Zwar auch schon ausgeleiert bis in alle Ewigkeit. Man ist irgendwann müde davon, zu erklären, dass man Hunde, die Menschen töten scheiße findet und definitiv nicht jeden Pit/Staff mag und es trotzdem zu einseitig findet, wenn nur um Rassen diskutiert wird.
Einmal mag ich noch. Dann is eh die Energie raus.
Für Österreich ist das die Todesfallstatistik.
Wenn es nach der geht, müssten wir über Rottweiler diskutieren.
Der Vorfall mit dem Golden Retriever war nicht direkt tödlich. Aber - und das diskutiert man meinem Empfinden nach zuwenig - Hundebisse können auch indirekt töten. Es braucht nicht den besonders grausigen Vorfall. Hundebisse per se sind ein Risiko. Und können für die Betroffenen weitreichende Folgen haben.
Und da ist "Auch andere Hunde können beißen" doch keine Schönrederei. Ich denke schon, dass uns allen gut täte, sich bewusst zu sein, dass nicht erst der Todesfall ein Drama ist, sondern dass auch "harmlosere Bisse" üble Folgen haben können, von Funktionseinschränkungen, chronischen Schmerzen bis hin zu Komplikationen, die zum Tode führen.
Und selbst wenn die verstorbene Person etwa eigentlich an einem Spitalskeim verstarb - wäre das nicht passiert, hätte zuvor nicht ein Hund zugebissen und einen Spitalsaufenthalt nötig gemacht.
Eine Verantwortung haben also alle, die Hunde haben. Wer jetzt die schwereren Bisse und die ärgeren Vorfälle verursacht, ist eher mehr Diskussionsdeko.
Es hilft dem Kind, dem der Familienhund die Nase abgebissen und die Kopfhaut abgezogen hat und das 3 Hauttransplantationen braucht und bleibende Narben davon trägt, halt auch nix, wenn wir nur über Rassen reden.
Hunde per se sind nicht gefährlich, können es aber sein.
Die Todesfälle sind besonder tragisch, ja, aber auch besonders ausgeschlachtet. Die mehreren tausend Bisse pro Jahr mit teils schweren Langzeitschäden, die sind doch das größere, häufigere Problem.
Und da gehen mir zb die Rasselistendebatten zu weit dran vorbei, weil sie letztlich den geringern Teil adressieren oder den emotional überladeneren, aber logisch und stimmig sind sie nach wie vor nicht.
Vom Hund getötet werden - ist elendig. Dass zig Leut jeden Tag von zig Hunden verletzt werden allerdings auch. Und es ist häufiger. Aber die Verantwortung lässt sich weniger leicht weg weisen. Das ist unangenehm.
Man kann über Potential von Rassen reden. Reden muss man wohl aber auch über "Tiergefahr" ansich.
Aber. Man erfindet auch nach diesem Vorfall in Oberösterreich das Rad grad nicht wieder ganz neu. All das wird seit spätestens den 90ern durchgekaut. Von Dangerous Dog Act bis Gefahrhundeverordnungen.
Und wir drehen uns immer noch im Kreis und fahren hundepolitisch Ringespiel mit Rasseliste ja- nein - doch nicht, Verboten, Geboten, Tests und Fühererscheinen, Größen- und Gewichtsregelungen, völlig uneinheitlichen Regelungen welche Hunderassen denn nun gefährlicher sind, Ausweichrassen etc und dann alles wieder von vorn.
Hat es was gebracht? Außer, dass etwa die ganzen dicken Riesenbullies den Markt schwemmten, als Ersatz für verbotene Rassen.
Ich weiß es nicht.
Die bedauernswerte Joggerin wurde von AmStaffs getötet. Aber relativiert das wirklich die - frei erfunden - 5 Menschen die wöchtenlich im AKH nach Hundebissen notoperiert werden müssen, damit zb ihre rechte Hand funktionsfähig bleibt oder wieder Haare am Kopf wachsen können?
Und da ist es das "Alle Hunde können beißen", das real den größten Schaden anrichtet.
Es ist natürlich komplett lächerlich zu sagen: "Aber der Yorkie kann genauso zulangen, wie der 60kg Boerboel". Wenn mir der Yorkie die Fingersehne durchbeißt oder Biss ne hübsche Infektion macht, macht mir der Yorkie trotzdem mehr Probleme, als der Boerboel, der mich nicht beißt.
Dieses Bewusstsein vermisse ich. Es braucht überhaupt kein "Potential" für blöde Folgen.
Wir diskutieren seit ewig über Rassen - und ja, ich denke sehr wohl, dass es bis zu einem gewissen Grad typabhängig ist, welche Situationen statistisch gesehen für den Menschen gefährliches Verhalten wahrscheinlicher ist. Ich mein, ein Hund zb der nicht territorial ist, nicht besonders wachsam und Fremde nicht doof findet, wird zb den Einbrecher weniger wahrscheinlich beißen, als ein Hundetyp, der genau so denkt/denken soll.
"Wenn das ein Pit Bull gewesen wäre, würde das ganz anders aussehen." nützt halt auch nix, wenn mir aber der Jagdhund ein Stück abbeißt.
Nur setzt dann spannenderweise ein Abwehrhaltung ein, wenn man den Kreis von "Die paar, die mich nicht tangieren" auf "Alle" erweitert. Dann ist man nämlich selber betroffen und getroffen.
Ich betrachte mit einer gewissen Faszination seit 17 Jahren: ein kritisches Wort zum AmStaff wird gern gelesen, von allen Seiten. Teilweise aber nicht kritisch genug gesehen.
Dass ich beim völlig konträren Lieblingshundetyp auch ein paar Dinge für potentiell riskant halte - löst entweder quasi Abneigung gegen den Typ aus, weil die sind also auch gefährlich. Oder, häufiger, es wird als Rasse schlecht reden empfunden und jeder übertrumpft sich in Anekdoten, um zu beweisen, dass das gar nicht so ist.
Für mich schließe ich daraus: der "Feind von außen" ist beliebter, als die Eigenverantwortlichkeit.
Warum also sollten die richtig üblen Vorfälle alle aufhören, wenn man nur ein, zwei, drei Rassen in die Pflicht nimmt?
So lange mir beim etwas aufheben im Park ein netter Wuschelmix nur deshalb nicht ins Gesicht beißt, weil Ende der Flexi erreicht. Man die Polizei rufen muss, weil ein freilaufender Hund einen Radfahrer fast vom Rad holt, in die Wade beißt, dass man aus der Distanz die Wunde sieht - der Radler aber im Schock weiter fährt - und der Besitzer außer Sicht kein Wort glaubt, was sein Augenstern grad gemacht hat. Wenn man mitten im Menschengedränge am Bahnhof einen telefonierenden Besitzer sieht, dessen Windhund nach hinten springt und ein vorbei gehendes Kind in den Bauch beißt (Ob es Verletzungen gab, ist unbekannt. Das Kind rannte panisch in der Menge davon) und wennst den Besitzer vom Handy holst und fragst, ob er eigentlich auch nur ansatzweise mitgekriegt hat, was da passiert ist und es kommt nur "Mein Hund beißt nicht", dann, ja, dann frag ich mich weiterhin: "Warum diskutieren wir die Extremfälle lang und breit, die alltäglicheren Sachen aber nicht?"
Ja, ich hab auch schon nen artgenossenaggressiven Staff von meinen Hunden runter getreten und halb abwürgen müssen. (Und bin dafür verprügelt worden und weil die Zeugen abgehauen sind, gibt es kein Verfahren. Dafür muss ich jetzt aufpassen, weil der Typ bekannt dafür ist, Frauen, die ihn anzeigen, dann bei Zufallsbegegnungen nochmal anzugreifen. Kann ihm nur bis heute keiner gerichtlich haltbar nachweisen).
So lange aber freilaufende Hunde mit Besitzer außer Sichweite über anderer Leute Kleinkinder im Kinderwagen hinweg fletschen und ander Hunde angehen wollen, Klientenhunde Dich in die Hacken hacken, weil ihnen was nicht passt, irgendein Hund im Freilaufgebiet schon wieder nicht gebissen hat, obwohl der andere offensichtlich ein klaffendes Loch hat, undsoweiterundsofort. So lange tu ich mir sehr, sehr schwer nur über Rassen zu sprechen oder über die schlimmsten Fälle.
Aber es ist natürlich auch klar: würde man auch mehr über "die anderen" sprechen, wären die Konsequenzen daraus wohl mehr Restriktion für alle. Das will halt dann auch wieder keiner. Für die anderen gerne, aber doch nicht für einen selbst.
(Oh und ich nehme mich da nicht aus. Ich hoffe weiter auf ein möglichst hohes Maß an individueller Freiheit in der Hundehaltung. Fürchte aber, dass es langfristig nicht dabei bleibt. Dafür gibt es zuviele Hunde. Und - vielleicht sogar das größere Problem - zuviele Hundehalter).
1-2 Rassen sind einfach nicht das wirkliche und gesamte Problem. Und selbst wenn es sie nimmer gäbe (was mir ziemlich egal wär) - dass einzelne Vertreter aller möglichen Rassen und Mixe zb Probleme mit dem Beutefangverhalten haben können oder aus anderer Motivation raus situativ gefährlich sein könnrn. Ich mein, es sind auch sehr viele, viel größere, schwerer Hunderassen unterwegs, wo, gäbe es mehr davon, mehr unschöne Vorfälle geben könnte.
Und würd man alle Molosser, große Terrier, Gebrauchshunde, einige Jagdhundtypen, Herdenschutzhunde die es FCI anerkannt und nicht anerkannt so gibt, aussortieren - von denen situativ aufgrund ihrer "Motivation" mehr Gefahr ausgehen KÖNNTE, beißen trotzdem andere Hunde auch noch oder verursachen sonstwie Schäden an Leib und Leben von Mensch und Tier.
Es wird den Kleinhundbesitzer auch nicht trösten, dass es kein Pit war, der getötet hat, sondern mein Hetzhund bisschen hetzt und dem Kleinhund mit einem Biss das Rückgrat bricht.
"Sei froh, dass Dir kein Pit das Ohr abgetrennt hat, sondern ein anderer Hund" ist auch nur mitteltröstlich
Ein ganz anderer Aspekt in Sachen Gefährlichkeit, wo alle nur hoffen können, dass es nie eintritt:
Ganz dystopisch wird es nämlich wenn doch mal ne von Hunden übertragene Zoonose daher käme, die Menschen gefährlich wird. Dann werden nicht mehr nationale Pelztierbestände und ganze Nutztierherden gekeult, das würde auch Familienhunde treffen. Da erübrigt sich dann sowieso jedwede Rassediskussion.