Beiträge von Caissa

    Ja, er schreibt, dass man die Fütterung nicht ändern soll, wenn alles iO ist.

    Nur sehe ich es nicht so, dass er Handfütterung nur bei massiven Problemen empfiehlt. "Probleme mit der Halterorientierung" kann ja alles mögliche sein. Das Beispiel, welches er im Kapitel benutzt, behandelt einen Beagle, der draußen gerne zu fremden Menschen läuft und diese freundlich anspringt.

    Das wäre für mich kein Problem, welches so massiv wäre, dass der Zwang über die Fütterung gerechtfertigt wäre.

    Aber wie gesagt, ist einfach meine Meinung. Und die ist zum großen Teil auch informiert von meinem Bauchgefühl. Das hat natürlich keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

    Er schreibt ja auch nie alles Futter nur so geben.

    Das lese ich schon so.

    ''Da die Nahrung des Hundes untrennbar mit der Person des Besitzers verbunden ist, entsteht die zunächst gewollte Abhängigkeit des Hundes gegenüber dem Zweibeiner. Dass selbstverständlich die früher zu hause stehende Futterschüssel zum Tabu erklärt werden muss, dürfte einleuchten''(S. 93+94 bei mir).

    Nur bei Hunden, die draußen gar kein Fressen annehmen, solle man es anders machen und ca. 1/3 der Ration weiterhin geben - aber nicht, um es für die Hunde angenehmer zu machen, sondern weil eine Nulldiät kein so starkes Hungergefühl mit sich bringen würde wie die 1/3 Fütterung.

    Das ist ja auch der Kernunterschied zu anderen Formen der Futterbelohnung - mit dem normalen Futter auf Spaziergängen zu belohnen ist denke ich Teil vieler Ansätze, nur wird sonst eben trotzdem der Rest der Gesamtration zuhause gegeben.

    Baumann macht ja auch keinen Hehl daraus, über Abhängigkeit und Hunger zu arbeiten. Das benennt er selbst in dem Kapitel so. Er ist nur der Meinung, dass man von dieser Abhängigkeit nach einigen Monaten Handfütterung zu echter Bindung kommt (wenn man es richtig macht). Und er sieht den Zwang da als Mittel zum Zweck und findet ihn offensichtlich nicht verwerflich.

    Ich fühle mich vor allem unwohl damit, dass die Methode als tolle Möglichkeit für Jedermann angepriesen wird. Dass es spezielle Fälle gibt, wo nichts anderes geht, kann gut sein. Aber für mein Empfinden wird in dem Kapitel nicht deutlich genug, welcher existenzielle, massive Zwang dort ausgeübt wird. Und für mich ist es nicht logisch, warum man bei, ich nenne es mal 08/15 Problemen, zu diesem Mittel greifen sollte.

    Dass die Abhängigkeit zu echter Bindung wird finde ich auch nach wie vor fragwürdig. Bzw. sehe ich es nicht, dass wirklich die Handfütterung dafür verantwortlich ist. Dass Hunde durch Kooperation mit dem Menschen Bindung entwickeln können ist logisch, aber diese Kooperation und gemeinsames Arbeiten ist bei den allermeisten Hunden mMn auch durch andere Mittel zu erreichen.

    Meine two cents, die mal wieder viel zu lang geworden sind :headbash:

    Ich bin kein Fan von Handfütterung und für mich (!) ist die Bindungs-Begründung auch überhaupt nicht schlüssig, sondern Schönmalerei.

    Handfütterung macht abhängig, aber Abhängigkeit macht keine Bindung. Zumindest nicht in meinem Verständnis.

    Effektiv für die Orientierung am Menschen ist das sicherlich. Ist für mich zumindest total logisch, Hunde sind ja nicht doof, wenn sie sich am Menschen orientieren müssen, um existenzielle Ressourcen zu erhalten, dann werden sie das auch tun.

    Ansonsten habe ich das Buch aber gerade erst angefangen, eine umfassende Bewertung ist also noch nicht möglich. Interessant ist es, auch wenn ich mir schon ziemlich sicher bin, dass ich nicht überall zustimme. Tu ich aber auch äußerst selten bei Büchern oder Trainingskonzepten.

    Das ist wieder mein doofer innerer Anspruch, dass ich immer denke, ich 'muss durch Situationen durch'. Ich weiß, wenn ich drüber nachdenke, dass das total dämlich ist :headbash:

    Ist aber leider mein Instinkt.

    Aber super gut, dass du es nochmal ansprichst @Vakuole, danke! Da muss ich einfach an mir arbeiten.

    Ich muss mich hier mal freuen.

    Meine Pöbelliese hat heute bei ca. 15 Begegnungen nur einmal gepöbelt. Und das bei Abständen von höchstens 4m bis zu 0,5m zwischen den Hunden :party:

    Bei einigen Begegnungen musste ich die entgegenkommenden um ein bisschen Zeit bitten, um zu schaffen, dass Reika mit dem Kopf 'bei mir' ist. Die Leute haben dann kurz gewartet. Ich habe mich also natürlich auch bei den entsprechenden HH bedankt, das hat sehr geholfen.

    Trotz des 'Cheatens' war ich aber echt happy über die Leistung heute. Ich muss das jetzt genießen, ich weiß ja, es wird auch mal wieder anders laufen :pfeif:

    Wie schön, dass ihr alle die großen, langhaarigen, sabbernden Hunde ausschließt. Dann bleiben mehr für mich übrig :applaus: :cuinlove:

    100% ausschließen könnte ich wahrscheinlich nichts. Man weiß ja nie.

    Aber was ich für sehr unwahrscheinlich halte:

    - Brachyzephale Rassen (auch aus dem TS unwahrscheinlich, da aber nicht unmöglich)

    - Alle Spezialisten, Arbeitshunde, Gebrauchshunde (Border, Malis, Jagdgebrauchshunde...)

    - Nackte oder sehr kurzfellige Hunde (rein optisch nicht mein Ding)

    - Huskys, Malamutes, Wolfhunde... (faszinierend bei anderen, aber charakterlich nicht meins fürs Zusammenleben)

    - Labbi oder Goldi (nette Hunde, aber nicht mein Typ)

    Ich glaube, zu Beginn meiner DF wäre die Liste noch viel länger gewesen. Da hätte ich wahrscheinlich u30 Kilo alles ausgeschlossen, alles Gelockte auch, Collies und Shelties, Schnauzer... Aber durchs Mitlesen hier hat sich gefühlt mein Horizont etwas erweitert und ich habe gemerkt, dass da auch viele tolle Hunde drunter sind.

    Und bedürfnisorientiertes Training ist auch ganz sicher auch mehr als "Click + Keks". Es gibt eine menge wissenschaftliche Studien die belegen (bei Interesse lasse ich gerne entsprechende Links zukommen), dass aversive Reize sich langfristig negativ auf das Verhalten der Hunde auswirken und dass man mit positivem Training weiter kommt, die Hunde idR ausgeglichener und zufriedener sind und lieber mit dem Menschen zusammenarbeiten.

    Da hätte ich Interesse dran.

    Ich habe bis jetzt immer nur Studien gesehen, die R+ mit Starkstrom, Stachelhalsband etc. vergleichen. Aber keine, die sich mit moderateren aversiven Reizen beschäftigen im Vergleich zu R+ beschäftigen.

    Für mich hat Vermenschlichung nicht direkt was mit dem Stellenwert von Menschen und Hunden zu tun. Für mich bedeutet das, wie für einige andere auch, dass dem Hund Gefühle, Motive und Bedürfnisse unterstellt werden, die er (nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand) wohl nicht hat. "Der will mich ärgern", "der pinkelt aus Protest", "der will Chef sein" genauso wie die gerne genannten Handtaschenhündchen.

    Außerdem gehört für mich falsch verstandene Körpersprache da mit rein. 'Lächeln' zum Beispiel. Oder der Glaube, dass alle Hunde gerne Spielen. Oder die Verteufelung jeglicher Aggression.

    Für mich ist 'echte' Vermenschlichung fast immer ein Problem.

    'Unecht' ist es für mich dann, wenn Menschen eigentlich wissen, dass sie ihren Hund gerade nicht wie einen Hund behandeln, aber selbst gut abschätzen können, dass es ihm gerade nicht schadet.

    In ganzen Sätzen mit dem Hund sprechen zum Beispiel. Das ist kein Problem, wenn man eigentlich weiß, dass der Hund nix versteht. Es ist aber ein Problem, wenn dem Hund zB erklärt wird, er dürfe etwas nicht, in dem echten Glauben, er würde das verstehen.