Beiträge von Phonhaus

    Hm - solche Berichte stellen halt auch immer nur eine Seite der Geschichte dar, deshalb bin ich da vorsichtig, mir ein Urteil zu bilden.

    Was ich tatsächlich erlebt habe - in einigen schönen Jahren als Gassigänger - war, dass bei den Hunden mit Potential die durchaus nicht wenig vorhandenen Interessenten sorgfältigst befragt und ausgesiebt wurden (was dann natürlich sofort wieder zu Berichten über willkürlich entscheidende und übergriffige Tierschützer geführt hat - wie mans macht ...) Und was die Leute da alles erzählen, wenn die unbedingt ganz genau und speziell diesen Hund wünschen.

    Kein Tierheim, dessen Betreuer mit auch nur leidlich klarem Verstand agieren, vermittelt leichtfertig oder aus „Nase voll“ unpassende Hunde. Der Ärger, der darauf folgt, ist das einfach nicht wert, abgesehen davon, dass üblicherweise - ja, auch im Tierschutz - Menschen ein gewisses Verantwortungsgefühl haben. Und wie überall gibts natürlich auch da die Ausnahmen.

    Einen meiner Gassihunde - der bei richtigem Umgang einfach nur traumhaft war, aber bei falschem Umgang gezielt an den Hals gegangen ist - habe ich als zweiter Gassigänger noch 4 Jahre betreut, bis er im Tierheim verstorben ist. Und der hatte Interessenten noch und nöcher, weil er traumhaft schön und blaubeäugt war.

    Und die Hunde, die ans Tierheim zurück gehen, kommen ja eben gerade nicht in „unbedarfte“ Hände. Sollte jedenfalls so sein.

    Dass der Eine oder Andere dann trotzdem erstmal alleine im tierheimeigenen Fort Knox hockt, damit ist zu rechnen :( : Dann müssen sich die Tierheime wieder damit befassen, dass und warum sie möglicherweise nicht die Ressourcen für diese Hunde haben. Und vielleicht hocken einige dieser Hunde den Rest ihres Lebens im gesicherten Einzelzwinger.

    Aber vielleicht nutzen einige Vereine die aktuelle Situation auch als Kick und entdecken oder schaffen auch entsprechende Kapazitäten und können sogar weitergehend unterstützen. Vielleicht gibts dann mal entsprechend Druck, dass sich an den Ursachen was bewegt und nicht an den Symptomen. Vielleicht kommt jetzt wirklich auch neue Unterstützung, wenn das Scheitern des Projekts HhF durchgesickert ist.

    Optimistisch bin ich da zwar nicht, aber mal gucken.

    Um normale Haushalte gehts, denke ich, aber auch nicht. Er spricht ja explizit von „ambitionierten Personen“ und ich denk mal nicht, dass er mit ambitioniert „viel Ehrgeiz, aber wenig Kenntnis“ meint, sondern „sich vor dem Hintergrund vorhandener Fachkenntnisse auch ambitionierte Hunde zutrauend.“ Menschen einschätzen können sollte er als Trainer schon, und das ist hier genauso wichtig wie die Hunde einzuschätzen. Und er hat ja auch geschrieben, dass er ein Unterstützerteam hat.

    Und zwischen „normal“ und „unkontrollierbare Gefahr für Mensch und Tier“ gibts ja auch etliche Schattierungen. Seine Vorstellung davon, was ein Hunderüpel ist, dürfte sich etwas abheben von der Ansicht der meisten Hundehalter, was ein Rüpel ist.

    ...

    Ich bleib dabei: Wenn eine Gesellschaft guten Hundeschutz will, dann muss sie gut dafür bezahlen. Und dann ist jeder in der Verantwortung.

    Und das ist eben die Frage, ob die Gesellschaft das will, oder ob nur ein gewisser Anteil -Hundebesitzer, Tierfreunde z.B.- diesen guten Hundeschutz wollen?

    Naja. Dann müsst ich sagen, dass dann die dafür bezahlen sollen.

    Aber dann krieg ich wieder Haue :sweet:.

    Und davon ab: Ich bezahl auch mit für z. B. Fußball- und Musikvereine, obwohl ich sie weder mag noch brauche. Und vieles Andere mehr.

    Es gibt ein Tierschutzgesetz. Damit ists gesamtgesellschaftliches Anliegen.

    angelsfire

    Zu Dir noch ergänzend angemerkt: So ein schwer bis gar nicht vermittelbarer Hund - nun erstmal wurscht, ob Killer oder Rüpel - ist auch einfach ein Kostenfaktor. Als Abgabehund direkt nicht bezuschusst, also größtenteils spendenfinanziert. Wenig Aussichten auf Vermittlungserfolg. Ggf. mit speziellen Anforderungen an die Zwingergestaltung. Verletzungsrisiko.

    Das muss ein Verein samt der zahlenden Mitglieder und Spender auch erstmal finanzieren wollen. Und das stößt mir auf - hier ists ja auch schon öfter gefragt worden: Warum soll irgendwer/die Gesellschaft als Ganzes die Verantwortung für einen Hund übernehmen, der von seinen früheren Haltern verkorkst wurde? Einzige Antwort: Weils zum gesellschaftlichen - also allgemeingültigem - Wertekonsens gehört.

    Nun wird die Verantwortung aber abgegeben an ein paar wenige, die dann halt sehen sollen, wie sie Theorie und Praxis unter einen Hut bringen. Dabei nur von einem eher kleinen Teil der Gesellschaft unterstützt werden und dann auch noch die Deppen sind, wenns schiefgeht.

    Was hat das mit der viel geforderten betriebswirtschaftlichen Vernunft zu tun?

    Ich bleib dabei: Wenn eine Gesellschaft guten Hundeschutz will, dann muss sie gut dafür bezahlen. Und dann ist jeder in der Verantwortung.