Beiträge von Phonhaus

    Die Menschen hocken dichter aufeinander. Der Kraftverkehr hat sich vervielfacht. Die „Dorfstreuner“, die es früher hier recht häufig gab, haben mittlerweile Seltenheitswert und gehen entweder selbst in Deckung, überleben nicht lange oder werden eingesammelt. Und ja: Früher wusste man hier im Dorf, welchen Hunden man lieber aus dem Weg geht und um welche Grundstücke oder Hofeinfahrten man einen Bogen macht (wenn man nicht gerade auf eine Mutprobe aus war). Früher war das üblicherweise aber auch recht problemlos möglich.

    Heute stehen die Grundstücke größtenteils dicht an dicht und die Nervenbelastung für die Hunde nimmt entsprechend zu. An der Kette - wie hier früher durchaus noch üblich - findet man heute kaum noch Hunde, wenn das Grundstück einsehbar ist. Ja, die Anforderungen sind insgesamt gestiegen.

    Und der Stellenwert des Hunds. Was - wie Vriff geschrieben hat - ja durchaus nicht unbedingt schlecht ist. Aber eben dann zum Problem wird, wenn man den Hund dadurch verkennt.

    Kann ich nachvollziehen. Mit der momentanen Ungewissheit ist das echt nicht einfach, gerade für wichtige Klassen bzw. Abschlussklassen. Dadurch, dass es alle trifft, wirds da mit Sicherheit Kompensationsmechanismen geben. Aber momentan bleibt leider nichts als abwarten und das Beste aus dem machen, was kommt.

    Die Lehrer aus meinem Freundeskreis sind ziemlich optimistisch, ich drück mal die Daumen.

    Umso besser - gar nicht fies gemeint :smile:. Ich bin halt über die Formulierung gestolpert „Serien weiterzubringen“, sowas würde mir bei der Hitze schon Stress machen. Hier sind auch die Hunde gerade definitiv schlechter gelaunt als sonst.

    Und bei Frust und „alles doof - Tagen“ guck ich bei mir aus langjähriger Eigenerfahrung heraus mittlerweile auch immer auf das hormonelle Thema |)

    Warte einfach mal bis morgen und guck dann nochmal.

    Und Deine Tochter schafft das schon :nicken:

    Nochmal ein anderer Aspekt - Du hast es ja selbst auch als „Frustbeitrag“ bezeichnet :smile:: Die Hitze macht ja nicht Nur den Hunde zu schaffen, sondern uns auch. Ebenso hormonelle Schwankungen ;). Und das wirkt sich aufeinander aus, ohne dass man es selbst merkt.

    Sprich: Wenn Du selbst gerade angespannt oder körperlich nicht ganz im Gleichgewicht bist, dann merkt Dein Hund das und reagiert dann ggf. auch anders als gewohnt. Was Dich weiter stresst ... Das kann sich unbemerkt gegenseitig hochschaukeln, gerade auch, wenn man sich noch nicht soo lange kennt.

    Mir hilfts in solchen Momenten, einfach mal tief durchzuatmen, Situation mit Potential für Konflikte 1-2 Tage zu vermeiden, insgesamt nochmal einen Gang herunterzuschalten und dann neu zu gucken.

    Mir ist gerade eine Frage durch den Kopf geschossen: Macht Dir der „Fernsehmarathon ohne Pubertier“ denn gerade auch wirklich Spaß? Oder ist das was, was Ihr jetzt „durchzieht“, weil es eben gerade so schön passt - aber ggf. sogar ein kleiner Stressfaktor?

    Natürlich besteht ein Zusammenhang zwischen Kultur (damit Hundehaltung) und Sprache - im Gesprochenen drückt sich das Bewusstsein aus, im „Nicht-Gesprochenen“ das Verdrängte. Sieht man ja auch beim Qualzuchtthema, wo durch Prädikate wie „süß“, „originell“, „besonders“, „einzigartig“ ... Leid verursachende Merkmale verniedlicht und beschönigt werden und das Leid als Solches letztlich dem Bewusstsein entgleitet.

    Ich nenne meine Hunde auch manchmal „Freund“ - Ronja sogar noch viel öfter „Freundchen“ oder „Fräulein“ :D. Und im Kuschel-Zärtlichkeitsüberschwang entfleuchen mir gelegentlich Kosewortbildungen, bei denen meine Tastatur sich vor Scham aufhängen und einen Fatal System Error produzieren würde, wollte ich sie tippen. Auch das ist menschlich.

    Es wird halt problematisch dann, wenn daraus gebildete Klischees wie das vom „besten Freund des Menschen“ oder vom „treuen und dankbaren Tierschutzhund“ die Erwartungshaltung an das Tier prägen - und diese Erwartungen auch im direkten Kontakt mit der Realität nicht korrigiert werden (können). Und daraus resultierende Gefahren entweder nicht wahrgenommen oder negiert werden und problematisches Verhalten nicht als Solches wahrgenommen geschweige denn korrigiert wird. Wie z. B. bei meinem Lieblingshassspruch: „Wenns gesund wird, kriegt er das eh nicht.“

    Wir wissen aber doch gar nicht, ob der TE voll-krass-Hund möchte :ka:

    Und ist doch nicht so, als könne man Molossern keine Leinenführigkeit beibringen, oder lernen sie das nicht?

    Doch, doch. Sie können das schon lernen.

    Meiner Erfahrung nach brauchts dafür aber schon ein besonderes „Fingerspitzengefühl“. Mit körperlicher Stärke hält man so einen Hund nicht. Den meisten Molossern, die ich kennengelernt habe, brauchte man mit „Härte“ auch nicht kommen, da haben die dicht gemacht und die Zusammenarbeit verweigert. Und wenn +-60 KG Hund mal auf der Straße liegen oder lospreschen, dann tun die das - da machste erstmal nix. Zu lasch war aber auch nix.

    Viel, viel Fachkunde, Empathie, innere Haltung, Konsequenz und Durchsetzungsvermögen waren da gute Voraussetzungen. Locker-souveränes Selbstvertrauen (und definitiv kein Machoauftreten). Das übrigens für die normale Erziehung. Wenn man ein Exemplar mit Artgenossenunverträglichkeit bzw. ausgesprochenem Misstrauen gegenüber Fremden erwischt (und das ist nicht selten), kommt auch bei bester Erziehung noch lebenslanges Vermeiden von kritischen Situationen dazu.

    @Molosserfan500

    Ich hab Dir ja noch dazu geschrieben, dass beide Rassen in Deutschland teils gelistet sind. Was das Zusammenleben mit einem gelisteten Hund bedeutet, dazu kann ich gerne auch noch was schreiben, falls Du das möchtest.

    Und da sind wir auch irgendwo wieder beim Tierschutz. Ich bin da ja an sich sehr wohlwollend. Aber die inflationäre Verwendung von Begriffen wie „Fellnase“, „Glücks- oder Unglücksfellchen“, „Notfellchen“ ... entlockt mir innerlich immer öfter ein „pick mich am Bürzel“.

    Aber sie müssen es ja tun, zumindest in den allgemeinen Texten, die Publikum anlocken sollen (in den Vermittlungstexten sehe ich es gottseidank seltener). Anders bekommt man heute schlicht nicht die Aufmerksamkeit und Unterstützung für die eigene Arbeit, die man braucht.

    Es scheint ein massives Bedürfnis da zu sein, einen hübschen Schleier über die Realität zu legen. Und weil hier die Kinder schon angesprochen wurden - das trifft sie genauso.

    Zur Realitätswahrnehmung

    Es ist aber nicht nur Verleugnung oder Verdrängung. Mein Mann hatte da mal ein „Aha-Erlebnis“: Er hat immer wieder mal Elterngespräche zu seinen Therapiekindern, weil wirkliche Fortschritte nur mit kurzem, aber konzentriertem Üben daheim zu erzielen sind. Wenn die Kinder dabei sind, macht er diese Gespräche in kurzen Einheiten, damit die Kinder auch daneben sitzen bleiben können. Der Ablauf ist auch im Vorfeld besprochen.

    Bei einem Gespräch stand das Kind nach ein paar Sekunden auf, lief durch den Raum, holte Sachen aus den Regalen, verrückte Bilder aus der Wand. Alles im Blickfeld der Mutter. Er hat das mal laufen lassen (was er sonst nicht tut) und die Mutter nach ein paar Minuten angesprochen - die erst mal definitiv der Ansicht war, dass das Kind gerade eben erst aufgestanden ist (bis ihr das Durcheinander so richtig zu Bewusstsein kam). Eine nette, kluge, hilfsbereite und sehr kooperative Frau. Die hatte auch keine Migräne oder sonstige Aussetzer, war nicht widerstrebend, hat nicht bewusst verleugnet oder verdrängt. Sie hat schlicht nicht gesehen, was sich direkt vor ihrer Nase abgespielt hat, bis es ihr direkt zu Bewusstsein gebracht wurde.

    Seiner Erfahrung nach ist das keine Seltenheit. Und ich sehe das auch öfter bei Hundehaltern. Ganz ab vom „Rosa Wölkchen Schleier“, der auch ein Thema ist: Viele sehen es einfach tatsächlich nicht, was anders ist als erwartet, es fällt durchs Aufmerksamkeitsraster.

    Was ich im Tierschutz recht oft erlebt habe: Das gigantische Auseinanderklaffen von Erwartungen und Wirklichkeit und die Hilflosigkeit der Halter bei der Verarbeitung dessen, dass der Hund ganz anders ist als sie es sich erwartet und vorgestellt haben. Und dass an diese enttäuschte Erwartung mit keiner Erklärung ranzukommen ist - weder im Vorfeld noch im Nachgang. So als würde es sich einfach dem „Fassungsvermögen“ entziehen, dass da etwas einfach ganz anders tickt als man selbst denkt. Entsprechend kann dann auch keine Kommunikation zwischen Hund und Halter stattfinden. Und das sind keine dummen Menschen. Nur fehlt scheinbar irgendwo der Sinn, an dem diese Informationen andocken könnten.

    Und das sehe ich auch im Umfeld öfter: Halter, die gar nicht ihre Hunde sehen und das, was sie da tun, sondern das Bild bzw. die Vorstellung, die sie im Kopf haben. Auch wenn das zwei völlig verschiedene paar Schuhe sind. Erinnert mich so ein bisserl an den Uraltfilm „Sie leben“. Meistens gehts halt gut, weil Hunde meistens nett und anpassungsfähig sind und Hund und Halter sich damit gut im Nebeneinander her leben einrichten können.

    Ich weiß nicht, woran es hängt. Ob dieses fehlende Verständnis fürs Fremde bzw. der fehlende Respekt davor mehr geworden ist, oder einfach früher Leute ohne dieses Verständnis keine Hunde hatten bzw. nicht so oft Hunde hatten, die dann auch das Potential hatten, ihr eigenes Ding sehr nicht nett durchzuziehen. Oder ob diese Hunde schneller verschwunden sind. Oder ne Mischung :ka:

    Unser erster Familienhund Bärli ist mit 12 an den Verletzungen durch den Angriff eines anderen Hunds gestorben.

    Der zweite Familienhund Whoopie ist mit 12 eingeschläfert worden, da sie multiple Tumore und Herzinsuffizienz hatte und der Körper einfach verschlissen war. Ich bin der Ansicht, dass das Kettenrauchen meiner beiden Eltern da möglicherweise einen Anteil getragen hat.

    Meine Pflegehündin Maya ist mit 11 an Leberkrebs gestorben.

    Unsere Seniorin Ronja marschiert gerade auf die 15 zu und ist nach ihrem zweiten Vestibularsyndrom sehr eingeschränkt. Aber sie mag definitiv noch nicht gehen und ich hoffe, dass das noch ganz lange so bleibt.

    Um nochmal auf Deine letzte Frage zurück zu kommen: Weder der American Bulldog noch der Bullmastiff sind Anfängerhunde.

    Der American Bulldog ist in Deutschland in 3 Bundesländern gelistet und unterliegt entsprechenden Auflagen. Seine ursprüngliche Verwendung war zum Einen eine Mischung als wehrhafter Haus- und Hofwächter und Viehtreiber für größere Farmen, zum Anderen wurde er auch für Hundekämpfe und Bullbaiting genutzt. Auf entsprechende Veranlagungen wurde er selektiert: Wehrhaftigkeit, Sturheit und Kompromisslosigkeit, Wachsamkeit, Misstrauen gegenüber Fremden. Das braucht eine solide Mischung aus Fachkenntnis, Einfühlungsvermögen und ein gerütteltes Standing im Umgang, die viele erfahrene Hundehalter nicht mitbringen, von Anfängern ganz zu schweigen.

    Da die Rasse nicht anerkannt im VdH oder FCI ist, ist es außerdem äußerst schwer, einen wirklich soliden Züchter zu finden.

    Zum Bullmastiff: Für diese Rasse und die Bordeauxdogge schlägt seit vielen Jahren mein Herz. Und genau deshalb wird hier niemals ein Hund einer dieser beiden Rassen einziehen. Neben den molossertypischen Eigenschaften (ähnlich denen des American Bulldog) ist diese Rasse durch Übertypisierung gesundheitlich auch einfach heruntergewirtschaftet. Der Bullmastiff ist auch in mehreren Bundesländern gelistet.

    Den letzten Bullmastiff, den ich live getroffen habe, habe ich beim Tierarzt getroffen. Ein unglaublich riesiger imposanter dreijähriger Rüde. Ein Halter, der immer einen großen, beeindruckenden Hund haben wollte. Bis er ihn hatte. Kaputte schon mehrfach operierte Hüfte, geschädigter Rücken, ED, Probleme mit immer wieder aufplatzenden Fußballen. Von den gesundheitlichen Einschränkungen durch die Brachyzephalie ganz zu schweigen. Dauerpatient für Schmerzmittel und Dauergast beim Tierarzt, der Halter meinte zu uns, dass er auf noch zwei Jahre mit dem Hund hofft, aber mehr einfach nicht realistisch sei. Der Herr ist äußerst hart mit sich selbst ins Gericht gegangen, das war schon erschütternd. Und ja, das ist natürlich ein Extrembeispiel. Aber leider keine Seltenheit.

    Ich verstehe die Faszination für die großen Bollerköppe wirklich gut. Aber im Sinne von Tierliebe und Verantwortungsgefühl gegenüber sich selbst und seinen Mitmenschen kann ich jeden Hundeanfänger nur herzlich bitten, es bei der Faszination und Bewunderung aus der Ferne zu belassen. Das Risiko für Leid - bei einem selbst, bei seinen Mitmenschen oder deren Tieren und nicht zuletzt beim Hund ist einfach zu groß.