DerFrechdax An sich klingt der Criollo doch schon sehr passend - ein 10jähriges Pferd, von dem Du sicher weißt, dass es die letzten Jahre gesund war und gearbeitet wurde, hat höchstwahrscheinlich keine größeren gesundheitlichen Baustellen. Reiterlich scheint er auch genau das zu sein, was Deine Tochter und Du suchen, und grundsätzlich scheint er Dir ja auch durchaus sympathisch zu sein.
Ich biete dann hier mal als Gegenpol zu den anderen Beiträgen die Sichtweise der begeisterten Pferdebesitzerin: Ovid ist jetzt mein drittes eigenes Pferd in etwas über 30 Jahren. In der Zeit hatte ich mal für ein knappes Jahr kein eigenes Pferd (nachdem ich meine erste Stute verkauft hatte, weil ich mir nach 6 Jahren eingestehen musste, dass wir einfach wirklich nicht zueinander passen, und sie als gesunde 10jährige eine gute Chance hatte, einen besseren Platz zu finden). Ich hatte in dem Jahr zwar eine Reitbeteiligung, aber das war für mich einfach nicht das Gleiche. Deshalb habe ich 2015 meinen Ovid gekauft, als Tvistur 28 Jahre alt war - für ein paar Jahre zwei Pferde gleichzeitig zu halten, war zwar finanziell und zeitlich eine enorme Belastung, aber ich wollte sichergehen, dass ich nicht nochmal ganz ohne Pferd dastehe, und es war auch wirklich schön, dass der alte Professor dem Jungspund am Anfang noch etwas die Welt erklären konnte.
Bei meinen bisherigen Pferdekäufen hatte ich auch nie das komplett ungetrübte "hell, yes!"-Gefühl, und beide Male war es trotzdem ein großer Glücksgriff. (Meine Stute hat mir damals ihr Züchter geschenkt, da hätte ich kritischer sein und sie lieber nicht nehmen sollen. Ich fand sie zwar immer unglaublich hübsch und süß, aber eigentlich passten wir zwei einfach nie so recht zusammen - es war jetzt keine Katastrophe, aber eben auch nicht richtig gut.) Bei Tvistur hatte ich damals Bedenken, weil er beim Kauf schon 15 war, eine etwas bunte Vorgeschichte hatte (bei unserem ersten Auswärts-Kurs saß die Tribühne voll, weil jeder den Deppen sehen wollte, der freiwillig dieses Pferd gekauft hat) und ich ihn ziemlich hässlich fand - und Tvistur war dann 15 gemeinsame Jahre lang DAS Pferd, das man nur einmal im Leben hat, von den Erinnerungen mit ihm zehre ich heute noch. Ovid war mir eigentlich zu teuer, etwas "zu viel Pferd" (ich war da ja fast 20 Jahre lang keine "Großpferde" mehr geritten, da ist ein junger Shagya-Hengst vielleicht nicht direkt ideal), und hatte das Risiko der relativ späten Kastration, aber auch Ovid ist auf seine Art ein unglaublich toller Partner und Kumpel geworden.
Ovid ist jetzt 16, und ich denke, in ca 10 Jahren wird hier auch nochmal ein weiteres Pferd einziehen. Was das für eins wird, und was ich dann mit dem reiterlich oder sonstwie mache, wird sich dann noch rausstellen. Wie man hier im Thread sicherlich nachlesen kann, hatte ich mit Ovid in den letzten Jahren immer wieder Durststrecken, sowohl gesundheitlich als auch reiterlich, aber derzeit schwebe ich gerade (mal wieder) im siebten Pferdebesitzer-Himmel, mein toller Bube hat mich letztes Wochenende unglaublich souverän durch einen Geländespringkurs getragen, und ist einfach so wahnsinnig unkompliziert und kooperativ bei solchen Unternehmungen - alle anderen bringen sich Helfer mit und haben alle Hände voll zu tun, mein Super-Ovid steht halt einfach unangebunden herum und lässt sich in Ruhe von mir alleine richten und pflegen, tapst von alleine auf den Hänger, und fühlt sich in jeder fremden Box wohl, sobald da Futter und Wasser drin ist.
Für diese Glücksgefühle und diese Erlebnisse nehme ich gerne die krassen finanziellen und zeitlichen Belastungen der Pferdehaltung in Kauf - aber das muss natürlich jeder für sich selber abwägen, und mir ist auch klar, dass ich da unglaublich privilegiert und man in vielen Lebenssituationen gar nicht diese Wahl hätte.