Beiträge von pinkelpirscher

    @RafiLe


    18 Stunden Schlaf, besser mehr, ist so einfach nicht richtig.

    Viel ruhen, dösen, nix tun, ja durchaus. Aber selbst da wird ein knapp 6 Monate alter Hund immer mal wieder andere Ansichten haben.

    Diese 18-20Stunden Schlaf "5Minutenregel" ist neuerdings ja irgendwie modern und dann werden junge Hunde teils echt zur Teilnahmslosigkeit gezwungen.

    Nein, Hunde müssen nicht 18-20h am Tag schlafen.

    Ja, sie haben ein deutlich höheres Ruhebedürfnis als Menschen, aber 18-20 Stunden schlafen im Sinne von Augen zu und alle Schlafphasen durchlaufen: Nein.

    Ich weiß grundsätzlich schon, was Du meinst, dass zuviel los und zu oft aus dem Nix tun gerissen Hunde stresst und dass die mit 3/4 des Tages rumgammeln klar kommen bzw das auch brauchen. Aber nicht alles davon ist echter Schlaf.

    Würd ein Junghund immer 18-20 Stunden tief pennen, würd ich ihn zum Tierarzt bringen.

    Also klar, zu viel los, zuviele Gassigänge, zuwenig lange Gammelphasen machen Stress und der geht auch auf die Blase, trotzdem finde ich, muss man mit diesen Schlafempfehlungen aufpassen. Damit ist kein Tiefschlaf gemeint.

    Ich sag's mal so. Eine Pflegstelle, die ängstliche, frisch angekommene Neuhunde am Halsband 2 Stunden durch die Gegend schleift, während ihr der eigene Hund zum Jagen abhaut, würde ich spätestestens ab hier nicht mehr für besonders kompetent halten.

    Was nicht heißt, dass Euer Zuwachs verkehrt wär. Dazu definitiv Glückwunsch!

    Man kann übrigens 2 Halsbänder nehmen, 1x Zugstopp, 1x normal. Und generell Doppelleine. Einmal am Geschirr. Einmal am Halsband.

    Und die Geschirrleine zb am stablien Jogginggurt haben. Ja, schaut total bescheuert aus.

    Ja, irgendwer wird sagen: "Also das ist komplett übertrieben. Hab ich nie gemacht. Alles Blödsinn"

    Ja, kann auch sein, dass man es wirklich genau nicht gebraucht hätt.

    Und dann gibts halt doch irgendwann einmal die eine Situation, wo genau das den Hund gerettet hat.

    Is mir auch passiert. Ich hatte beim letzten Pflegehund nicht erwartet, dass dieser kleine Knilch, gesichert und im Auto angehängt, beim Ausladen derartig austickt, weil da ein anderer Hund am Horizont ist, dass er sich und mir fast was gebrochen hätt und mit 18kg, die sich wanden wie ein glischiger Tornado, die Hälfte der Sicherung runter bracht und dabei noch an der Kurzleine volle Breitseite auf den Boden knallte. Der wär mir voll in die Hauptverkehrstraße gerannt, trotz so nah wie möglich am Haus parken, Haustor bereits offen haben um ihn gleich reinzubringen.

    Der Hund kannte mich nicht, der kannte die Gegend nicht, der wär weg gewesen und sehr wahrscheinlich überfahren.

    Und der war da nicht panisch. Panisch werden kann nochmal blöder sein, in Sachen sich winden und flüchten.

    Also wenn ihr aktuell davon ausgeht, sie ist ein Angsthund oder zumindest ängstlich, ist ja nicht das Selbe, würd ich sie aber auch genau so behandeln und sichern.

    Abbauen kann man immer noch, wenn man sieht, wie sie wirklich ist. Das weiß momentan keiner sicher.

    pinkelpirscher

    Halsband werden wir die erste Nacht vermutlich dran lassen. Denke aber, Geschirr können wir abmachen. Laut Pflegestelle ist es jedenfalls kein Problem, sie einzufangen im Haus und auch zu uns kam sie am Ende des Kennenlernens freiwillig. Hoffen wir, dass es so positiv bleibt.

    Ich bin in der Hinsicht "Anfangs lieber einmal zu vorsichtig und dann langsam Sicherung Stück für Stück abbauen, wenn man einander besser kennt"

    So die ersten 2 Wochen sind viele Hunde in ner Artm...Überlebensmodusschockstarre und noch sehr unauffällig. Manches, wie abhauen versuchen, kann auch bissl später noch auftreten. Muss alles nicht.

    Aber man bricht sich nix, wenn man, gerade bei einem schon als ängstlich bekannten Hund, erst mal die Hochsicherheitsschiene fährt.

    Keiner in der Konstellation kennt den Hund wirklich. Die Pflegestelle kennt den Hund auch nicht, dort war sie erst ein paar Tage. Und Hund kennt Euch nicht.

    Okay, sie ist also ein Auslandshund, der erst sehr kurz da ist? Und zumindest aktuell ängstlich

    Da hätt ich immer was gegen Durchfall da, ginge eher davon aus, dass sie womöglich kein hochwertiges Futter kennt und eventuell auch nicht (gleich) verträgt und dass sie die erste Zeit sehr schlecht und wenig frisst und erst mal deutlich abnimmt (das reguliert sich meist).

    Ich hab immer Karottensuppe und Kartoffelpüree da und n Billigtrockenfutter (mit Wasser angereicht, damit Hund zumindest irgendwas trinkt) und würd den Hund, denk ich, am früheren Nachmittag nur noch leicht füttern, wenn sie denn frisst, sonst kann manchmal die Nacht recht lustig werden.

    Ängstliche, gestresste Hunde nehmen oft keine Leckerlie. Nicht oder extrem hektisch fressen ist bis zu einem gewissen Grad durchaus ein Indikator, wie es einem Hund grad geht.

    Um sie anfangs nicht mit An- und Ableinen zu stressen: Hausleine fix ans Halsband. Also nicht zu lange Leine oder Schnur, die nicht einschnürt und ohne Schlaufe am Ende.

    Dann erwischt man Hund notfalls leichter.

    Bis man den neuen Hund ganz ein kleines bisschen einschätzen kann, geht auch Geschirr rund um die Uhr oben lassen, wenn es nicht arg schlecht sitzt (oder sehr stresst oder Hund Geschirre zerbeißen als Strategie drauf hat).

    Worauf ich acht:

    Den Hund in Ruhe lassen und weitestgehend normalen Alltag leben. Irgendwann kommen sie schon von selbst daher.

    So viel menschliche Aufregung und Aufmerksamkeit ist Hund eher nicht gewöhnt. Das ist teils stressiger fürn Hund, als dass es ihm hilft.

    Keine Ahnung wie lang sie bei der Pflegestelle war und ob Auslandshund oder nicht. Pflegestelle ist ja manchmal nur ein paar Tage bis Wochen, da ist Hund noch komplett auf Autopilot und Cortisol, war weder dort eingelebt, noch ist es jetzt.

    Aufmerksamkeitsdruck vom Hund. Dauernd angeschaut oder angesprochen werden kann Neuhund ordentlich flashen.

    Kein Monsterprogramm die erste Zeit. Vors Haus pinkeln gehen kann anfangs herausfordernd genug sein.

    Auf Sofa setzen und Serienmarathon oder Bibliothek abarbeiten hilft Mensch, sich dem Hund gegenüber etwas zurück zu nehmen.

    Bei neuen Hunden ist es bei uns die ersten Wochen immer sehr fad und wenn es Hund nicht zu sehr stresst oder ich unsicher bin, ob ich nicht doch nen Biss kassieren könnt, schlaf ich bei den Hunden, ohne großes Getue, nur da und nett sein.

    Die ersten Wochen stehen keine Fenster oder Balkontüren offen, sind auch nicht gekippt, im Raum wo der Hund ist und ich versuch mindestens immer eine Tür zwischen Hund und Wohnungstür zu haben. Babygitter ist auch ne Option.

    Wenn sie entlaufen, dann vorallem in den ersten Wochen bis Monaten.

    HilfloseHexe

    Weil Du wegen Pinschern frugst, die ich unter Vorbehalt auch nicht völlig abwegig fand.

    Ich sag es mal so, der Zwergpinscher ist wuselig, eher aktiv, mitteilfreudig...also eher wachsam und kann durchaus situativ recht laut sein. Dafür menschenbezogen, Fremden gegenüber aber gern mal distanziert, clever und jagen ist auch oft überschaubar.

    Wenn man das wuslige, sehr aufmerksame, bissl dauerangeknipste "nervöse" nicht mag, gibt es aber trotzdem sicher etliche Mixe, die da moderater ausfallen.

    Wie bei vielen Kleinhunden sind Kniescheiben und Zähne (Zahnsteinneigung, früher Zahnverlust) so die Baustellen, aber insgesamt sind das oft recht robuste, toughe, langlebige, lustige Hunde, die alles mitmachen.

    Hundebär

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    "Rückzüchtungen" und Einkreuzungen sind nicht per se verkehrt. Überhaupt nicht. Sie können Vitalität, genetische Vielfalt und Gesundheit wieder verbessern. Theoretisch.

    Praktisch ist das gar nicht so einfach. Ohne strategisches Zuchtmanagement, Nachzuchtkontrollen, Gesundheitsscreenings und eine breite Basis Ausgangstiere geht da eher nix, ohne zu riskieren, es schlimmer zu machen.

    Wenn der XY-Mopsfidele Doodlebulldog aus wenigen Tieren zweier selber relativ stark ingezüchteten Rassen rausgezüchtet wird, mit viel zu kleiner Zuchtbasis, steht der nach ein paar Generationen noch ingezüchteter da.

    Einkreuzung bringt immer das potentielle Problem mit sich, den Gendefekt, den nur die eine Rasse hat, in die andere rein zu bringen, zu den Dispositionen, die die zweite Rasse eh schon hat. Macht dann noch mehr Möglichkeiten für die Nachkommen, was man alles abkriegen könnt.

    Auch wenn man schon ne ganze Menge testen kann, sehr viel geht auch nicht oder ist so unklar oder vielschichtig in Erbgang und Entstehung, dass man es auch nie testen wird können.

    Welche neuen Probleme man sich geschaffen hat, sieht man ein paar Generationen später.

    Spaßhalber grad nachgelesen: Cavalier King Charles Spaniel - wahrscheinlich etwa 95% der Population - haben Veränderungen des Hirnschädels und oder des Liquorraums im Rückenmark, die von fällt niemals auf bis massive neurologische Probleme und Nervenschmerzen gehen

    Da kann man nun nicht sagen, dass das Zufall ist. Bei der Häufung und der Tatsache, dass andere Rassen das nicht oder nur selten haben, muss das wohl oder übel irgendwie vererbt werden können.

    Kurzköpfigen Rassen scheinen diese Veränderungen signifikant häufiger aufzuweisen, als andere. Beim CKCS ist es halt extrem.

    Jetzt stelle man sich mal vor, man züchte sich nun fluffige Cavalier Bulldogs, nicht zwingend wegen Nase, hat ja da keiner eine, sondern zb wegen Mix ist gesünder und neue Rasse schaffenoder so.

    Ohhh und auf einmal haben die das auch. Vielleicht hatte sogar der Bulldoggenelternteil seinerseits da ne Disposition. Mit Pech und vielleicht auch erst ein paar Generationen später, hast wömöglich richtig kranke Hunde, mit richtig großen neurologischen Problemen zu denen, die sich atemwegetechnisch auch durchsetzen können und 100% haben die Veränderungen und das Missverhältnis Platz im Schädel zu Hirngröße nebst keinen Platz mehr in den Atemwegen wegen wuchernder Schleimhautfalten, die wachsen, als würden sie in eine andere Nase gehören, wo auch zb der beim Hund sehr stark entwickelte, stark durchblutete und nervenreiche Riechbereich noch normal reinpassen würde und noch nebenbei ne Neigung zum Trachealkollaps, stenotische Nasenlöcher und zwar jetzt niedliches lockige Langhaar, dafür jetzt noch schlechtere Thermoregulation und ne Wirbelsäulenmissbildung als Rutenrest.


    Einkreuzungs- und Neuzüchtungs"projekte" als 1, 2 Personen Unterfangen sind relativ witzlos. Die können die dafür sinnvollerweise nötige Menge an Hunden gar nicht halten, nicht genug Linien aufbauen, nicht genug im Blick haben.

    Und dazwischen werden eine Menge Hunde geboren mit unterschiedlich heftigen Problemen.

    Man müsste alle Ausgangstiere und deren Vorfahren und alle Nachzuchten über mehrere Generationen und alle Hunde die mit diesen Nachzuchten verpaart werden ihrerseits zb echt ins CT stecken um sicher sagen zu können "Nö, da is nix. Bei diesem Hund und im Moment" und gleichzeitig verhindern, dass die Nachzuchten bei Besitzern, die man ja auch braucht, dann doch wieder Würfe haben, wo keiner schaut und die dann in der gesamten Gensuppe der Hunde mit denen planvoll oder mehr planlos weiter rumgezüchtet wird. Hat ja sonst keiner einen Überblick mehr.

    Manchmal wäre es sinnvoll Träger von Xy aus der Zucht auszuschließen, manchmal nicht, weil es den Genpool verkleinert und anderen Defekten wieder mehr Raum gäbe (jedes Lebewesen hat irgendeinen Defekt, irgendein "ungünstiges" Gen, das beim Individuum völlig egal ist, aber ein Thema wird, wenn Nachkommen es erben, weiter geben und diese Gene immer häufiger in der Population auftreten, bis mal 2 Träger aufeinander treffen und man dann die volle Auswirkung hat.

    Könnt ja eine tolle Eigenschaft auch sein.

    Zucht strebt ja insbesondere an, Merkmale reinerbig zu machen. Man will eine gewisse Optik, Größe, Gewicht, ein gewisses Verhalten, gewisse Fähigkeiten. Am Schnellsten geht das natürlich wenn man rabiat inzüchtet. Damit macht man aber auch schnell was kaputt.

    Blöd aber, wenn keine so tolle Sache dabei raus kommt. Dann hams plötzlich quasi alle .

    Was machst, bei sehr problembehafteten Rassen mit den Nachkommen, die unweigerlich auch zur Welt kommen werden, die volle Breitseite abgekriegt haben?

    Rechtfertigen "Verbesserungsversuche" auch mögliche Verschlechterungen?

    Manche Probleme innerhalb von Rassen könnten mit Zuchtmanagement systematisch wieder verringert bis ausgemerzt werden. Überall und alles ist eher unrealistisch. Ohne Plan und Kontrolle ist "Rassen verbessern oder gesünder züchten" halt ne komplette Lachnummer.

    So wie es als Züchter sagen "Meine französischen Bulldoggen sind alle freiatmend" ist.

    Ohne komplette und vorallem mehrfach wiederholte Diagnostik, grad der BOAS Symptomkomplex ist ja auch ein fortschreitender Prozess, und ohne das Gesamtbild, das auch die Vorgänger und Nachfolgegenerationen beeinhaltet, ist das doch Unsinn zu sagen, dafür sind die Probleme doch viel zu sehr verankert in der gesamten Population, einerseits grundsätzlich anatomisch bedingt, eben weil nicht alle Körperteile sich proportional von der "Urform" weg entwickeln, siehe eben auch bei Verzwergung, aber in einem bestimmten Maße sicherlich auch über andere Faktoren, die aber wie die Körperform vererbar sind.