Wie machen Menschen das, die solch einen Hund haben? Haben die zuerst einen Hund der für Anfänger geeignet ist und holen sich dann den Hund den sie eigentlich wollen?
Natürlich kannst Du Dir auch einen anspruchsvollen Hund holen, auch als Anfänger. Ob das gut gehen kann, hängt aber zu einem großen Teil von Dir, Deinen Eigenschaften, Deinen Wünschen und Träumen und von Deiner Umgebung ab und wieviel Deiner Wünsche und Vorstellungen Du zu opfern bereit bist, wenn es nötig sein sollte.
Sowohl unsere alte Hündin als auch mein alter Rüde waren Hunde, die es auch Anfängern leicht gemacht hätten. Total unterschiedliche Hundetypen mit unterschiedlichen Bedürfnissen, aber beide würde ich als einfache Hunde bezeichnen. Meine jetzigen Jungs sind nicht so einfach.
Würdest Du mit einem Hund klarkommen, der ganz einfach davon ausgeht, dass jeder nicht zur engen Familie gehörende Mensch sich nicht frei in Deiner Wohnung bewegen darf und schon garnicht in Deine Nähe kommen darf - und der auch danach handelt?
Würdest Du mit einem Hund klarkommen, der jeden gleichgeschlechtlichen Artgenossen, der ihm irgendwo begegnet, sofort verprügeln will?
Würdest Du mit einem Hund klarkommen, der hinter allem, was sich bewegt, hinterherjagt?
Würdest Du mit einem Hund klarkommen, der jedes Geräusch, das er wahrnimmt, verbellt?
Ich habe hier keine größeren Probleme mit meinen Hunden, weil ich aufgrund meiner Gegebenheiten (eigenes Haus, dörfliche Lage, eingezäuntes Grundstück, verständnisvolle Nachbarn, kaum Besuch/Fremde im Haus, Möglichkeiten, Hunde und Besucher sicher zu trennen) mit sehr vielem klarkommen kann.
Manchmal vermisse ich die Spaziergänge mit meinen vorigen Hunden, bei denen ich einfach die Seele baumeln lassen kann und einfach so verträumt vor mich hin gehen kann. Mit meinen beiden derzeitigen Hunden ist das nicht möglich, da muss ich die gesamte Umgebung im Blick haben, damit ich schneller reagieren kann als meine Hunde. Sonst sind die weg - Reh jagen, Hund vertreiben, Mensch vertreiben, Katze jagen usw.
Mit meinen vorigen Hunden war da wesentlich weniger Management nötig und das kann das Leben doch ungemein erleichtern.
Bei meinen beiden Jungs bin ich sehenden Auges vorgegangen, wusste, welche Eigenschaften sie mitbringen und wusste, ich komm damit klar, weil ich bereits unterschiedliche Erfahrungen mit unterschiedlichen Hundetypen gesammelt hatte und weil eben meine örtlichen und persönlichen Gegebenheiten viel Spielraum lassen für unerwünschte Eigenarten und Eigenschaften.
Wenn Du bestimmte Ansprüche an Deinen Hund hast, wie z.B. muss mit Kindern klarkommen oder soll mich überall hin begleiten können oder soll nett zu bis desinteressiert an Fremden sein, dann kannst Du eben schon viel über die Auswahl der Rasse steuern. Wenn Du auch mit einem Hund klarkommst, für den das schwierige bis hin zu unmöglichen Situationen bedeuten, dann hast Du eben eine größere Auswahl an geeigneten Rassen. Aber mache Dir klar, dass, je anspruchsvoller der Hund ist, auch mehr Ansprüche an Dich gestellt werden.
Und das für die nächsten 10-16 Jahre, nicht nur für die nächsten 6 Monate.