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Von wegen Fluchttier und Gericht auf dem Rücken und so weiter. Ist Reiten demnach überhaupt noch zeitgemäß?
Das ist ein schwieriges Thema. Meine Ansicht als überzeugte Reiterin: Unsere heutigen Reitpferde stammen aus jahrtausendelanger gezielter Zucht auf genau das Ziel „Reittier“ hin, mit dem entsprechenden Körperbau, der es ihnen eben ermöglicht, einen Menschen zu tragen, und dem „Interieur“, das sie auf die Zusammenarbeit mit dem Menschen und auch das Gerittenwerden gepolt hat. Ein bisschen wie die Arbeitsrassen bei den Hunden.
Ich finde auch, dass Pferde Bedürfnisse haben, die durch Reiten sehr viel einfacher befriedigt werden können als durch Bodenarbeit/reines Weideleben/…: Pferde waren mal Fernwanderwild, die meisten machen immer noch gerne richtig Strecke, und das nicht nur im Schritt. Sie spüren gerne ihren Körper, bewegen sich gerne auf unterschiedlichen Untergründen, und auch das gerne mal flotter. Das kann man ihnen mit Reiten viel einfacher bieten als mit den meisten anderen Tätigkeiten.
Auch beim „Gymnastizieren in der Bahn“, wenn es pferdegerecht gemacht wird, ist das „Gewicht auf dem Rücken“ für das Pferd nicht nur eine Last, sondern vor allem Kommunikation und gemeinsames Ausbalancieren, und der Mensch am Boden ist da fürs Pferd oft schwerer verständlich als der Reiter.
Mein Fazit ist daher, eine so gute Reiterin zu werden, wie ich kann, damit mein Pferd Reiten auch größtenteils positiv empfindet. Das, was speziell mein Pferd so richtig zufrieden macht, z.B. in der Gruppe mal so richtig lange und flott zu galoppieren, könnte ich ihm ohne Reiten auch gar nicht bieten.