Hi, mit 3 Wochen von der Mutter weg bedeutet sehr wahrscheinlich einen Deprivationsschaden. Man kann noch nicht genau sagen, wie ausgeprägt der ist. Doch schlussendlich handelt es sich um eine lebenslange Einschränkungen der Funktionen im Gehirn. Da kann mit Training viel erreicht werden, aber nicht alles. Und Training heißt in diesem Fall Gewöhnung an Neues über Wochen, Monate oder möglicherweise Jahre.
Bei einem Deprivationsschaden haben sich durch Sozialisationsmängel wichtige neuronale Verknüpfungen im Hirn nicht vollständig ausbilden können. In dem sensiblen Zeitraum zwischen der vierten und der zwölften Wochen (gibts unterschiedliches Stimmen, wie genau der Range ist), bilden sich nicht nur Erfahrungswerte aus, sondern genau die Verknüpfungen, die fürs Verarbeiten, Speichern und Generalisieren von Erfahrungen zuständig sind. Das heißt: Die Fähigkeit des Lernens grundsätzlich.
Wenn da etwas schwächer ausgeprägt ist, dann hat es Euer Hund lebenslang schwerer zu lernen als Andere. Heißt nicht, dass er es gar nicht kann. Aber es dauert und ist mühsamer.
Ganz viel Geduld. Neues nur in kleinen Dosen. Nichts für selbstverständlich nehmen. Ein guter Trainer mit Erfahrung. Ruhe, Gelassenheit und souveräne Freundlichkeit bei jedem Umgang mit dem Hund. Strukturierte Tagesabläufe, die nicht so reizintensiv gestaltet sind. Und viel Akzeptanz dafür, dass dieser Hund möglicherweise ganz anders ist, als Ihr erwartet. Und manche Dinge eben auch nicht erreichen kann. Das sind so die Grundlagen. Die „da führe ich ihn so schnell wie möglich durch-Mentalität“ ist bei einem Deprivationsschaden meistens gar nicht angeraten und erfordert zudem gerüttelt große Praxiskenntnisse, davon würde ich völlig die Finger lassen. Lieber mit viel Zeit agieren.
Sollte er heftige Stress-, Unruhe- oder Angstsymptome zeigen - das kann auch deutlich später noch kommen - kann mit dem Tierarzt über eine Medikation gesprochen werden.
Gebt Euch erstmal viel Zeit, lernt Euch kennen, lasst Euch aufeinander ein und guckt, was Ihr zusammen erreichen könnt. Das kann eine sehr schöne Reise werden, auch wenn sie vielleicht nicht ganz so verläuft, wie Ihr erst gedacht habt 