Alles anzeigenGenetische Varianz ist aber in erster Linie für Populationen relevant, eher weniger für das Individuum. Und Gerade bei Doodeln gibt es ja keine Populationsstruktur, da die eigentlich alle nur F1 sind.
Hohe oder niedrige genetische Varianz wirkt sich auf beiden Ebenen aus, für das Individuum wirken sie vor allem die Immunfunktion (Stichwort MHC-Gene), aber auch viele Stoffwechselvorgänge und die Fortpflanzungsfunktion profitiert von individueller Heterogenität. Dazu kommt dann noch die Wahrscheinlichkeit, spezielle Krankheiten zu erben.
Auf der Populationsebene hängt die Überlebens- und Anpassungsfähigkeit der gesamten Gruppe von der genetischen Heterogenität ab.
Hier ein Zitat aus einer wiss. Veröffentlichung zu dem Thema, das gleich im zweiten Satz beide Ebenen formuliert:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7326369/
Inbreeding poses a real or potential threat to nearly every species of conservation concern. Inbreeding leads to loss of diversity at the individual level, which can cause inbreeding depression, and at the population level, which can hinder ability to respond to a changing environment. In closed populations such as endangered species and ex situ breeding programs, some degree of inbreeding is inevitable. It is therefore vital to understand how different patterns of breeding and inbreeding can affect fitness in real animals.
Mangelnde genetische Diversität kann auf individueller Ebene Inbreeding depression verursachen ist aber eben nicht gleichzusetzen mit "Genetische Diversität ist pauschal vorteilhaft fürs Individuum und deswegen ist der Heterosiseffekt super für die Hundezucht". Deswegen hatte Javik ja auch geschrieben "Es ist auf individueller Ebene weniger relevant" und nicht "es ist komplett egal".
Fürs Individuum kommt alles darauf an, welche Allele es abbekommt. Ist eine Population genetisch sehr homogen, aber hat wenig Defektgene, kommen dabei lauter wunderbar gesunde Individuen heraus. Häufen sich in einer sehr heterogenen Population verschiedene Defektgene, kommen dabei nicht so gesunde Individuen heraus. In einer künstlichen Population wie einer Hunderasse ist eine geringe genetische Vielfalt theoretisch nicht von Nachteil, wenn man keine Defektgene mitschleppt. Und in der Praxis ist das offenbar einfach nicht gut untersucht.
So, nun bin ich hier aber mal raus, es dreht sich im Kreis. Danke an alle für die verlinkten Studien, war ein interessanter Einblick!