Hallo Sarah,
ich will Dir gerne ein paar meiner Gedanken aufschreiben, die mir beim Lesen Deiner Texte so gekommen sind. Zieh Dir nur raus, was für Dich nützlich sein könnte - ich kenne Euch ja nicht, es ist einfach nur eine kleine Rückmeldung, was bei mir so ankommt.
Deine Geschichte mit Deinen Hunden liest sich für mich wahnsinnig hektisch. Ich feuer mal los: Hund 1 zieht ein, Hund 1 hat ne blöde, unheilbare Diagnose, nach kürzester Zeit zieht Hund 2 ein ohne stabile Recherche, Hund 2 ist verhaltensauffällig, Trainer werden zu Rate gezogen, kurz trainiert, geht nicht, Hund 2 wieder weg. Hund 1 soll an Maulkorb gewöhnt werden, geht drinnen, geht draußen noch nicht, aber liest sich nach "fertig trainiert" (Zitat: "Texas ist Maulkorb gewöhnt"). Hund 1 soll Physio bekommen, geht aber auch noch nicht, weil Handling mit fremden Menschen schwierig, macht man selber irgendwie. Hund 1 ist krankheitsbedingt bereits gehbehindert, zittert oft und ist nervös, hat häufige Ohrenentzündungen. Jetzt kommt der Gedanke an Hund 3 auf. Welche Rasse? Die drei sind recherchiert, welche passt? Hund 1 kann nicht überall hin mit wegen seines Verhaltens, aber das kann dann Hund 3 übernehmen. Hund 1 hat auch sehr profitiert von Hund 2, obwohl sich Hund 1 wegen Hund 2 auch sehr zurückgezogen hat.
Puh. Verstehst Du ein bissl, was ich meine? Da feuern Deine Gedanken gerade sehr, sehr schnell, und ich hab den Eindruck, dass sie manchmal auch schneller umgesetzt werden, als es Dir und Deinen Schützlingen wirklich guttut.
Ich könnte mir z.B. folgenden, etwas anderen Weg vorstellen:
Erstmal liegt der Fokus auf Texas. Der hat eine unheilbare, neurologische Erkrankung, damit gehört er in Behandlung. Sinnigerweise sucht man sich dafür einen Neurologen, ich würde darüber hinaus zu Neurologen an Unikliniken tendieren, weil die an der Quelle der Forschung sitzen. Leider bekommt man das, was aktuell an Forschung läuft, auch nicht immer im Internet mit, darum wäre es mir wichtig, einen regelmäßigen Live-Kontakt zu haben, der meinen Hund kennt und seine gesundheitliche Entwicklung über einen langen Zeitraum miterlebt. Neurologische Behandlung heißt da nicht, dass der Arzt die Krankheit heilen kann, aber vielleicht hat er Ideen, wie man - abgesehen von Physiotherapie - den Hund mit weiteren Mitteln unterstützen kann.
Dann wäre mir wichtig, dass ich Texas den Umgang mit Reizen noch viel, viel mehr erleichtern kann. Er ist nervös, kann sich nicht ganz frei bewegen, hat Angst/ ist unsicher. Seine Krankheit wird dazu führen, dass sich all das noch weiter verstärkt. Umso wichtiger wäre mir, dass er in ruhiger Umgebung weiter lernen kann, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und Lösungsstrategien zu entwickeln, wie er für ihn schwierige Situationen meistern kann. Mit einem neuen Zweithund an der Seite müsste sich Texas sofort mit dem und dessen Verhalten arrangieren.
Ich würde großen Wert darauf legen, dass Texas den Maulkorb überall entspannt tragen kann. Texas wird noch unsicherer werden, womöglich Schmerzen bekommen, wenn Pfoten schleifen, usw. Der Maulkorb kann dann eine große Hilfe bei den erforderlichen Behandlungen sein, und solange Texas ihn noch abstreifen will in bestimmten Momenten, ist der Maulkorb noch nicht fertig trainiert.
Medical Training wäre ein großer Bestandteil meines Lebens mit Texas. Um den Hund bestmöglich zu betreuen, braucht es lieber früher als später Menschen, die entspannt mit ihm umgehen dürfen, allen voran natürlich Arzt und Physiotherapeut.
Wenn ich all das so "abgearbeitet" habe, dass ich denke, boah, Texas ist superentspannt im Alltag, hat nicht mehr mit ständig wiederkehrenden Entzündungen zu kämpfen (die sind nämlich auch stressbedingt und/oder stressfördernd), sobald ich mit ihm gelassen zu Physiotherapeuten gehen kann und auch Texas davon profitiert, also nicht nur "erduldet", dann atme ich einmal tief durch. Und dann würde ich auch erst damit anfangen (!), nach einem Zweithund oder möglicherweise passenden Rassen zu recherchieren. Die Zeit, die Ihr beide, Du und Texas, dann nämlich erstmal zu zweit in Ruhe erlebt, das ist in meinen Augen erst eine vernünftige Basis, um dann einen Zweithund schnell und gut zu integrieren.
Mein Rat: aaaatmen. Langsam. Bring Ruhe rein. Geh Mini-Schrittchen mit Texas voran und geh da ganz bewusst und sorgsam Schrittchen für Schrittchen. 