Beiträge von Filz

    Er ist mit einen Schäferhund aufgewachsen und liebt die Rasse.

    Kennt dein Mann dann nur den einen Hund oder hat er Erfahrung mit mehreren Individuen?

    Bei Schäferhunden hast du halt eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass bestimmte Hunde ungenießbar werden, wenn die nicht ihrer Neigung entsprechend ausgelastet sind. "Ihrer Neigung entsprechend" heißt oft (wenn auch nicht immer): Hundeplatz, Obedience etc.

    "Ungenießbar werden" heißt sehr häufig: aggressiv auf jeden anderen Hund in Sichtweite, dabei mit vollem Gewicht in die Leine springen und nicht mehr ansprechbar sein (könnt ihr beide, also dein Mann und du, einen ausgewachsenen Schäferhund dann halten?), wenn's richtig scheiße läuft auch Aggressivität gegenüber Menschen (allen voran Besuch im "eigenen Reich", aber ggf. auch gegen die eigenen Menschen, wenn die sich unangemessen verhalten ...).

    Wobei die "Artgenossenunverträglichkeit" sehr rassetypisch ist, beim ausgeglichenen, trainierten Hund nur weitgehend geräuschlos abläuft.

    Aggression gegen Menschen: Muss natürlich nicht, aber bei einem unausgeglichenen nebenbei-Schäferhund ist das Potential halt größer als bei vielen anderen Rassen.

    Habt ihr das so besprochen und ist das alles ok für euch? (Ernstgemeinte Frage. Ich hatte schon mal einen "artgenossenunverträglichen" und eskalierenden Hund, und das ging irgendwie natürlich, aber die meisten Leute wünschen sich ihren Hund ganz anders. Vor allem ihren Ersthund.)

    Ich versteh die Situation so, dass WENN sich Herdenschutz mit Hunden wirklich etablieren soll, man auf jeder Fläche 8-12 einsatzfähige Hunde hat plus die Lehrlingshunde. (Ich meine, du, also McChris, hast mal was von 8 oder 9 verschiedenen Jobs in einer Truppe gesagt. Also rechne ich jetzt so, dass alle Stellen besetzt sein müssen. Außerdem rechne ich so, dass ein durchschnittliches deutsches Wolfsrudel mit circa 6-10 Tieren angreift maximal. Da rechne ich von einem Wolfspaar mit mehreren nachwüchsigen Jungwölfen, die sich noch nicht vom Rudel getrennt haben. Ich geh außerdem davon aus, dass sich die wirklich großen Rudel mit 20+ Tieren in Deutschland eher nicht bilden. Also circa 8 Hunde würde ich haben wollen, damit die Hunde nicht zahlenmäßig im Nachteil sind.)

    Also WENN das irgendwann mittelfristig laufen soll, muss die Anzahl der Hunde insgesamt doch sehr stark steigen?

    Und wenn es dann keine finanzielle Unterstützung gibt für Hunde, die nicht eingesetzt werden können - das Szenario gruselt mich.

    Wenn es jetzt schon nicht genug Mittel gibt, um eine einsatzfähige Truppe zu haben.

    (Bah, das liest sich langsam so, als würde ich über die Bundeswehr schreiben.)

    Als wären alle Weidetierhalter so furchtbar schlechte Menschen ... ich mutmaße mal, ein Tier was ein Leben lang treu gearbeitet hat, bekommt Gnadenbrot am Hof .... genau wie die Koppelgebrauchshunde

    Stell ich mir auch so vor, dass das nach Möglichkeit so gemacht wird.

    Aber ich meine, in dieser einen Doku über Maremmani war die Rede von, uff, 30, 40 Hunden? Und es kam EINE kürzlich verrentete Hündin vor. Bei der schlichten Menge würde ich davon ausgehen, dass zu irgendeinem Zeitpunkt dann so viele Rentner-Hunde dabei wären, dass ein Wirtschaftsbetrieb das finanziell nicht packen kann.

    Es wäre verhältnsimäßig einfach, die im Herdenschutz arbeitenden Hunde, die ggf mit Steuermitteln gefördert werden, gegen solche Waldspaziergänge zu schützen. Indem der Eigentümer Rechenschaft über den Verbleib des Hundes bzw. der Leiche schuldig ist (also z. B. indem ein Tierarzt eine Art Totenschein für den Hund mit der jeweiligen Chipnummer ausstellen muss).

    Dann kann man eine Schusswunde eher schlecht mit "plötzlicher Krankheit" des Hundes wegerklären.

    Das wäre tatsächlich etwas, was ich mir mittelfristig wünschen würde.

    Meine Mutter erzählte immer von den Knechten hier am Gut. Die immer den alten Gäulen das "Gnadenbrot" gaben indem sie die Wägen schwer beluden und die Pferde dann extrem getrieben haben.

    Mann, ich wünschte ich hätte das nicht gelesen. Das nehm ich jetzt wieder ewig mit durch die Gegend.

    Aber tatsächlich vermute ich einen ähnlichen Weg für größere Betriebe, die viele Hunde halten. Wobei ich denke, dass die Hunde einfach euthanisiert würden. So lange gibt es Herdenschutz mit Hunden in D-A-CH ja noch gar nicht, das Problem tritt bisher deswegen vlt (noch) nicht vermehrt auf?

    Ich gehe schon davon aus, dass ein Betrieb sich ein bis zwei Rentner-Hunde leisten kann und wird.

    Aber Rentner-Hunde im Dutzend und mehr wäre ein Kostenfaktor, der für die meisten finanziell nicht stemmbar ist.

    Würde es bedeuten dass der Weidetierhalter im ausgewiesenen Wolfsgebiet, sollte ein Mangel am wolfssicheren Zaun festgestellt werden, für alle Schäden (also auch evtl. Personenschäden) mit dem persönlichen Kapital haftbar gemacht werden kann?

    Ich bin ja nicht in einem Wolfsgebiet und hatte vor Monaten mal kurz in die Richtung recherchiert und wollte wissen, wie sich das womöglich entwickelt. Ich hatte das damals so verstanden, ja. Wobei es einen Unterschied zwischen gewerblichen Betrieben und "Hobby" geben müsste.

    Aber vlt meldet sich da jemand, der es genau weiß.

    Das ist meines Wissens nach in Deutschland recht ähnlich.

    Und genau das meine ich: ob eine Region Wolfsgebiet wird, ist keine Frage von "Aufklärung/Warnung der Bevölkerung". Sondern es geht um die Verschiebung von finanziellen Verantwortlichkeiten, und die auch ggf. in Millionenhöhe.

    Wahrscheinlich ist das das Problem, es wird nicht klar genug kommuniziert, dass "Wolfsgebiet ja oder nein" wenig damit zu tun hat, ob Wölfe anwesend sind oder nicht. Dann fühlt man sich als Hundehalter womöglich in einem Offiziell-Nicht-Wolfsgebiet sicherer, was aber Unsinn sein kann.

    Ich glaub nicht, dass das geht. Hunde vermitteln ist wie Eltern sein. Du wirst furchtbare Fehler machen, die Leben ruinieren. Hoffentlich nicht zu oft, aber irgendwie ist es unvermeidbar.

    Also ernsthaft, ich kann mir da kein Patentrezept vorstellen. Es wäre gut, wenn die Vermittler/Vorkontrolleure eine gute Menschenkenntnis und Sozialkompetenz hätten (zusätzlich zu einem Mindestmaß an Hundeverstand). Aber woher nimmt man diese Superleute, die dann auch noch zufällig im Tierschutz tätig sein möchten? Und woher nimmt man die Leute, die so viel Menschenkenntnis haben, dass sie einschätzen können, ob die Superleute ausreichend super sind?

    Zusätzlich hat man folgendes, unlösbares Problem: Menschen, die Ablehnung erfahren, werden darüber nicht erfreut sein. Weil sie eine Macke hätten, wenn es anders wäre. Also wenn ich mich um einen Hund bewerbe, und der Hund wär perfekt für mich und ich wär perfekt für den Hund (ich WEIß das, ganz fest, und ich kenn mich schließlich, und ich kann auch den Hund schon einschätzen). Und dann sagst du mir ab. Weil du mir diesen speziellen Hund nicht zutraust. Oder weil du halt einen anderen Bewerber hast, wo du denkst, das passt eben alles noch viel geiler.

    Mir doch egal, wie nachhaltig, gut, passend, dauerhaft und toll du da jetzt vermittelt hast. Ich find dich ab sofort doof. So.

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    Edit: Die Sache mit den rechtlich nicht haltbaren Übernahmeverträgen, die könnte man lösen. Die Vereine sollen solche Mistverträge nicht mehr aufsetzen, und die Käufer sich auf solche Mistverträge nicht mehr einlassen (bzw. müssen beide Seiten sich informieren, was rechtlich nicht haltbar ist - bzgl. Kastrationsklauseln, Weitervermittlung, Eigentumsübergang etc.).