Vielleicht sollte ich einfach doch noch mal um einen Steckling bitten. Ich würde so gern irgendwann wieder diese Kindheitsbirnen essen.
Probier das doch einfach. Je nachdem, was das für ein Mutterbaum ist, funktioniert das per Steckling von "ganz phantastisch" bis "überhaupt nicht".
Wahrscheinlich war der Baum veredelt. Der Steckling, dem dann ja seine Unterlage fehlt, wird in irgendeiner Form "unpraktisch" wachsen, also entweder riesig werden wollen oder ganz schlecht wachsen, weil er nur ganz miese Wurzeln machen kann, oder krankheitsanfälliger sein oder oder.
Parallel kannst du doch zusätzlich noch um Früchte bitten, um dein Glück nochmal mit einem Sämling zu versuchen. Sämlinge sind sogar noch größere Wundertüten, da ziehst du womöglich eine Kreuzung aus "deinem" Mutterbaum und so einem Herumtreiber-Birnbaum aus der Nachbarschaft heran. Der kann steril sein. Der kann die schlechten Eigenschaften beider Eltern vereinen.
ODER du erschaffst damit die Birne 3000, der herrliche Wunderbaum und unser aller Zukunft.
Wie lange pausiert der Birnbaum denn schon? Eine phytohormonelle Pause finde ich umso unwahrscheinlicher, je länger die Pause schon anhält. Dann schon eher ein Problem mit der Baumpflege oder einem Mangel an derselben. Vielleicht versorgen die neuen Eigentümer den Boden nicht. Oder der Baum nimmt übel, dass er geschnitten wird. Oder der Baum nimmt übel, dass er falsch geschnitten wird. Oder der Baum nimmt übel, dass er NICHT geschnitten wird.
Oder der Baum ist tatsächlich einfach so alt, dass er sich seinem Lebensabend nähert.
Also, selbst wenn das alles nicht so einfach ist, du den weltbesten Birnbaum deiner Kindheit höchstwahrscheinlich nicht kopieren kannst und die Wahrscheinlichkeit, die weltbesten Birnen nochmal zu essen, ehrlicherweise gering ist - nur, wenn du es gar nicht probierst, ist die Wahrscheinlichkeit gleich Null.