Da habe ich mich einfach nur unglücklich ausgedrückt, denke ich. Ich mag Dir nicht unterstellen, dass Du Krieg oder Rassismus für nicht mehr möglich hältst. Sondern war mein Gedanke, dass man das Dritte Reich bzw. das letzte Jahrhundert als quasi abgeschlossene Epoche betrachten kann. Bzw. mehr empfinden als betrachten kann, ich kann das gerade schlecht ausdrücken 
Wenn ich z. B. den Simplicissimus oder Tyll lese, dann ist das ganz klar Historie, weit entfernt. Der 30jährige Krieg war grausam, schrecklich und barbarisch und ja: Gewalt, Folter, Armut und Elend ... gibt es heute noch. Aber trotzdem sind diese Geschichten ein „Es war einmal ...“
Das ist der 2. Weltkrieg für mich definitiv nicht. Und noch nicht mal der 1. Beides wäre für mich tatsächlich noch Zeitgeschichte. Aber klar, irgendwann wird aus Zeitgeschichte Geschichte. Fließend. Es war für mich nur tatsächlich was Neues, deshalb habe ich so nachgebohrt.
Die Aufarbeitung des Geschehens in den Köpfen der Menschen hat in Deutschland in den 60ern erst richtig begonnen. Ich bin 72 geboren und war als Kind mit der Generation konfrontiert, die erst angefangen hat, sich gegen das Verdrängen und Schweigen zu wehren. Du hattest - nachvollziehbar - im Geschichtsunterricht das Thema bis zum Überdruss gehört.
In meinem ersten Geschichtsbuch wurden dem Kapitel gerade mal so 10 Seiten gewidmet. Dafür kriege ich heute noch das Würgen, wenn ich von Karl Martell oder Karl dem Großen höre... Dreimal durchgekaut ...
Eine engagierte Lehrerin hat deshalb einen Workshop dazu ins Leben gerufen, bei dem tatsächlich auch Näheres . Da war ich schon mit meinem jetztigen Mann zusammen, muss also schon in der 13 gewesen sein. Vorher fand das Dritte Reich im Schulgeschehen nur marginal statt.
Für die „Engagierten“ aus meiner Generation wars daher wichtig, da einfach Licht reinzubringen, in die modernden Ecken zu gucken und eben das Credo “Es darf nicht mehr verschwiegen werden und nie in Vergessenheit geraten, das ist meine unmittelbare Geschichte“.
Das kann natürlich sein, dass Deine Generation das dann wiederum ausbaden musste. Hmh. Das muss bei mir erstmal sacken.
Und es war kein Vorwurf an Dich
. Du hast much einfach mut etwas konfrontiert, was für much bisher undenkbar war.