Mein Punkt ging in Richtung der Behörden, das Verhalten dieser Organisationen oder auch von Einzelpersonen will ich gar nicht verharmlosen.
Mir ging es darum, dass ich bei vielein Behörden in solchen Themen wenig Engagement wahrnehme und das ist m. E. nicht tragbar.
So z. B. kommen auch krass tierschutzwidrige Haltungen zustande. Da ist der Hund etwas schwieriger, man kann nicht gut mit ihm raus, Nachbarn beschweren sich übers Gebell, er zerstört was, wenn er alleine ist … Dann wird er erstmal im Keller untergebracht. Anfangs nur stundenweise mit kuscheliger Einrichtung. Und dann erträgt es der Halter immer weniger, das fabrizierte Elend anzusehen. Dann leiden Sauberkeit und Versorgung und am Ende haust ein abgemagerter Hund in Dreck.
Bei den zwei so gelagerten Fällen, die ich unmittelbar erlebt habe, wurde der Verein von Nachbarn informiert. In einem Fall hat das Vet-Amt sofort reagiert, im anderem Fall wurde der Hund den Besitzern vom Verein gegen eine symbolische Summe abgekauft.
OT:
Gibt es eigentlich Studien, wie es dazu kommt, dass Tiere derart verwahrlosen? Ich nehme an, dass hier psychische Erkrankungen der Halter eine recht große Rolle spielen, oder?
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Zu Animal Hoarding wirst Du Studien finden, zu Tierquälerei auch. Ob es da was hinsichtlich Vernachlässigung bis hin zur Quälerei gibt, weiß ich nicht. Vielleicht weiß dragonwog da was.
In den beiden Fällen, die ich beschrieben habe, waren die Halter nicht (zumindest nicht offenkundig) psychisch erkrankt. Auch nicht grausam erscheinende Menschen.
Edit
Genau das war es, was ich mit meinem letzten Beitrag gemeint habe: Man muss kein Monster oder zutiefst kranker Mensch sein, um grausame Dinge zu tun oder durch Wegschauen fürchterliche Dinge zu ermöglichen oder laufen zu lassen. Auf dieser menschlichen Fähigkeit beruht ein ziemlich großer Teil unserer gesellschaftlichen Ordnung. Und die Zeichen stehen dafür, dass das schlimmer statt besser wird.
Hannah Arendt benannte es als die „Banalität des Bösen.“ Das trifft es mMn im Kern.
Ich empfinde das auch nicht als Verharmlosung. Im Gegenteil. Sich in aller Schärfe bewusst zu machen, zu was Menschen (unterstützt von den sie umgebenden Verhältnissen) von Haus aus fähig sind, ist für mich weitaus erschreckender, als sie einfach als Kranke oder Monster zu klassifizieren.