Beiträge von Phonhaus

    Nein. Schuld ist was komplett anderes als Verantwortung. Und das, was Du zusammengefasst hast, habe ich auch nicht gesagt :ka:Teilverantwortung an den Strukturen einer Gesellschaft hat meiner Meinung nach jeder mündige Teilhaber an dieser Gesellschaft. Und da liegen die Handlungsmöglichkeiten.

    „Schuld“ ist für mich nahezu völlig irrelevant bei der Frage, wie man etwas ändern oder verhindern kann. Und da ich weder ein Richter noch ein Pfarrer noch Gott bin, fällt Schuld für mich nicht in meinen Zuständigkeitsbereich :smile:

    Nö. Abgesehen davon, dass sich mir nicht erschließt, was das mit dem Thema zu tun hat, hab ich ja schon gesagt: Für einzelne Individuen fühle ich mich nicht verantwortlich. Für die Gesellschaft, von der ich ein Teil bin, schon. Zu einem minimalen Teil.

    Und wenn unsere Gesellschaft massiv Individuen mit hochgradigen Psychosen produziert und dabei ein strukturelles Muster zu erkennen ist, das diese gesellschaftliche Produktion begünstigt, dann bin ich für dieses Muster mit verantwortlich (nicht schuld daran. Aber mit verantwortlich).

    Patti

    Für Dich nicht. Für mich halt schon. Weil dieser eine Mensch diese speziellen Hunde nicht gezaubert hat. Das waren viele. Und weil dieser eine Mensch diese Hunde nicht von der Straße gesammelt hat. Die wurden ihm übereignet.

    Wenn der eine Mensch sich in Luft aufgelöst hat, sind die speziellen Hunde noch da, die Leute, die die speziellen Hunde geschaffen haben und der Bedarf nach jemandem, dem man sie übereignen kann. Da liegt für mich das Problem. Und da sehe ich aber, als minimales Teilchen in dem Gefüge, aber auch meine Handlungsmöglichkeit (was auch eine Variante von „Täter“ ist :smile:).

    Strukturen können wir bewegen, wenn ein großer Teil es möchte. Das Handeln eines Einzelnen kann ich nicht beeinflussen. Außer mit Methoden, die aus gutem Grund nicht erlaubt sind :mute:

    Und da, wo ich was tun kann, da fühle ich mich halt auch ein Stück weit mit verantwortlich.

    Nun ja. Von meinem Standpunkt aus ist das zugrunde liegende Thema der Umgang mit Leben, das nicht man selbst ist. Klingt jetzt blöd, ist für mich aber so (und ich erwarte nicht, dass jemand meinen Standpunkt teilt. Ich will damit auch Niemanden angreifen. Es ist mein ganz, ganz persönliches und ziemlich tief verankertes Empfinden).


    Ein paar Dinge hab ich ja angesprochen: Schweine im Kastenstand. Hühner auf einer Fläche von 800 Quadratzentimeter. Mit den Menschen untereinander siehts ja nun auch nicht rosig aus.

    Wenn man rein auf Hunde geht: Der „Haben-Will-Faktor“, der aus verkrüppelten Wesen SchönheitskönigInnen macht. Die zunehmende Unfähigkeit, andersgeartete Bedürfnisse zu erkennen. Die ideologische Erhöhung des eigenen Freunds auf der Couch.

    Das sind für mich irgendwo alles Symptome einer - wenn man so will - „Grunderkrankung.“ Und nahezu jeder in unserer Gesellschaft partizipiert darin oder profitiert davon - in irgendeiner Weise. Und nein: Ich bezwecke damit keinen Whataboutism. Es machts mir nur so gut wie unmöglich, auf irgendwen mit dem Finger zu zeigen. Ohne anzuerkennen, dass der auch mich trifft. Vielleicht halte ich deshalb auch „Schuldfragen“ für so irrelevant - keine Ahnung. das „Täter/Opfer-Thema“ interessiert mich da tatsächlich nur insoweit, als dass ich einfach nicht mehr möchte, dass sowas nochmal passiert. Das stelle ich aber nicht sicher damit, eine bestimmte Person einzuknasten.

    Respekt vorm Leben an sich wäre da für mich die Grundlage, es wirklich besser zu machen.

    Orwell war nun nicht der begnadeteste Stilist, aberein unglaublich scharfsinniger Beobachter seiner Zeit.

    Wenn ich mich recht erinnere: Dir hat Fahrenheit 451 auch nicht gefallen, oder (oder werfe ich da was durcheinander)? Dann vermute ich mal, dass 1984 ebenfalls nicht so Deins.

    Die großen und nicht ganz so großen Dystopien waren in ihrer Zeit jeweils bahnbrechend (1984, Fahrenheit 451, Schöne neue Welt, Die Frauen von Stepford, Uhrwerk Orange ...), sind aber aus heutiger Sicht einfach nicht mehr aktuell. Logischerweise :smile: Weil manches überholt ist, aber manches auch so gut verinnerlichte gesellschaftliche Realität geworden ist, dass man einfach nicht mehr erkennt, was daran damals das Schreckhafte war.

    Und ich hab meinen Fokus schlicht nicht darauf, wo man den „Schuldigen“ zu suchen hat. Denn es ist nunmal kein Einzelfall. Und wenns ein Muster gibt, gibt es Strukturen, die dieses Muster begünstigen.

    Mich interessiert eher marginal, was da aus einzelnen Akteuren wird. Denn würde jede (aus meinem persönlichen Empfinden heraus) tierschutzwidrige Handlung so geahndet, wie sie es (aus meinem persönlichen Empfinden heraus) werden müsste, wäre ein kompletter Industriezweig lahmgelegt. Deshalb diskutiere ich da auch gar nicht rum, mag mich an niemandem abarbeiten und wundere mich etwas über die Erbitterung.

    Mich interessiert, was passieren muss, damit es nie mehr so weit kommt. Und was man dafür tun kann.