Ansonsten frage ich mich was ihr euch unter Arbeitshunden vorstellt. Meine sind nicht halb so anstrengend wie es hier klingt. Die müssen nur richtig gehandled werden.
Danke.
Es gibt so viele Facetten von Arbeitshunden, es muss halt passen. Aber momentan wird es ja auch total modern alles als Arbeitshund zu deklarieren, ist zumindest mein Gefühl. Arbeitshunde sind Hunde die aktiv auf Leistungseigenschaften und Genetik selektiert werden und nicht gleich jede Hunderasse die sich etwas aktiver zeigt. In erster Linie zeichnet einen Arbeitshund aus, dass ich eine gewisse Genetik habe die mir den Ausbildungsaufwand ABNIMMT, nur weil ein Hund sich gut trainieren lässt und er Energie hat, macht das noch lang keinen Arbeitshund draus. Viele ehemalige Arbeitshundrassen sind schon lange nicht mehr reel brauchbar. Dazu kommen dann noch Eigenschaften die dafür sorgen dass das Ganze auch gebraucht werden kann wie Stressresilenz, Reaktivität, Nervenkostüm, Belastbarkeit, Härte, Schussfestigkeit, usw.
Mein Malirüde ist nicht die hellste Kerze auf der Torte, trotzdem ist das Tier durch und durch Arbeitshund, für ihn gibt es nur beißen, beißen, beißen (nein, nicht in Menschen!). Unterordnung macht weniger Spaß, weil er seine 5 Gehirnzellen weniger gerne zum nachdenken nutzt und da ist er eher der Typ "Soldat", Kommandos erarbeiten über shaping ist schwieriger, gut geht zu sagen "mach einfach" und dann macht er einfach mit 120%. Im Alltag aber mein einfachster Hund weil er sehr simpel gestrickt ist und zu wenig Verhaltensweisen neigt die viel Management erfordern.
Ich hätte keine Lust auf einen Hund, dem ich das beißen in ein Beuteobjekt erst erklären oder schmackhaft machen muss, der nicht sichert, der sich mit Futter von der Beute weglocken lässt und dem einfach das Mindset fehlt. Meine tun sich alle schwerer damit Tricks zu lernen, da ist der BC meiner Freundin um längen "klüger" und schneller, nu, der öffnet aber auch keine Türen, verfolgt nicht eisern Fährten und würde aus dem Arm fliegen bzw. bei Belastung einfach weglaufen, das müsste man alles mühsam aufbauen. Dafür ist er sehr stark im Zuhören und im lenken und leiten lassen. Er ist Reitbegleithund und macht das fabelhaft.
Beim Labrador ist ja auch der Witz, dass ich das Bringen und leise sein eben nicht 100 Jahre kleinschrittig aufbauen und trainieren muss, sondern dass die einfach bringen und ruck-zuck einsetzbar sind. Ob die Tricks schnell lernen ist mir da ziemlich egal, das brauchts in der reelen Arbeit so doch null. Hier finde ich die Neigung zu Sterotypen aber wieder etwas ausgeprägter als ich es von unseren heimischen Rassen gewohnt bin, im Umgang mit anderen Hunden finde ich die Rasse absolut anstrengend. Charakterlich lassen die sich sehr wenig einfallen und bringen auch von Haus aus wenig Frustneigung mit.
Ich liebe ja auch Jagdterrier sehr, die Arbeitseinstellung ist ein Traum, man muss das halt gebrauchen können, dann ist das ganze auch nicht anstrengend, sondern ein Segen.
Für mich zeichnet Arbeitshunde auch aus, dass sie unter Stress funktionieren, viele Hunde machen mit solange alles angenehm ist. Aber sind dann nicht schussfest, geländehart, wetterhart, usw. Bei den Gebrauchshunden wollen wir Frust zum Beispiel haben, sehr viel in der Ausbildung läuft über Frustaufbau. Klar ist das im Alltag anders als bei Hunderassen die ins Gegenteil gezüchtet werden, aber so hat jede Medaille einfach zwei Seiten.
Das sinnvollste ist es sich zu fragen was man hauptsächlich mit dem Hund vor hat und wo man bereit ist Abstriche zu machen. Der Großteil der Hundehalter möchte spazierengehen und dabei mit dem Hund auch interagieren und aktiv sein. Ich würde also nach Züchtern und Hunderassen schauen, die mit diesen Bedingungen gut funktionieren und sich stabil in den Nerven zeigen, da gibt es doch so viel Auswahl an Rassen die damit ein passendes und glückliches Leben führen. Bei normaler Beschäftigung durch den Halter sind die modernen Begleithunde doch so gut wie alle dabei, aber sicherlich muss man mehr Händchen haben als bei Hunderassen deren innere Stimme ihnen zuflüstert dass sie unbedingt müssen (intrinsisch), klingt doch aber danach als wären das auch der Abstrich der für die TE ok wäre. Und wenn die TE kein Händchen fürs trainieren hat, dann ist ein Hund der genetisch viel alltagstauglichkeit mitbringt auch die beste Wahl.