Beiträge von Phonhaus

    Das mit den 1000 Wiederholungen ist so eine Sache. Klar braucht es Üben, damit ein Hund ein Verhalten zuverlässig mit einem Kommando verknüpft und man das gewünschte Verhalten auch in unterschiedlichen Situationen abrufen kann.

    Aber in Deinem Fall weiß der Hund ja schon, was von ihm erwartet wird, wenn Du rufst. Er entscheidet nur kreativ nach Sachlage, was sich für ihn mehr lohnt :smile: In der entsprechenden Phase bei Ronja war je nach Stimmung jedes Pusteblümchen im Wind interessanter als ich, ziemlich frustrierend :pfeif: Und aus heutiger Sicht kann ich den Hund gut verstehen.

    Wir haben das letztlich über gemeinsame Arbeit (Dummytraining) und Arbeit an der Beziehung, quasi per Teambuilding hinbekommen. Das hat ne ziemliche Zeit gedauert, dafür aber nachhaltig gewirkt. Auch beim lossprintenden Hasen und beim freien Spiel mit anderen Hunden. Wobei ich aus Letzterem auch nur mit Grund abgerufen habe (wenns zu kippen drohte bzw. die Hunde völlig in andere Sphären abgeglitten sind in ner Umgebung, in der das hätte problematisch werden können). So zu Testzwecken mochte ich das nicht, ich wollte meinem Hund mit der Erlaubnis ja ermögluchen, sein Junghundeding zu machen.

    Bei uns war die Schleppleine ein Bestandteil, als die Madam noch jagdlich ambitioniert war, für den Rückruf hab ich die nicht genutzt und fürs freie Spiel war mir das zu gefährlich.

    Mein Tipp wäre auch erstmal, den Rückruf neu aufzubauen gekoppelt mit gemeinsamer Beschäftigung und Arbeit an der Bindung. Und beim freien Spiel - wenn Du es gestattest - dem Hund auch mehr Freiraum zu lassen und ihn da eben erstmal nicht rauszurufen, sondern abzuholen.

    Ich sags mal so: Für die meisten aktiven Hundefreunde hat der Hund eine ganz eigene Bedeutung, die Nutztiere gar nicht und andere Haustiere oft nicht in der gleichen Weise haben. Und das liegt meiner Meinung nach daran, dass Hunde und Menschen auf einzigartige Weise miteinander kommunizieren können. Mit meinen Katzen konnte ich durchaus auch kommunizieren, aber mit den Hunden ist es nochmal was ganz Eigenes.

    Und ja: Sie spiegeln uns (die Spiegelneuronen wurden ja schon angesprochen). Vermutlich deshalb ist die Versuchung zur Anthropomorphisierung groß. Oder dafür, sie zum Ausdruck des eigenen Narzissmus zu machen, wie dagmarjung es beschrieben hat. Und sie eben nicht als das zu nehmen, was sie sind.

    Bei Anekdötchen oder so schleicht sich das bei mir durchaus auch ein. Und das war früher auch nicht anders, das kenne ich von meiner Elterngeneration auch sehr gut.

    Und mit dem weitaus meisten Hunden gehts trotzdem gut, die richten sich ein. Oder entwickeln Malessen, die zwar sie stören und ggf. Noch den Halter, sich aber nicht schädlich aufs Umfeld auswirken. Aber eben nicht mit allen Hunden. Und die Hunde der HhF stehen recht exemplarisch für Rassen, bei denen da eine reelle Chance besteht.

    Und solche Hunde waren vermutlich früher tatsächlich nicht so oft joblos in Privathand. Wenn, dann im „Milieu“ (da dann ggf. aber auch nicht joblos), mit denen ist man dann aber auch eher selten in Berührung gekommen.

    Un- bzw. Missverständnis, gekoppelt mit „Will aber“ und zunehmend weniger Einsicht dafür, dass nicht jeder alles kann.

    Kleine Anekdote dazu am Rande: Meine Eltern hatten sich auch mal für einen Deutschen Jagdterrier interessiert, weil sie die so hübsch und goldig fanden. Der Jäger, den sie angequatscht hatten, hat erstmal lange, laut und herzlich gelacht und ihnen dann sehr nachdrücklich erklärt, dass sie weder von ihm noch einem der Jäger im Umkreis jemals einen Hund bekommen werden. Die waren stockstinkesauer, haben es dann aber glücklicherweise nicht weiter verfolgt.

    Mein Großvater - schwierige Geschichte - war Diensthundeführer beim Militär, er hat mir sehr viel davon erzählt. Und er hat Hunde zeitlebens geliebt und respektiert. Aber er hat auch davon erzählt, dass er Hunde, die nicht sauber getickt haben, erschossen hat. Schnurz, ob die von einem vorhergehenden unfähigen Hundeführer (und da gabs wohl einige von) versaut worden sind. Mit Bedauern und Wut auf die verursachenden Menschen, aber ohne zu zögern oder die Notwendigkeit im Geringsten zu hinterfragen.

    Das war schon sehr anders damals. Und alles Andere als besser, so insgesamt betrachtet. Ich bin heilfroh, dass der Umgang mit Hund und Mensch hier heute weitgehend besser (wenn auch nicht gut) ist. Aber der höhere Stellenwert der Hunde bringt halt auch schwierige Nebenwirkungen.

    Wenn man mich fragt, was meine Hunde für mich sind, dann wäre die erste Reaktion wohl „meine Hunde“. Müsste ich es näher definieren, käme „Familie“ dem schon sehr nahe, aber Familie, wie ich es definiere (und diese Definition hat wenig mit Blutsverwandschaft zu tun). Mein Mann, meine Hunde und ich, wir teilen uns einen Wohn- und Lebensraum und wollen uns da alle zusammen gemeinsam wohlfühlen. Und das ist schon ein anständiger Job für alle Beteiligten, dass darf man nicht unterschätzen. Meine Hunde können das, aber es ist nicht das, wofür die Gattung Hund ursprünglich gemacht ist.

    Und deshalb ist es mir umso wichtiger, dass es klare Regeln für den Umgang miteinander gibt, aber auch jeder seine Eigenheiten, Rückzugsbereiche und Tabuzonen hat, die von allen anderen akzeptiert werden. Und da haben Hunde nunmal eigene Bedürfnisse. Die sich von denen des Menschen unterscheiden.

    Und es gibt Kompromisse, die von den Beteiligten eingegangen werden. Aber auch da sollte man immer bei im Auge behalten, was der Andere leisten kann - und was er nur temporär und was er dauerhaft leisten kann. Und dass sich Kompromisse für alle lohnen müssen. Und um das aufrecht zu erhalten, muss mir klar sein, dass Hunde etwas anderes als Menschen sind. Und dass es an uns Menschen liegt, eine Struktur zu schaffen, innerhalb der Hund Hund sein kann und darf.

    Innerhalb dieser Regeln herrscht bei uns indoor sehr viel Freiheit, die Hunde können sich meist aussuchen, wo sie sich aufhalten und was sie gerade tun (so lange es nicht mobben und stänkern einschließt). Und so lange sie sich auf Zuruf auf ihren Platz zurückziehen bzw. herkommen und auch mal was Blödes wie Augentropfen etc. dulden.

    Aber für die Struktur sind wir Menschen verantwortlich, ich mehr als mein Mann.

    Freunde kommen von Außerhalb. Dafür gelten ganz andere Regeln und da hab ich ganz andere Erwartungen. Denen muss ich auch nix strukturieren :smile:

    BieBoss

    Ich war auch nicht vorort, aber anhand des Rattenschwanzes, den das Ganze nach sich gezogen hat und der Latte an involvierten Personen, kann ich mir in etwa vorstellen, wie dramatisch und dringend die Dame die Situation geschildert haben muss. Und dass sich der Diensthundeführer dann mehr Gedanken drüber macht, wie er alle Menschen unbeschadet aus der Situation bringen kann als darüber, wie er den Hund möglichst unbeschadet da rausbringt, finde ich auch irgendwo verständlich.

    Es war halt scheinbar doch eher ein Tornado im Wasserglas (was der Diensthundeführer ja auch nicht unbedingt wissen konnte) gekoppelt mit ner vollen Breitseite eines Vereins gegen einen Anderen. Die scheinbar auch noch gut Spenden generiert hat. Geht mir ziemlich auf den Zeiger.

    Für mein Empfinden ein ganz klassischer Fall von gut gemeint, unter Druck und damit überstürzt gehandelt und mit verschiedenen und nicht geklärten bzw. offen auf den Tisch gelegten Vorstellungen auf beiden Seiten. Weils eben holterdipolter ging.

    Mein Weg wäre hier wohl - wenn mir der Kleine schon so ans Herz gewachsen wäre - nochmal das Gespräch mit Nichte/Tante zu suchen, ganz pragmatisch mit einer Summe xyz in der Hinterhand, die ich anbieten würde zum Abkaufen. Aber da ich weder beim Erstgespräch noch bei dem wohl schon etwas eskaliertem Nachgangsgespräch mit der Tante dabei war, kann ich auch nicht beurteilen, wie verfahren die Situation schon ist.

    Aber - auch ganz pragmatisch: Moralische Verurteilungen des Gegenübers, Selbstvergewisserung, dass man absolut im Recht ist, Detaildiskussionen darüber, wer was wann wie gesagt hat und „Was wäre wenn ... Szenarien“ helfen bei einer gütlichen Einigung in der Regel nicht weiter. Im Gegenteil, damit heizt man die Stimmung effektiv weiter an.

    Wenns für eine gütliche Einigung schon zu verfahren ist - oder Du, Rudelliebe , das einfach aus Deinem Gerechtigkeitsempfinden heraus nicht möchtest, dann schalte einen Anwalt ein. Mit (meiner Prognose nach) zweifelhaften Erfolgsaussichten, aber den Weg würde ich dann gehen.

    Ich weiß nicht. Natürlich ist es ungünstig, wenn kleine Kinder wahllos auf Hunde zulaufen und die antatschen (wobei ich bekennen muss, dass ich als 72er Jahrgang es als Kind zwar besser gesagt bekommen, aber nicht besser gemacht habe xD Ich hätt nur nach einem Biss nicht heulend zu Mama oder Opa/Oma rennen dürfen, das hätte noch eins hinten drauf gegeben).

    Nur hatte ich bis auf meine Lieblingsrottis nur sehr wenig Möglichkeiten, an einen Hund zu kommen, bei dem das bös ins Auge hätte gehen können. Die waren nämlich üblicherweise nicht immer überall dabei bzw. außer Reichweite von Kinderhänden.

    Aber das ist heute halt anders. Im dörflichen Bereich rücken Gewerbegrundstücke, Höfe und Wohnhäuser immer enger zusammen. Außerhalb ist es der Naturterrorismustourismus, der es zunehmend enger macht.

    Wie gesagt, ich weiß nicht, ob die Leuts heut unvernünftiger sind. Es werden einfach immer mehr - Leute wie Hunde. Und der Hang dazu, Hunde wegen ihrer Optik in nicht für sie passende Lebensumstände zu quetschen, war früher alleine schon mangels Verfügbarkeit nicht so ausgeprägt.