Beiträge von pinkelpirscher

    Womöglich ist nicht so sehr Rassehundezucht selbst oder allein das Problem. Meinem Verständnis nach sehen das auch die gängigeren Genetiker und Autoren in dem Bereich nicht so, dass Rassehundezucht grundsätzlich verkehrt ist. Eher werden die Zuchtstrategien und Kriterien warum und wie ein Hund in die Zucht kommt, angeprangert.

    Natürlich auch komplett geschlossene Zuchtbücher. Aber selbst wenn die geöffnet wären, geschehen keine Wunder, wenn Zuchtstrategien und Kriterien warum und wie ein Hund in die Zucht kommt, gleich bleiben.

    Sehe ich auch so. Solange es da nur ums Ego geht, und nicht um die "gesunde Sache", solange wird sich nichts ändern.

    Aber WENN man da was ändern würde, täte sich bereits sehr, sehr viel.

    Das ist auch etwas, was mich an den Qualzuchtdebatten stört.

    Es werden 236775578875555 Merkmale definiert, was alles Qual ist oder sein könnte, aber dabei gern ausgespart, wie es überhaupt dazu kommt, dass manche Merkmale oder Defekte entstehen und weiter entstehen können, auch wenn täglich ein neues Rasseverbot käme.

    Ich bin da jetzt mal grob bei Sommerfeld-Stur und Wachtel, die, so les ich es rein, eher Qualzuchtmethoden sehen, denn alles per se als Qualzucht. Also zuvorderst das System der organisierten Hundezucht überarbeitungsbedürftig wäre.

    Strategischeres Vorgehen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen, nicht alle Entscheidungen weitestgehend allein beim Züchter und wenn der ne Nullpe ist, obwohl er beim Erstzüchterseminar gar nicht durchgehend geschlafen hat.

    In meiner persönlichen Idealvorstellung wär Hundezucht mehr wie Nutztierzucht oder Zooprogramme organisiert.

    So einfach ist es eben nicht. Jeder Hund trägt Defektgene in sich. Immer.

    Wenn ich systematisch Mischlinge züchte, trägt die erste Generation die angesammelten Defektgene aus 2 Rassen, in unterschiedlichem Ausmaß.

    Die, wenn rezessiv, überhaupt kein Problem machen. Viele Defektgene sind rassespezifisch und bei allem, wo Träger nicht erkrankt, ist völlig egal, ob der Mix selber Träger ist, immerhin hat er theoretisch 25% Chance, es zu sein, und ist trotzdem gesund - Zumindest in genau dieser Generation.

    Alles unter Vorbehalt zu sehen, ich bin wahrlich nicht der genetische Supertotaloberchecker - Aber wie mache ich dann weiter?

    Womit mixe ich den Mix in der zweiten Generation?

    Nehme ich einen Mix aus den selben beiden Rassen, auch wenn die 4 Elterntiere in ihren 2 Rassen möglichst wenig verwandt sind, habe ich ja wieder das Problem: Kann alles, was in beiden Ausgangsrassen so schlummert, theoretisch auch geerbt haben, ohne dass man es sieht.

    Die zwei auf allen Seiten möglichst unverwandten F1 Mixe könnten ganz theoretisch aber beide Träger von irgendwas aus den Ausgangsrassen sein und in der F2 hab ich plötzlich affected Tiere dabei.

    Oder wieder Träger. Mit einer gewissen Restwahrscheinlichkeit schwappt das dann in die F3, selbst wenn ich ne ganz andere Rasse dazu

    nehme. Undsoweiter.

    Das bezieht sich jetzt mal nur auf die rezessiven Defektgene. Also die, die hauptsächlich in Gentests erfasst werden können - sofern man sie schon kennt.

    Alle anderen Erbfehler können sowieso in jeder Generation bunt vorkommen. Wir kennen bei vielen Dingen den Erbweg gar nicht oder welche Umweltfaktoren mit rein spielen usw.

    OutcrossOutcrossOutcross und immer neue Rassen dazu kann man sicher machen. Aber dann weiß man irgendwannngar nimmer, was man kriegt und ob die Nachkommen 5 oder 50 Kilo haben werden usw.

    Und 100% gesund müssen die auch nicht sein. 100% gibt das Leben grundsätzlich nicht her.

    Und wer steuert systematische Mischlingszucht? Ohne populationsgenetische Überwachung und Auswertung weiß ich ja auch nicht, was ich langfristig mache.

    Und Selektionsmechanismen die wahrscheinlich dazu beitrügen, dass halt überlebt, wer es kann, sind heutzutage entweder nimmer legal oder ziemlich geächtet.

    Bei Rassehundezucht, mit oder ohne Einkreuzung, hätt ich, in einer idealen Welt, immerhin noch etwas mehr Steuerungsmöglichkeiten, die zumindest mit dem Tierschutzgesetz in Einklang zu bringen sind und außer persönliche Eitelkeiten zu treffen, niemandem weh täten, inklusive eines Netzwerkes, Datenbanken etc.

    Ganz eventuell: würden Züchter keine eigenen Entscheidungen treffen, sondern Rassehundezucht als eine Art Kollektiv agieren, in dem man sich zb Verpaarungen nicht nach Titel aussuchen kann, sondern zugewiesen bekommt, was der Genpool bräuchte, wär vielleicht mehr rauszuholen.

    Ohne genug Zuchtbasis und später dann Abnehmer und Leute, die weiter züchten, kommt halt auch Mischlingszucht nicht weit.

    Zumal: Wer braucht einen Hund "ohne Eigenschaften", wenn ich mischemischemische ohne ein anderes Ziel als "Gesundheit"? Oder ich mische, bis ich wieder bei Rasse bin, und dann vor den selben Problemen stehe wie vorher.

    Womöglich ist nicht so sehr Rassehundezucht selbst oder allein das Problem. Meinem Verständnis nach sehen das auch die gängigeren Genetiker und Autoren in dem Bereich nicht so, dass Rassehundezucht grundsätzlich verkehrt ist. Eher werden die Zuchtstrategien und Kriterien warum und wie ein Hund in die Zucht kommt, angeprangert.

    Natürlich auch komplett geschlossene Zuchtbücher. Aber selbst wenn die geöffnet wären, geschehen keine Wunder, wenn Zuchtstrategien und Kriterien warum und wie ein Hund in die Zucht kommt, gleich bleiben.

    (Ich hab übrigens Hunde einer Rasse mit offenem Zuchtbuch - und Hunde einer Rasse wo in "meine" Linie inoffiziell eingekreuzt wurde oder wird. Nun, das macht jetzt auch nicht alles super. Dafür haben zb meine Whippets ein höheres Risiko für Knochenkrebs und Corns als die ohne Einkreuzung. Und bei denen mit offenem Zuchtbuch will kaum wer, dass die aussehen, wie Registerhunde, sondern den momentan gefragtesten Showtyp. Also hmpf.)

    Simsalagrimm

    Ja?

    Auf Working Dog Portalen bewegst Du Dich nicht, oder? Oder weißt, was zb ein Night Dog ist?

    Ähm, ne, wie kommst du da jetzt drauf?

    Weil Du Dir an die Stirn fasst, wenn man sagt, dass der Tierschutzhund halt auch gut aus Weltregionen und Kenneln stammen kann, wo man Wert auf Aggression legt und das auch beim HSH fördert, statt ihn nur als "Life stock guardian" einzusetzen.

    *Waldi*

    Naja, aber genau das passiert auch, wenn die halbe Mischlingspopulation im Dorf eh verwandt ist.

    Und genau das passiert blödestenfalls auch bei Einkreuzungen. Irgendwann musst ja wieder retour in die Rasse kreuzen und Zwischengenerationen mit Mixen erzeugen, die selbst, wenn die Elterntiere in ihrer jeweiligen Rasse möglichst weit entfernt verwandt sind und die "Zwischengeneration" in sich auch, Träger von XY sein können. Und längst nicht jedes XY lässt sich testen, aber irgendwann triffts aufeinander.

    Im Ausland sitzen unzählige solche Mischlinge, die aber, eben weil sie eben Mischlinge sind, eher die Anfängerfreundliche Version sind.

    Als ich auf der Suche nach einem Hund aus dem Ausland war bin ich auf so viele Herdenschutzmischlinge gestoßen, die ein Zuhause suchen aber vielen einfach zu groß sind. Vielleicht schaust du mal in die Richtung?

    Einen reinrassigen würde ich dir auch nicht empfehlen, aber gegen einen Mischling spricht doch nichts?

    Zu den gewünschten Rassen kann ich nichts sagen, da ich außer vom Kangal noch nie davon gehört habe.

    Hust.

    Ja auch viele Mischlinge aus 2 HSH Schlägen. Das scheint grad recht beliebt. Wie auch HSH im zivilen Beißen anzulernen und recht früh zu testen, ob der Hund eh ordentlich verteidigt und gegen fremde Menschen geht.

    Mixe können verschiedene Erkrankungen schlichtweg nicht haben, weil sie sie nicht erben können.

    Stimmt und ich bin auch absolut nicht gegen Mixe, Gebrauchskreuzungen und ähnliches.

    Nur gehört eben auch da ein Mindestmaß an Wissen dazu. Wenn ich da an unsere früheren Dorfhunde denke, hatten die eben doch wieder alle die gleichen Krankheiten, weil sie eben auch miteinander verwandt waren. Nur hat sich da niemand einen Kopf drüber gemacht, weil der Rüde kam doch von 3 Dörfern weiter.

    Das leider ja.

    Die F1 aus Hunden zweier Rassen trägt ja theoretisch mehr Defektgene, als die Elterntiere, weil die ja die verborgenen, rezessiven Sachen von beiden Rassen geerbt werden können, auch wenn der Mix selbst potentiell besser dran ist, als die Ausgangstiere.

    Ja und dann züchtest wieder in, dann ham die Nachkommen mit Pech mehr als die Ursprungstiere vorher.

    Das dürft ja auch ein oder das Problem bei Einkreuzungen sein. Die erste Generation ist gesünder und vitaler, danach muss man aufpassen.