennen will) denke ich läuft öfter etwas schief, wird öfter mal nicht hundegerecht "ausgebildet" oder gehandhabt. Hier passiert es oft aus Unwissenheit. Was das ganze nicht schmälern soll, ich bin auch der Meinung - Unwissenheit schützt vor Strafe nicht- aber nur um das vl. etwas einzuschätzen.

    Ich empfinde es ganz anders, mein Gefühl ist eher die Menschen sind mittlerweile absolut verunsichert was "richtig" und was "falsch" ist. Dort herrscht ja eine ähnliche Mentalität, man kannes eigentlich nur noch falsch machen, egal was du machst es wird nur noch gemeckert. Entweder bist du unfair oder du wirfst mit Wattebausch, musst zu allem eine Doktorarbeit schreiben können, wehe du machst etwas aus dem Bauch heraus und kannst nicht wissenschaftlich begründen warum.

    Das merkt man ja auch immer wieder hier wenn Fragesteller neu sind. Da gehts ja teilweise richtig ab. Viele haben sich informiert, aber nicht "richtig", Lernprozesse darf es nicht mehr geben, Fehler schon gar nicht. Verunsichert sind super viele was denn nun korrekt ist und das was in vielen Hundeschulen (von Trainern mit §11!!!!) gelehrt wird, da schlägst einem oft die Hände übern Kopf zusammen.

    Und woher kommt das? Weil auch der Begleithundebereich einen Wettbewerb draus macht wer besser ausbilden kann. Nur dass es dort keine offzielle Preisverleihung gibt.

    Im Alltag beobachte ich in unserer Gegend kaum einen ruppigen Umgang, hier herrscht eher das Problem der absoluten Hilfslosigkeit und der Fähigkeit Situationen einzuschätzen.

    Je nach Rasse finde ich das echt unlustig, wenn da so XXL Bullis deinen Hund fressen wollen und Herrchen nur hilflos säuselnd am Geschirr mit Schleppleine hängt und versucht den Hund mit Futter abzulenken hörts halt auch irgendwann mal auf.

    Oder die Hunde hören absolut nicht zuverlässig, man glaubt die wären nett und freundlich und dürfen deshalb überall hinlaufen. Werden abgeleint obwohl der Rückruf überhaupt nicht sitzt sogar der Hund etwas Trieb aufbaut.

    Trainingsmethoden in aller ehren, aber nicht jeder Hundehalter ist ein Meister im Hundetraining und kann das alles so umsetzen, verstehen und vor allem einschätzen.

    Frage an diejenigen, die schlechten Umgang mit Hunden im Hundesport beobachten: denkt ihr das ist mehr als bei "normalen" Hundehaltern dieser Rassen?

    Meiner Erfahrung nach ist ein ruppiger Umgang in der Jagd verbreiteter als im Sport. Im Sport finde ich nicht dass das normal für bestimmte Rassen ist, aber es gibt solche Menschen hin und wieder leider.

    Ich finde schon, dass die Tendenz im Sport zu immer tiergerechteren Methoden geht und dass es in der Jagd viel normaler ist dass ein unfairer Umgang herrscht, ohne dass es dort ein großartiges Vergleichssystem gibt.

    Was freilich nicht heißt, dass es nicht auch Hundehalter gibt, die auch im Sport zu unfairen Trainingsmethoden greifen.

    Und hier hat ja jeder die Möglichkeit ein solches Verhalten schlicht nicht zu dulden. Ja, es gibt immer mal Gestalten die unfair trainieren. Und ganz viele Vereine die sowas nicht dulden und solche Leute vom Platz holen.

    Genauso wie es Leute gibt, die im Alltagstraining gemein zum Hund sind. Im Alltagstraining hab ich übrigens schon gelegentlich gemeines Verhalten dem Hund gegenüber sehen dürfen - sei es beim alltäglichen Spaziergang oder in Trainingsgruppen.

    Klar gibt es das, dort herrscht ja nicht weniger Druck dass die Hunde möglichst perfekt und unauffällig sein müssen. Liest man doch nie dauernd wie viel Druck und Stress sich Hundehalter machen.

    Ehrgeiz mag das eine sein warum falsch trainiert wird. Verzweiflung, Frust und Hilflosigkeit sind eine viel häufigere Ursache und DIE findet man absolut überall, natürlich auch im Sport.

    Wie gesagt das machen auch ganz normale nie irgendwo startende Leute. Denn das sich vergleichen braucht keinen Start.

    Deswegen bin ich ja absolut für Zuchtwertschätzungen, das löst nämlich einen Wettbewerb "im Guten" aus, führt aber leider auch immer wieder zu genetischen Verengungen. Anders als oft behauptet will nämlich kaum einer kaputte Hunde züchten und Vererber die nachweislich sehr gesund vererben (was eine Zuctwertschätzung sehr simpel aufzeigt) werden sehr beliebt und dann gerne übernutzt.

    Im Schutzdienst geht es darum die Anlagen zu vergleichen, kein Hund muss besonders schnell sein um hohe Punkte zu erreichen, auch wenn viele Sportler schnelle Hunde mögen.

    Es geht zum beispiel um Griffverhalten, dass ist in sofern wichtig, dass bei Polizeihunden nur noch ruhige Griffe gewünscht sind. Jedes nachpacken und umsetzen führt in Deutschland zu einer neuen Körperverletzung. Desweiteren geht es um Führigkeiten und Ausbildbarkeit in Triebhöhen, ebenfalls sehr wichtig.

    In der UO verhindert vor allem die Meterhürde noch schlimmere Zuchtauswüchse, weshalb ich auch strikt gegen 80cm bin. Bei meiner Rasse fangen im mittleren Alter außerdem gerne Rückenprobleme an, die nichts mit dem Sport zu tun haben, sondern mit Genetik. Deshalb finde ich super auf Veranstaltungen Hunde verschiedenen Altersklassen und aus unterschiedlichen Linien sehen zu können.

    Fährtenarbeit ist eben Nasenleistung bei Wind und Wetter, hier kann man Hunde beobachten welche sich zum Beispiel mit dem Wetter schwertun.

    Ich persönlich finde wichtig dass ein Hund sich als führbar im Sport zeigt, es gibt genug Kandidaten die "too much" sind und ihre Prüfungen nicht bestehen nach den ersten Stufen oder denen die Nerven für Veranstaltungen fehlen. Für mich als Züchter ist es ein wichtiges Indiz dass Hunde auch im mittleren bis hohen Alter leisten können, sich über die Jahre beständig, führbar und ausbildbar zeigen. Das spricht für Nerven und Qualität.

    Wir haben ja nicht nur das SEK wo dann die Hunde hinkönnen die nicht führbar sind und wo trennen egal ist.

    Aaaaaber Beißsport ist eben Anlagensport und nicht vergleichbar mit Hochleistungssport. Wir trainieren unsere Hunde selten in Spitzenbereichen und sind trotzdem überregional unterwegs. Weniger ist nämlich oft mehr und ansonsten sind es ganz normale Begleit und Familienhunde.

    Nervig ist eher der Trend dass gute Hunde für gutes Geld ins Ausland gehen, bevor man sie überhaupt auf Veranstaltungen sieht, momentan ist es super schwierig passende Rüden länger zu beobachten und erstmal abzuwarten wie sie sich 3-4 Jahre lang zeigen.

    Ich denke das ist mittlerweile schon stark verbreitet. Wir veranstalten ein Physioseminar und da sind unsere Familienhundehalter genauso dran interessiert wie die Sportler.

    Sportarten muss man auch einfach Unterscheiden. Nicht jeder Anlagensport ist auch gleich Hochleistungssport. Im Fährtenhundebereich ist die elite häufig im Seniorenalter, weil das einfach unfassbar viel Erfahrung seitens des Hundes erfordert.