Beiträge von Ariodante

    Mit einem guten Trainer sollte es eigentlich keine Rückschritte geben. Er muss auch nicht aus deiner Hundeschule sein, um dir weiterzuhelfen. Der Vorteil eines guten Trainers wäre, dass er sich vor Ort „das System“ anschauen kann. Wie interagieren Texas und Lui zuhause? Was siehst du und machst du schon richtig, wo sind dir Dinge noch nicht aufgefallen? Wie interagierst du mit den Hunden im Alltag? Wie kannst du welche Baustelle gezielt angehen? Vor allem in Hinblick auf die Markiererei wäre das sicher hilfreich, wenn das ein Profi vor Ort sieht. Damit kannst du dir das Leben eventuell deutlich einfacher machen.

    Hier können die Leute nur darauf reagieren, was du schreibst, und das gibt natürlich nie das ganze Bild (auch die Hundeschule sieht ja immer einen Ausschnitt).

    Und nicht böse sein, aber ich versteh schon ein bisschen, was vorhin mit „beratungsresistent“ gemeint war. Du fragst nach Erfahrungen, aber wenn welche mit dir geteilt werden, verwendest du einige Energie darauf, zu erklären, warum das alles nicht sein kann und bei dir alles anders ist und du auf jeden Fall Recht hast. Dabei wollen dich die Leute hier nicht angreifen, sondern verwenden Zeit drauf, Erfahrungen mit dir zu teilen und dir zu helfen.

    Eine Erfahrung als Hundeanfängerin möchte ich auch noch mit dir teilen:

    Zwei Monate, nachdem Lilly eingezogen war (auch als erwachsener Hund) hätte ich sicher auch erzählt, wie gut die Bindung schon ist und wie sie mir vertraut. Jetzt, zwei Jahre später, sehe ich retrospektiv, was ich damals alles nicht gesehen habe. Wie sehr das Vertrauen erst noch wachsen musste. Wie wenig ich den Hund damals verstanden habe (ich habe mich auch in Hundesprache eingearbeitet, aber das lernt man erst richtig mit viel Erfahrung, trotz sehr absolvierter Kurse. Ich bin noch lange nicht gut darin). Kurz: Wenn dir hier erfahrene Leute sagen, dass dir die Erfahrung fehlt, um einige Dinge zu beurteilen, dann haben sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit recht. Das heißt nicht, dass du deine Sache schlecht machst oder gar die Hunde nicht gut behandelst. Das heißt nur, dass du jetzt noch nicht alles kannst und weißt, ihr aber zusammen wachsen werdet. Und Ratschlägen erfahrener Halter (zum Beispiel hier) und Profis (guter Trainer) können dir dabei helfen.

    Machst du eigentlich ausschließlich Hundeschule oder auch Einzeltraining? Wenn nein: Würd ich machen. Da wird ja nochmal sehr spezifisch auf deinen Alltag geguckt, und das ist sehr hilfreich und nochmal was anderes, als die Übungssituation in der Hundeschule.

    Ich würde versuchen, mich von dem Begriff „Erwartungen“ lösen. Mit dem hast du ja automatisch einen Defizit-orientierten Blick auf die Hunde: Da und da erfüllen sie die Erwartungen nicht, und es klingt, als seien die Hunde in einer Bringschuld, sie sollen ja deine Erwartungen erfüllen.

    Ich würde es anders formulieren: Du brauchst bestimmte Dinge/Skills/Verhaltensweisen deiner Hunde, damit das Zusammenleben dauerhaft funktioniert. Also musst du ihnen diese Sachen Stück für Stück beibringen. Manche können sie schon - toll. Die anderen priorisierst du ja jetzt und gehst sie an. Das wird schon (auch wenn das bestimmt anstrengend wird, aber das haben dir ja alle prophezeit :winking_face:). Und wenn du wegkommst von den Defiziten der Hunde und stärker auf deine Handlungsoptionen schaust, fühlt sich das alles vielleicht nicht mehr so frustrierend an, Stichwort Selbstwirksamkeitserfahrung.

    Einige Punkte deiner Liste solltest du auch noch mal einem Realismus-Check unterziehen. Ich finde es zum Beispiel völlig utopisch, dass man seinen neuen Hund nach ein paar Tagen zuverlässig frei laufen lassen kann. Aber dass ihr das im Laufe der Zeit hinkriegt, klingt doch machbar.

    Ich denke übrigens auch nicht, dass die Vorbesitzer dich zwangsläufig verarscht haben. Eventuell konnte Lui das alles, und nun ist es deine Aufgabe, mit es ihm zusammen zu schaffen, dass es das auch bei dir wieder abrufen kann.

    Im dem Szenario von Sascha ging es ja nicht um Enge und Gedränge, sondern um Regen ausweichen, das ist ja noch was anderes.

    Und Beispiele aus meinem Hundehalterleben sind genau das, Beispiele aus meinem Hundehalterleben und keine allgemeingültige Anleitung (und das sollte sich auch nicht so lesen, tut mir leid, wenn das so rüberkam). Der Kern meiner Aussage war eine Haltung des HH, die die Perzeption des anderen nicht einbezieht und um sich kreist - ich weiß ja, dass mein Fiffi sich super verhält, also alles gut. Ich kann ja Menschen ansehen, ob sie Angst haben und entscheide dann, wie ich reagiere. Das hat eben nichts mit der Rücksicht zu tun.

    Ist zwar eher OT, aber: Hier wird sich seitenweise beklagt, wie furchtbar distanzlos und rücksichtslos sich Nicht-Hundehalter*innen verhalten, aber wenn jemand auf rücksichtslose HH verweist, dann liegt das wahrscheinlich an den Örtlichkeiten und am Wetter, die HH können ihren Hund einschätzen, ob die mit der Situation klarkommen und sehen auch, ob jemand Angst vor ihrem Hund hat. Naja.

    Was ist dein Punkt? Ich habe nur gefragt, ob es sich um eine solche Situation gehandelt haben KÖNNTE, weil ich nasse Hunde und Haltestelle gelesen habe. Und damit nur in den Raum geworfen, dass es für genau diese Situation eine Erklärung geben KÖNNTE. Ich habe keinesfalls behauptet, dass es so gewesen sein muss.

    Danach habe ich erklärt, warum auch ein rücksichtsvoller Hundehalter unter Umständen sich mal mit seinen Hunden im Nahbereich fremder Menschen aufhalten kann und dabei trotzdem nicht den Blick für evtl. ängstliche Menschen verlieren muss, auch wenn er seinen Hund evtl. mal zu dicht heranführt.

    Hier im Thread geht es um gefährliche Hunde und damit ist es sehr wohl sinnvoll darauf hinzuweisen, dass es einen sehr großen Unterschied macht, ob die Distanz zum Hund durch fremde Personen verringert wird, die sich aktiv auf den Hund zubewegen oder ob der Hundehalter aktiv eine Distanz verringert, weil er seinen Hund kennt und entsprechend einschätzen kann.

    Die andere Frage ist, ob die Person oder die Personen zu denen der Hundehalter die Distanz verringert eben wiederum ein Problem mit der Annäherung des Hundes haben. Das ist das von Hektorine angesprochene Problem einer Begegnungssituation, das eben auch Beachtung erfahren muss, aber eben erstmal in keinem Zusammenhang zum Threadtitel steht. Ein riesiger Unterschied ist z.B. auch, dass ein Mensch sich in der Regel sprachlich verständlich mitteilen kann, wenn ihm ein Hund zu nah kommt, Ebenso sollten Menschen untereinander erkennen können, wenn andere Menschen sich ängstlich verhalten. Eben wieder eine Fähigkeit, die ein Mensch bzgl. eines Hundes eben nicht unbedingt hat. Angst und Aggression beim Hund werden eben viel weniger zuverlässig von Menschen erkannt.
    Wir können uns also gerne über gegenseitige Rücksichtnahme unterhalten, denn das ist das verbindende Element. Aber hier im Thread geht es nicht darum aus Rücksichtnahme nicht aktiv auf fremde Hunde zuzugehen, sondern aus Gründen der Gefahrenabwehr.

    SabineAC69
    Sicher, aber das geht halt nur solange, wie man nicht komplett von Menschen umgeben ist.

    OT

    Was mein Punkt ist: Ich finde es etwas lustig, wenn bei der Erwähnung rücksichtsloser HH sofort eine mögliche Ausrede präsentiert wird. Denn das ist eine Ausrede - wie SabineAC69 sagt, der Hund gehört auf die abwandte Seite, und im Zweifelsfall wird Fiffi halt nass, bevor er sich im Trockenen an Passanten vorbeiquetschen darf. Das ist keine Muss-halt-leider-Situation.

    Und was mir aufstößt, ist die Haltung: Sei unbesorgt, ich kann meinen Hund einschätzen, sonst würde ich nicht so nah an Leute herangehen. Die anderen Leute wissen eben nicht, ob du deinen Hund einschätzen kannst, und die Empirie spricht dagegen (in meiner Ecke können grob geschätzt 80% der HH nicht einschätzen oder lesen, und da nehme ich mich gar nicht mal aus. Wenn mir hier ein unangeleinter Schäferhund entgegen kommt, weiche ich immer auf die andere Straßenseite aus, weil ich mich ganz bestimmt nicht auf ein selbstgefälliges „Ich weiß schon, was ich tu“ bei einem fremden HH verlassen werde). Mit der Haltung kreist man ganz schön um sich selbst und versetzt sich sehr wenig in andere, finde ich. Und das gilt noch stärker für „wenn ich sehe, dass jemand Angst hat, nehme ich darauf Rücksicht“. Man wird eben sehr oft nicht sehen, ob jemand Angst hat, und sollte seinen Hund immer rücksichtsvoll führen und das nicht von seiner fehleranfälligen Einschätzung abhängig machen.

    Du hast einen Kangal, oder? Die Vorstellung, dass man mit einem Hund diesen Kalibers eine Situation wie an der Bushaltestelle ok findet, finde ich befremdlich. Und ich würde auch erwarten, dass du deinen Hund immer kürzer nimmst, stehenbleibst etc, wenn du an Menschen vorbei musst und nicht erst, wenn du denkst, sie haben Angst vor deinem Hund. Was übrigens wahrscheinlich sehr häufig der Fall sein wird.

    Ist zwar eher OT, aber: Hier wird sich seitenweise beklagt, wie furchtbar distanzlos und rücksichtslos sich Nicht-Hundehalter*innen verhalten, aber wenn jemand auf rücksichtslose HH verweist, dann liegt das wahrscheinlich an den Örtlichkeiten und am Wetter, die HH können ihren Hund einschätzen, ob die mit der Situation klarkommen und sehen auch, ob jemand Angst vor ihrem Hund hat. Naja.