Und man muss bedenken, dass auch im Tierschutz nur Menschen arbeiten. Je mehr ich über die Erwartungen lese, umso mehr grübel ich:
- Empathisch, einfühlsam, fürsorglich mit ihren Schutzbefohlenen
- Individuell auf die Belange des Einzelnen eingehen könnend
- Dabei auch durchsetzungsfreudig und -stark und durchgreifend, da wo es sein muss
- Und da auch klare Ansagen verteilen
- Unempfindlich gegen Angriffe und sich der Gefahr bewusst, auch mal verletzt zu werden
- Idealistisch genug, um großartige Arbeit unter miesen Bedingungen zu leisten
- Bereitschaftsdienst, Schichtarbeit, Überstunden
- Keine Angst vorm „Scheiße schippen“
- Begleitung auch durch Krankheit und Tod
- Aber auch mit betriebswirtschaftlicher Vernunft denkend und handelnd
- Nett gegenüber den Besuchern, auch den Motzigen und Uneinsichtigen
- Kompetent und ehrlich beratend vermitteln
- Dabei mögliche Risiken voraussehend
- Aber keinesfalls übergriffig werdend
- Und am Besten immer souverän und gut gelaunt
- Natürlich auch sehr gut ausgebildet.
Und wenns schief geht, muss man die Folgen halt aushalten (erinnert mich übrigens auch gerade ganz stark an den menschlichen Pflegebereich
).
So ein Wunderwesen würde im Dienstleistungssektor, wo ich arbeite, vergoldet. Da kann nun im Tierschutz nicht die Rede von sein.
Für die Finanzierung ist Spendenakquise erforderlich (und zwar nicht zu wenig). In unseren Zeiten der öffentlichen emotionalen Inkontinenz und der Like/Dislike Kultur. Aber bitteschön nicht damit, auf den Putz zu hauen oder sich als Retter zu gerieren, oder rosa Wölkchen zu malen oder nette Geschichtchen zu erzählen. Alles berechtigte Anliegen, übrigens. Aber generiert man mit trockenen harten Fakten genug Spenden und Unterstützer?
Nein, ich mache es - erstmal - keinem Tierheim zum Vorwurf, dass es sich und seinen Mitarbeitern einmal das Leben etwas leichter machen möchte.