Das ist also im Prinzip analog des Vorbei-Geh-Trainings, also mit Hund soweit ausweichen, wie er es noch ertragen kann und ruhig wird/bleibt und Stück für Stück die Entfernung verringern?
Nein. Beim Ausweichtraining ist der Sinn, den Hund schrittweise an einen bestimmten Reiz zu gewöhnen, in dem man die Abstände möglichst so setzt, dass die heftige Angstreaktion (oder Aggressionsreaktion) nicht ausgelöst wird.
Beim Expositionstraining (das, was hier unter „Flooding“ benannt wurde) - beim Menschen gedacht, das lässt sich nicht nahtlos auf Hunde übertragen - geht es nicht darum, an einen spezifischen Reiz zu gewöhnen, sondern darum, dem Körper beizubringen, Angst (und die dazu gehörige Hormonlage) zu regulieren.
Grob erklärt, bin keine Psychologin: Ein Metabolismus bleibt (wenn er funktioniert) nicht in einem Dauer-Angsthoch. Die stressauslösenden Hormone regulieren sich herunter, auch wenn der Angstauslöser nicht weggeht und man nicht aktiv etwas gegen die Angst macht. So lange man die Panikreaktion nicht immer wieder neu befeuert. Bei Angststörungen gibt es aber das Riesenthema „Angst vor der Angst“ - wenn die Angst als unerträglich empfunden wird, die Angst da ist, dass dieser unerträgliche Zustand für immer bleibt, wenn man dem Reiz nicht schnellstmöglichst entflieht oder etwas gegen die Angstreaktion übernimmt (bestimmte Verhaltensmuster, die die Gefahr bergen, zu Stereotypien oder Zwängen zu werden).
Bei krankhaften Ängsten (und auch bei Zwängen) kann es helfen, das wieder ins Bewusstsein zu rufen bzw. den Körper wieder an die Fähigkeit der Selbstregulierung heranzuführen. Dazu muss der angstauslösende Reiz und die Angst in einem gewissen Rahmen ertragen werden, damit man erfahren kann, dass die Angst auch ohne Flucht oder Handlung wieder abebbt. Und dazu sucht man diesen Angstauslöser mit einem darauf vorbereiteten Patienten aus.
Das ist aber mWn nicht Flooding, so wie dieser Begriff früher verstanden wurde bzw. wird das nicht in der groben Weise praktiziert, wie es der Begriff suggeriert.