Oder denkst du ernsthaft, ich mache meinen Hund unverträglich, wenn ich ihm Sozialverhalten beibringe?
Nein, genau das denke ich nicht. Nur, dass generell viele Hundekontakte, und seien sie noch so lehrreich für innerartliche Kommunikation, kein Garant dafür sind, dass dein Hund später nicht unverträglich wird. Was du ja hier selbst sagst:
Davon abgesehen, hat man längst nicht so viel Einfluss, wie man glauben will.
Das. Wird dein Hund unverträglich, weil seine Gene ihm das sagen, dann ist das so. Egal, mit wievielen Hunden der vorher Kontakte hatte. Und auch die Aggression, die er dann anwendet, ist Teil dessen, was er in seinen Kontakten gelernt hat. Es ist ja nicht so, dass alle positiven Eigenschaften durch Kontakte mit Hunden entstehen und alle schlechten durch einen Mangel an Kontakten mit Hunden.
Entscheidend ist für dich dann aber, was er vorher für Alternativen erlernt hat. Oder ob du dann die Halterin bist, die ihren RR zu jedem hinlassen muss, weil du ihn sonst nicht halten kannst oder er ausrastet, wenn er das nicht darf. Weil er unbedingt den anderen Hund abchecken und dem die Meinung geigen muss, falls er nicht kuscht.
Mir ist da auch egal, dass in den meisten Fällen kein Hund ernsthaft verletzt wird, wenn man die Kontakte zulässt. Das heißt nicht, dass das ganz unkomplizierte und tolle Kontakte sind, die für nette Hunde oder andere eher unfreundliche, ebenfalls z.b. territoriale Hunde nicht sehr unangenehm sein können. Würde ein Hund ernsthaft verletzt werden, wenn meiner und ein ausgewachsener RR umeinander staksen? Wahrscheinlich nicht. Wäre mein Hund da hinterher happy, dass ihm von einem 5 Mal so großen Hund gedroht wurde? Nein.
Meinen Mastiff habe ich sauber sozialisiert, sie hatte Spielkumpels, hat niemals schlechte Erfahrung gemacht und trotzdem war es mit 2 Jahren vorbei und sie war ab da im Arbeitsmodus.
Und deine Hündin war offensichtlich der Typ Hund, bei dem diese Art der Aufzucht kein Problem ist, weil er die richtigen Schlüsse zieht. Vielen Hunden geht es so, vielen anderen Hunden geht es nicht so. Hatte deine Hündin denn auch eine Phase, wo sie zu allen anderen Hunden hinwollte? Oder hat sie angefangen, bei Hunden Jagdsequenzen zu zeigen?
Was du schreibst und was andere so strenge „kein Hund kommt an meinen Hund ran“ Verfechter dazu so von sich geben, überzeugt mich nicht.
Ich war nie ein "kein Hund kommt an meinen Hund ran". Weil ich ja sehe, dass mein Hund "Hundesprache spricht" und nicht auf den Mund gefallen ist. Wie charmant der mit Hofhunden ist.. absolut vorbildlich. Aber da sind die Rollen klar. Ich habs also immer wieder mal zugelassen, wenn es sich ergeben hat. Übrigens auch immer phasenweise mehr, weil ich mir vom Forum hab reinquatschen lassen. Der hat dann eben die meisten Hunde abgeschnappt und dann sind wir weitergezogen. Ging, halb so wild. Aber rate mal, welche Auswirkungen das hat, wenn wir auf sehr unsympathische Hunde treffen. Und in Gegenden, wo alle Hunde angeleint sind, aber trotzdem glotzen, zu uns ziehen, etc.. Jedenfalls nicht, dass er da gelassen bleibt. Jetzt blocke ich wieder rigoros und es läuft merklich besser.
Übrigens ist es ja auch absolut Banane (und das meine ich negativ, sorry Banane), einem Hund, der bei Hundesichtung ins Fixieren geht, erst das Fixieren zu verbieten und ihn dann in den Kontakt zu schicken (bzw. den zuzulassen, das macht dann keinen Unterschied). Oder die Kontakte zu unterbinden, bis man das Fixieren im Griff hat. Nur, um dann die Kontakte wieder zuzulassen, weil der Hund ja jetzt nett ist. Aber das nur nebenbei als Memo an mich selbst 
Und das, obwohl ich so einem „ich habe keinen Bock auf andere Hunde“ hatte.
Wobei zwischen "nein Danke, kein Interesse an Kontakt", "wenn du in meinen Tanzbereich kommst, dann knurre ich" und "komm her und es gibt richtig auf die Fresse, eigentlich hätte ich gerne 100 Meter Abstand oder dich aus der Welt" noch ziemliche Unterschiede liegen. Und das ist eben nicht nur Sozialisations- sondern auch Typsache. Und auch mit letzteren kann man relativ lautlos durch die Welt tanzen und Hunde mit weniger Abstand unauffällig passieren, wenn klar ist: Der Halter zieht die Grenzen, nicht die Hunde unter sich. Das ist dann Erziehungssache und da hat man es einfacher, wenn man die Basis früh gelegt hat.
Zu deinen Zahlen hätte ich gern eine Quelle, ansonsten ist das subjektive Spekulation.
natürlich waren das nur beispielhafte Zahlen, worauf sollen die schon basieren? Wollte nur sagen, dass das Handling von Hundekontakten im Welpenalter Einfluss auf die "Weltsicht" des Hundes hat. Nicht auf Verträglichkeit an sich bezogen, sondern darauf, wie der Hund seine Gefühle in Taten umsetzt.
Ich möchte auch einfach nicht, dass ich mir einen Hund ranziehe, der, wenn er mal erwachsen ist und es brettert doch mal ein Tutnix in uns rein (und die Gefahr ist heutzutage größer denn je), hysterisch an der Leine eskaliert, weil er null soziale Kompetenz hat und total mit der Körpersprache etc. Des anderen Hundes überfordert ist.
Nur dass dir dass eben auch passieren kann, weil dein Hund nicht überfordert, sondern einfach tierisch angepisst ist. Und gelernt hat, dass er seine Konflikte selbst austrägt, damit kein Problem hat und du da nur im Hintergund eine Rolle spielst, statt die oberste Instanz zu sein.
Ich will ja gar nicht voraussagen, dass dir das passieren wird. Ich habe auch keine ahnung, ob RRs tendenziell so aufbrausend sind oder eben doch eher eine lange Lunte haben. Und und und, ich habe weder einen riesigen Erfahrungsschatz, noch kenne ich Ridgebacks. Ich meine nur, dass es eben vom Typ Hund abhängig ist, ob man so viel Vertrauen in die Vernunft und Gelassenheit seines Hundes legen kann. Und dass es eben vernünftig ist, bei solchen Sachen auf Nummer sicher zu gehen, wenn man sonst negativ überrascht werden könnte. Und wenn man irgendwann selbst die Entscheidung treffen möchte, ob man den Hund an belebte Orte mitnimmt, oder der Hund einem diese Entscheidung abnimmt.
Ich habe nur die Erfahrung mit meinem Hund, und die ist eben so, wie ich das im Beitrag vorher beschrieben habe. Und das deckt sich mit dem, was andere mit reaktiven, unverträglichen Hunden beschreiben.
Natürlich braucht jeder Welpe und Junghund Kontakte. Die Problematik liegt aber manchmal nicht in den Kontakten an sich sondern im Rahmen. Und dieses "ach hallo, ihr auch hier" -> Hunde ballern/schnüffeln/wasauchimmer -> "tschüss" und das eventuell mehrfach am Tag, jeden Tag und nur ab und zu "oh, den kennen wir nicht, bleib mal bei mir"... wäre nicht mein Idealbild, egal, ob man die Hunde jetzt kennt. Also ein bisschen so klingt es für mich, vielleicht ist es auch ganz anders. Aber ich wollte da auch einfach allgemein was zu sagen, nicht nur zu euch im Speziellen.