Beiträge von WorkingDogs

    Ich erlebe es im Bekanntenkreis aber tatsächlich, dass sich Qualzuchten angeschafft werden, weil die genügsamer sind und man einen richtigen Hund ja nicht gerechet werden kann.

    Auch bei den Katzenhaltern, da gibt es wohl so Dackelkatzen (?).

    An die Intelligenz würde ich das nicht koppeln, da sind auch ausreichend Akademiker dabei.

    Allerdings könnte man in meinem Bekanntenkreis behaupten, dass die Hemmschwelle sinkt, je einsamer derjenige ist. Ist jetzt echt fies, aber man merkt da schon, dass man trotzdem „haben will“ um nicht so alleine zu sein.

    IST DAS DEIN ERNST??? :face_screaming_in_fear:

    Ja, wir haben hier zum Beispiel so nen netten Am. Bully, der jeden Hund schreddern will. Der hat jetzt ne Trainerin für betreutes Ausrasten am Geschirr. Ganz großes Kino.

    Ja, gerne möchte ich einen Welpen von so einem Tier geschreddert haben, unbedingt.

    Och.. Mein Onkel, „typischer“ DSH-Halter und Hundeplatzgänger der 80er/90er inkl. Zwingerhaltung und fragwürdigen Trainingsmethoden, hat meinen Eltern für unseren nicht leinenführigen Dackelmix (!) damals auch ein Stachelhalsband gegeben. Und die haben es benutzt. Hat ja schließlich funktioniert.

    Ja mei, immerhin hat es funktioniert, etwas, was man bei vielen Methoden mittlerweile nicht mehr behaupten kann. Lieber lässt man sich vom halbstarken die Schulter auskugeln oder bindet randalierende Hunde irgendwo fest.

    So ist das nun mal, der durchschnittliche Hundehalter ist weder sonderlich begabt was Hundetraining angeht, noch hat er viel Gefühl für Qualzucht (was ja mit Wissen nichts zu tun hat). Wird man sich einfach mit abfinden müssen, man macht die Leute nicht talentierter.

    Ich hab keine Ahnung wie intensiv du dich mit der Ausbildung und Haltung von Jagdhunden (oder wie intensiv du bereits in Kindes- und Jugendjahren in Jägerkreisen unterwegs warst) beschäftigt hast.

    In meiner Jugendzeit ist der allergrößte Teil der Jagdhunde, von Teckeln mal abgesehen, im Zwinger gross geworden und hat das Wohnhaus nie von innen gesehen.

    Ein Jagdhund sollte auch nicht im Wohnhaus aufwachsen, sondern im Revier.

    Ich sag ja auch nicht, dass es keine Verwahrlosung im Zwinger oder in irgendwelchen Stallungen gab, sondern dass das auch damals von namenhaften Ausbildern als schlechte Aufzucht angesehen wurde.

    Mal davon ab, werden heutzutage genug Hunde in der Box groß. Ist heute auch nicht besser, nur weniger offensichtlich. Aber ist nun auch OT, ich höre auf.

    Genau so ist es. In den 70/80gern wurden Haustiere ganz selbstverständlich behandelt, da würde man heute zurecht nach dem Tierschutz kreischen. Es gab kein Wissen, wie man Meerschweinchen hält, den Begleithund mit Stachler Gassi zu führen, war normal. Im Reitstall standen die Pferde selbstverständlich im Ständer. Es gab wenig Möpse, aber ganz ganz sicher nicht, weil man sich um Qualzuchtrassen Gedanken gemacht hat. Frenchies waren einfach unbekannter, Möpse spießig, und sonst wurde gern Loriot zitiert: Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.

    Das ist so pauschal auch einfach Quatsch!

    Einfach mal Literatur aus diesen Jahren lesen. Einer der bekanntesten Jagdhundeausbilder predigt zum Beispiel, dass Junge Hunde Bewegung und wenig Einschränkungen brauchen. Damals gab es aber auch zugegeben weniger Hunde und vor allen: weniger Verkehr!

    Ja, es gab Zwinger aber auch da ist ein guter Hund nicht im Zwinger aufgewachsen.

    Ja, es gab Stachel, waren aber auch andere Hunde vom Typ („es gibt keine zu harten Hunde“) und ist ja nun nicht so, als würde man heute nur gut erzogene Hunde treffen. Ganz im Gegenteil die Hundetrainer-Branche boomt.

    Übrigens beschwert sich bereits dieser Ausbilder darüber, dass die Hunde zu nervenschwach werden würden. In den 60igern.

    Was wor früher mehr oder weniger wahr genommen haben kommt aber auch darauf an in welchem Umfeld wir groß geworden sind. Ich bin Baujahr 87 und da war es als Kind in den frühen 90ern für mich ganz normal Arbeitsrassen zu sehen, am typischen halt Jagdhunde und vom Umfeld mehr Boxer oder Schäferhunde. Da hatte als wir wieder zurück ins Wohngebiet gezogen sind in den kompletten Mehrfamilienhäusern (und das sind ca ü200 Wohnungen bei uns im Block) nur der Hausmeister (Boxer), wir und noch ein Nachbar (Schäferhund) Hunde.

    Denke auch, dass das eher ein Erziehungsthema ist und wie gut die eigenen Nerven so sind, wie verkopft man ist.

    Ich vermittle auch DSH LZ in normale Hände, mit bissl Hundeplatz, die Leute wissen aber, dass man die Erziehen muss und heulen nicht gleich los wegen ein bisschen Welpenzeit (sorry). Auf der anderen Seite hab ich Sportlern schon abgesagt, weil ich wusste, dass es da mit der Erziehung und den Umfeld nicht passt. Da ist das Forum oft auch sehr schwarz-weiß.

    Nicht nur das Nervenkostüm vieler Hunde wird schlechter, auch das der Menschen.

    (Kleiner Tipp: Meine Jugend ist ein paar Jahrzehnte her. :sweet: )

    Dazu gerne eine Anekdote:

    Mein Papa, Baujahr 1958, würde unseren Wald am liebsten rasieren, wenn man ihn ließe. Sämtliches Totholz weg, schön aufgeräumt, usw.

    Wir, die jüngeren, verbieten ihm das immer, weil das dusselige Totholz eben so wichtig ist.

    Sein Argument ist dann immer, er sei halt anders aufgewachsen als wir.

    Ja, nicht unbedingt nachhaltiger. Das stimmt.

    Viele Ursprünge der Auswüchse haben ja ihren Ursprung 40-50 Jahre zurück, mittlerweile. Siehe Flurbereinigung in den 70igern. Beim DSH sind es ebenfalls die 70/80iger wo die Populationen sich getrennt haben und die Hochzucht anfing zu boomen.

    Ich denke nicht, dass man die Zeiten nach den beiden Weltkriegen wirklich als „früher“ bezeichnen kann, das waren schon sehr spezielle Umstände und Zeiten, die Leute hatten mit Sicherheit andere Probleme, als die Frage wer den individuellsten Hund am Strick hat. Und was danach kommt, wissen wir doch, immerhin sehen wir momentan das Ergebnis dieser jahrzehntelangen Entwicklung.

    In der Menschheitsgeschichte gab es immer Zeiten des Luxus und mit diesen auch sicherlich Auswüchse bei den Hundetypen. Das ist doch ganz menschlich und auch in anderen Bereichen normal.

    Es gab aber mit Sicherheit nie Zeiten, wo es der Bevölkerung so gut ging wie heute und man sich den Luxus „Begleithund“ in der breiten Masse angeschafft hat. Und mit diesem Trend gehen die Extreme eben einher.

    Zum Thema Rassehundezucht ist es vereinsabhängig, beim DSH kann ich nicht behaupten, dass Dissidenz so viel besser wäre, im Gegenteil. Beim Mali hingegen würde ich beim nächsten wohl durchaus außerhalb der FCI gut fündig werden.

    So verschieden ist das.

    Hier sind ja die Britischen Hütehunde gut vertreten im Forum, und der Verein scheint ja in der Tat einige Diskussionspunkte zu haben, die Dissidenz teilweise sogar besser, aber das trifft ja deshalb nicht auf alle Vereine zu.

    Realistisch wird man sich mit der Existenz von Qualzucht abfinden müssen.

    Weder wird politisch eine tolle Lösung kommen, noch werden plötzlich alle Menschen von sich aus Einsicht zeigen.

    Es wird auf einen Kompromiss hinauslaufen, 1/3 Nase oder sowas. Eben „ein bisschen leid ist doch ok“.

    Ist halt verrückt dass man parallel so vehement bei Themen ist, unter denen Hunde einfach gar nicht leiden und bei den Brachys wird alles schöngeredet und bisschen Atemnot ist doch ok.

    Aber so ist sie eben, die Realität.

    Und was passiert mit den Tieren, die nach dem Bestandsschutz angeschafft werden?

    Aber natürlich ist ein Zuchtverbot kein Haltungsverbot, aber letzteres wäre eine nur logische Sache, wenn es denn um Qualzuchten geht. Dafür sollte man aber sehr gründlich und sinnvoll definieren, was denn eine Qualzucht darstellt, was ja aber generell eigentlich angebracht wäre.

    Glücklicherweise passiert das aber nicht, unsere Politik würde das sowieso nicht sinnvoll hinkriegen.

    In der Realität kann man doch nur hoffen das politisch einfach die Finger von sowas gelassen wird, da könnte man sich ja mal auf wichtigere Dinge konzentrieren. Wie zum Beispiel das bekämpfen von Invasiven Arten, wäre hier ja auch mal ganz schön das ganze zu regulieren, dass sich da keiner kümmert empfinde ich nun nicht als Sieg…