Ich kenne jetzt nur wenige Artikel und kann den Fall gesamt nicht beurteilen.
Wenn ich versuche, mir die Situation live vorzustellen: 120 Hunde, unterernährt und erkrankt, unklar, ob sie sich gut anfassen und behandeln lassen. Ich kenne die Tierschutzkapazitäten in der Schweiz nicht, aber auch hier in einer tierschutzmäßig ziemlich gut aufgestellten Region, bei der die Vereine in solchen Fällen auch zusammenarbeiten und jeder einen Teil übernimmt, wäre das problematisch geworden. Die Hunde hätten abgetrennt in Quarantäne untergebracht werden müssen. Und hätten je nach Zustand vermutlich intensives Päppeln, tierärztliche Behandlung und intensive pflegerische Einzelbetreuung gebraucht. Von denen, die zu retten gewesen wären.
4-5 Tiere pro Verein wären da mit viel Mühe und hohen Kosten wohl zu stemmen. Ja, wäre vielleicht über ein großes Kooperationsnetzwerk zu stemmen, ich denke, meine relativ reiche und gut vernetzte Region hätte das hingekriegt, da die, die zu retten gewesen wären, auch zu retten.
Alternative wäre Unterbringung in ein paar Notunterkünften mit dem Nötigsten an pflegerischer und ärztlicher Versorgung. Was möglicherweise - reine Spekulation - dann für eine Zahl der Hunde letztlich auch den Tod bedeutet hätte, nur verzögert und unter weiterem Leiden.
Man hätte vielleicht auch grob überschlagen können, für wie viele Tiere Kapazität da ist, sie hinreichend ärztlich zu versorgen und zu pflegen und dann aus der Zahl der vorhandenen Tiere auswählen können. Falls das in dieser Situation zu leisten gewesen wäre. Zeit und Abstimmung hätte es in jedem Fall gefordert, in einer Situation, in der Tiere akut leiden. Ich mag mir nicht vorstellen, in dieser Situation zu sein. Auch nicht in der, alle zu töten. Aber ich mag hier auch nicht pauschal vorwerfen, dass tierschutzwidrig gehandelt wurde.
Wenn absehbar war, dass nicht genügend Ressourcen für die erforderliche Versorgung und Pflege der Tiere da ist, dann ist die Aussage nicht falsch, dass die Tiere nicht zu retten waren. Es sind nur unterschiedliche Ausgangspunkte da, was „machbar“ ist. Und zum Machbaren gehört halt nicht nur das medizinisch theoretisch Mögliche, sondern auch das Vorhandensein von entsprechenden Ressourcen, Plätzen und kompetenten Menschen. So unschön der Gedanke ist, ja, auch Geld entscheidet darüber, ob ein Tier zu retten ist.