Vorab: Ich habe nur einen Teil der Diskussion überflogen, zeitweise wurde es etwas unübersichtlich.
Haustierhaltung (oder Zootierhaltung oder Nutztierhaltung) ist ja immer eine Hierarchisierung, bei der der Entscheider (der Mensch) über dem steht, über das entschieden wird (das Tier). Das Tier kann, wenn wir es in eine wie auch immer geartete Gemeinschaft mit uns bringen (oder zwingen) niemals ganz gleichrangig sein. Eine Auflösung dieser Hierarchie-Situation wäre aber das Ende der Haustierhaltung.
Ich kann verstehen, wenn man deshalb Tierhaltung zum Beispiel aus ethischen Gründen ablehnt.
Der Stellenwert von Haustieren hier in Westeuropa ist meines Erachtens sehr hoch. Wenn ich alleine überlege, was ich für den Second-Hand-Hamster an Geld hingelegt habe, der hier vor ein paar Monaten eingezogen ist (nur neue Einrichtung, Gehege war vorhanden), das ist schon irgendwie absurd. Und dazu noch fast 300 Euro Tierarztkosten für Sasa letzte Woche (und alle hier wissen, dass da ganz andere Summen im Raum stehen können). Und wie viele Läden es gibt, die alle möglichen Arten von Jäckchen und Bettchen und so weiter für Hunde verkaufen. Das ist ja ein riesiger Markt, eben weil die Menschen ihre Tiere total überhöhen. Das ist natürlich nicht unbedingt etwas Gutes, weil es schnell ins Vermenschlichen und in eine falsche Haltung übergehen kann.
Ich sehe das Problem nicht so sehr darin, dass wir den Menschen überhöhen, sondern eher, dass wir unsere Tiere überhöhen. Mache ich auch, macht mir Spaß, und wenn man das irgendwie im Blick hat, ist das ja auch in Ordnung.
Mir ist Sasa enorm wichtig. Aber: Menschen sind mir dennoch wichtiger. Ich habe es letztes Jahr gemerkt, als mein Mann sehr plötzlich sehr ernsthaft ins Krankenhaus musste. Als ich endlich zu Besuch hin durfte, war mir für die zwei, drei Stunden Abwesenheit ihre Alleinbleibeproblematik nicht ganz egal (habe versucht, Ruhe reinzubringen), aber so egal, dass ich im Krankenhaus geblieben bin, solange ich durfte. Sie war in dem Moment also zweitrangig. Das wäre sie auch, wenn meinen Eltern oder Freunden etwas zustoßen würde, dann wäre sie einfach zweitrangig. Ich persönlich plane sonst alles so, dass sie mitkommen kann oder möglichst wenig alleine ist. Ich verstehe aber auch Menschen, die das nicht so machen, die also ihrem eigenen Lustgewinn (toller Urlaub, schöner Ausflug) zeitweise über das Bedürfnis ihres Hundes stellen.
Gleiche Rechte für Hunde sehe ich als schwierig an, denn das hieße ja in letzter Hinsicht zum Beispiel auch Recht auf freie Wohnortwahl, Recht auf freie Halterwahl, freie Partnerwahl usw. Ich denke, man sollte da weniger an gleichen Rechten, dafür vielmehr an der Anerkennung der Würde des Hundes ansetzen, also generell stärker dafür sorgen, dass Hunde, Tiere, wenn Tierhaltung erlaubt ist, auch so gehalten werden, dass ihre Würde und ihre Bedürfnisse gewahrt werden. Das wird eben in der Umsetzung schwer. Außer über ein Halteverbot für bestimmte Tierarten wird das wohl so nur über viel, viel Aufklärungsarbeit gehen. Ich denke da vor allem auch an Kleintiere, die immer noch häufig in kleinen Käfigen in Kinderzimmern vor sich hinleiden. Die haben genauso ein Recht auf ein gutes Leben wie ein Hund, aber ihr Leid ist in der Regel komplett unsichtbar.
Da mir die Tierhaltung, so artgerecht es eben geht, sehr wichtig ist, würde ich auch tatsächlich alle möglichen Arten von Sachkundenachweisen ablegen, wenn durch so etwas nur einem Teil der Haustiere ihr Leid erspart bleiben würde. Ein Kompromiss zwischen Tierliebe und Egoismus ist die Tierhaltung aber in der Regel immer.