Heute morgen auf dem Spaziergang habe ich lange über das Thema nachgedacht, weil mir die Antwort darauf gar nicht so einfach gefallen ist, auch in Bezug auf meine früheren Hunde. Denn: ich schätze immer wieder Situationen falsch ein. Nicht soo häufig, aber doch, das passiert. Ganz aktuell heute morgen ist mir Lilli beim Dummytraining z.B. einmal eingesprungen, wo ich es wirklich nicht erwartet hätte. Passiert. Genauso kann ich falsch einschätzen, wie meine Hunde im Freilauf reagieren, und auch wenn mir da Fehleinschätzungen noch wesentlich seltener passieren, sie kommen vor. Vor drei Wochen etwa, als Lilli eben doch zu Menschen gelaufen ist, die im Wald an einem Auto standen, während wir mit dem Fahrrad nur daran vorbeifahren wollten.
Folglich ist mein Hund nicht zu 100% verlässlich offline, und trotzdem ist sie auf unseren Runden fast durchgängig im Freilauf, ohne dass sie irgendwas anstellt. Aber Freilauf ist auch nicht gleich Freilauf, je nach Situation kann es auch sein, dass ich sie offline lasse, aber ins Fuß nehme. Oder beim Fahrradfahren hinter mich beordere. Und viele Abstufungen mehr.
Da greift etwas, was vielleicht auch hierauf ein bisschen antwortet:
Wie beurteilt ihr das mit so hoher Sicherheit BEVOR die Leine zum ersten Mal ab ist?
das Verhalten offline beginnt nicht erst damit, dass die Leine ab ist, genauso wie das Jagdverhalten meines Hundes in vielen Situationen trainierbar und einschätzbar ist, die noch gar nichts mit dem Reh oder dem Hasen zu tun haben. Bestenfalls hab ich stets ein Auge drauf (nicht im Sinne von verkrampft, sondern ganz automatisch immer dabei), wie mein Hund sich gerade verhält. Ich lerne, den Hund zu lesen, was geht in ihr vor, was macht die Nase gerade, die Augen, die Ohren, die Körperspannung, usw. Danach beurteile ich auch, wann bei meinem Hund die Leine drankommt, oder eben abgeleint werden kann.