Es ist einfach ein Unterschied, ob man in moralisierendem Sprech die Wege zur Richtigkeit der Handlung mehr oder weniger implizit vorgibt oder ob man sagt "ich würd das machen" (wenn man danach gefragt wurde, was ja hier der Fall ist).
"Ich verstehe nicht, wie man sich überhaupt auf die Idee kommen kann Fleisch zu essen, wir wissen doch alle..."
"Dein Kind darf industriell verarbeitete Lebensmittel essen? Dürfte mein Kind niemals, mir ist einfach seine Gesundheit wirklich wichtig!"
"Ich unterstütze lieber lokale, kleine Unternehmen und finde es erstaunlich, wie viele hier immer wieder zu Amazon raten und damit die Lebensgrundlage von so vielen Menschen zerstören..."
"Jede*r weiß doch: Lügen haben kurze Beine! Das lernt man doch in der guten Kinderstube! Wer nicht immer die Wahrheit sagt, ist konfliktscheu und menschlich verarmt, ich bin froh, dass meine Eltern mir die nötige innere Stärke vermittelt haben"
und letztlich auch das, was hier so zum aktuellen Thema gesagt wurde, haben eben einen anderen Duktus als
"ich esse kein Fleisch/ ich kaufe nur regional/ ich lüge nicht weil find ich (nicht) gut..."
Es ist halt immer nicht der krasse Sympathieträger, wenn man sich ganz offen als moralisch überlegen hinstellt bzw. ja vor allem die anderen als moralisch unterlegen.
Das kann man schon machen, das führt aber nicht dazu, dass dann ein netter Austausch darüber entsteht, wer was weshalb denkt weil jemandem wenig unverblümt gesagt wird "ich finde deine Haltung moralisch verwerflich"
Ihr Lieben moralisch Verkommenen, Nietzsche und ich sind mit euch.
Liebe Musterschüler*innen, find ich trotzdem gut, dass es euch gibt und dass ihr die Händler*innen im Blick habt.