Beiträge von Caissa

    Wir hatten gestern auch so eine nette Begegnung.

    Wir waren auf einem Feldweg unterwegs. Uns entgegen kommt eine Frau mit 2 mittelgroßen Hunden. Sie schaut schon mit Abstand besorgt, nimmt ihre Hund kürzer und geht zur Seite. Wir machen das gleiche. Als wir dichter kommen springt ein Hund der Frau in die Leine und pöbelt. Ich hab sie dann also gefragt, ob wir in eine Feldeinfahrt ausweichen sollen (dort wo sie stand konnte sie schlecht ausweichen). Dann wäre mehr Abstand und sie käme vielleicht besser vorbei? Sie bejaht und bedankt sich. Wir sind also zur Seite gegangen und sie kam ohne Gepöbel vorbei, wir nickten uns nochmal freundlich lächelnd zu. Wenig Stress für alle Beteiligten.

    Da man den Weg eigentlich nur hin und her gehen kann begegneten wir uns später nochmal. Dieses Mal konnten wir nicht ausweichen, sie aber und tat das auch. Wir sind mit kurz angeleinten Hunden zügig vorbeigelaufen, haben uns nochmal nett gegrüßt und gut war.

    Es kann so viel einfacher sein, wenn man sich die paar Sekunden Zeit nimmt, solche Begegnungen einmal zu koordinieren, wenn man schon sieht, dass es stressig werden könnte :bindafür:

    Und der Bernhardiner Gott ich bin immer wieder froh dass manche Menschen ganz weit weg wohnen. Ich kann einfach nicht nachvollziehen sich (nicht zum ersten Mal) so ein Kaliber Hund zu holen was man in der Regel absolut nicht halten kann sorry da fehlt mir jegliche romantische Phantasie… und das noch mit Kleinkind

    Ich hab das Gefühl, das hängt oft mit diesen romantisierten Vorstellungen der "sanften Riesen" zusammen. Ich glaube, einige rechnen schlicht gar nicht damit, dass ihr Hund mal zum Pöbler wird, an der Leine ziehen könnte etc.

    Bei Baku fehlte für mich das Gesamtkonzept. Ein bisschen Apportieren, ein bisschen Leinenführigkeitsübungen, eine Schleckmatte. Das sind alles so kleine Einzelmaßnahmen (die ich nichtmal im einzelnen sinnvoll finde), die aber nur Symptome behandeln sollen.

    Mir fehlte eine Erklärung zum Typ Hund, ein Konzept für das Zusammenleben, eine Anleitung für den Umgang mit Stress, eine Anleitung für den Umgang mit Frust, eine Anleitung für dem Umgang mit Reizen.

    Eine Situation fand ich zB sehr bezeichnend: Nach dem Leinenführigkeitstraining auf der Wiese ist Ellen weggegangen und Baku hat ihr hinterhergepöbelt. Die Halterin schien keinen Plan zu haben, was sie in dem Moment tun sollte (oder präventiv schon hätte tun können). Ich hätte gedacht, dass zu einem Trainingskonzept unter anderem gehören müsste, der Halterin zu sagen, wie sie mit solchen Situationen umgehen soll. Denn genau solche Situationen sind ja Teil des Kernproblems gewesen.

    An Baku hat man gefühlt all die Probleme vorgezeigt bekommen, die das Rütter-Konzept so mit sich bringt. Zu wenig individuell (zumindest in den Fernsehsendungen), zu wenig Gesamtkonzept, zu wenig Ahnung von und Verständnis für Hundetypen.

    Der Frenchie dagegen war so das Pendant und ein Beispiel für einen Hund, bei dem das Rütter Prinzip eben 'funktioniert'. Der war ohne Struktur und unerzogen. Da reichen dann ein paar kleine Kniffe, um eine spürbare Veränderung zu bewirken. Wobei mir auch bei dem Frenchie einige Grundlagen gefehlt haben, zB zur Körpersprache der Menschen. Aber trotzdem hat der Fall halt 'geklappt', weil es am Ende eben nur ein recht durchschnittlicher, unerzogener Familienhund war.

    Was für eine besch****** Situation.

    Ich finde es gut, dass du jetzt im Sinne der Hunde handeln möchtest.

    Sollten die Hunde dann eingezogen werden ist das nicht deine Schuld, sondern ganz allein die Schuld deines Vaters. Er hat die Fehler gemacht, behandelt die Hunde schlecht, führt sie nicht verantwortungsvoll und ist nicht kritikfähig. Es ist also alleine ihm zuzuschreiben, wenn es jetzt negative Konsequenzen für ihn gibt. Ich kann komplett verstehen, dass es sich nicht gut anfühlt, sich gegen die eigene Familie zu stellen. Aber du bist nicht Schuld daran, dass die Situation jetzt ist, wie sie ist. Zieh dir den Schuh nicht an.

    Ich drücke die Daumen, dass das alles vertraulich behandelt wird und die Hunde in ein schönes Zuhause kommen. Und ich hoffe sehr, dass dein Vater danach nicht auf die Idee kommt, sich "Ersatzhunde" zu holen.

    Körperliche Auslatung bzw. Gassigänge machen wir vor allem in der Stadt durch die Straßen, mit teilweise schnüffeln lassen, teilweise an der kurzen Leine neben uns gehend Meter zurücklegen. In Summe kommen wir im Schnitt auf 1,5 Stunden pro Tag, bis vor kurzem eher weniger als das, jetzt versuchen wir aber eher mehr als das zu schaffen - meistens verteilt auf 3-4 Mal, ein längerer Spaziergang von 30-60 Minuten und die restlichen ca. 20 Minuten. Alle paar Tage gehen wir mit ihm als großen Spaziergang auf eine größere Wiese in der Nähe wo er rennen kann und an der Schlepp "einfach mal machen kann".

    Wenn ich das also richtig verstehe, dann hat er nur alle paar Tage die (theoretische) Möglichkeit, sich mal frei zu bewegen? Theoretisch in Anführungszeichen, weil es wahrscheinlich durch den Stress nicht wirklich frei ist.

    Ja, ich habe das hier gelesen:

    Aaber, wir sind leider nicht die größten lass-uns-mit-dem-Hund-jeden-Tag-2-Stunden-in-die-Natur-fahren-Fans.

    Aber ich hoffe, es ist trotzdem Input zu dem Thema erlaubt. Ob es nun täglich 2 Stunden sein müssen weiß ich nicht, aber ich glaube, dass es eine sehr große Hilfe für euren Hund wäre, wenn er möglichst täglich zumindest 1x die Möglichkeit hat, sich ohne Reizüberflutung frei zu bewegen. Wenn er dafür aktuell die Schlepp braucht, dann ist das so. Bei meiner Junghündin war es in dem Alter total wichtig, dass sie solche Runden zum Stressabbau hat. Die hätte es total kirre gemacht, fast nur an der kurzen Leine unterwegs zu sein. Dazu kommt natürlich, dass sich Energie an der kurzen Leine anstaut und der Hund dann in den Situationen, in denen es dann endlich in den Park geht (er also erwartet, gleich etwas mehr Bewegungsfreiheit zu haben), in eine noch größere Erwartungshaltung fällt -> das ist wieder kontraproduktiv.

    Im Moment klingt es einfach so, als wäre euer Hund wohnortbedingt täglich mit unzähligen Reizen konfrontiert, die er einfach (noch?) nicht in der Fülle verarbeiten kann. Dadurch bleibt das Stresslevel dann natürlich konstant hoch, weil immer neue Überforderung dazukommt, lange bevor sich der vorherige Stress abgebaut hat. Die Lösung muss also beinhalten, grundsätzlich das Stresslevel runterzubekommen. Also weniger Stress (durch Reize) draufpacken und mehr Stress (durch reizarme, freie, entspannte Bewegung) abbauen. Wie genau ihr das hinbekommen könnt ist natürlich sehr von euren genauen Lebensumständen abhängig. Also wo ist der naheste reizarme Ort? Wie schnell und auf welchem Weg kommt ihr dorthin?

    Eventuell könntet ihr fürs erste auch die Gassizeiten anpassen und zu Zeiten in den Park gehen, wo es dort leer ist.

    Ohne euch gesehen zu haben und ohne Glaskugel kann natürlich niemand sagen, ob euer Hund irgendwann (erwachsen) vielleicht euren hohen Anforderungen an einen Begleithund erfüllen kann. Vielleicht ja, vielleicht nein. So oder so könnt ihr ihn jetzt nur da abholen, wo er gerade steht. Und im Moment bedeutet das mMn nach euren Schilderungen, dass ihr akut erstmal die Ansprüche und Reize runterschrauben müsst.

    Was das Rassethema angeht sehe ich es genauso: Ihr könnt euren Hund eh nur dort abholen, wo er steht. Dementsprechend würde ich gar nicht so viel Energie in die Suche nach möglichen Rasseanteilen stecken. Ihr werdet es eh nicht sicher rausfinden können und es ändert ja auch nicht wirklich etwas an eurem Hund.

    Sie springt Autos an, läuft immer mit eingeklemmter Rute, Hundebegegnungen sind der Horror, sie hat Angst vor allem (inklusive Kinderwagen, Fahrräder, Passanten, Rollis, etc.) und ich habe in den letzten 3 Monaten mein komplettes Leben umgestellt und mache auch nichts mehr, weil ich sie nicht lange alleine lassen will.

    Gibt es einen Grund, warum du sie nicht alleine lassen möchtest? Weil du ja gerade geschrieben hast, dass sie das gut macht:

    Sie hat keine Probleme mit dem alleine bleiben, und auch den Tag über pennt sie ganz entspannt im anderen Zimmer.