Auch von mir nochmal LPaxx : Danke für Deine sehr freundliche Antwort. Nur gehst Du mMn nur auf die Punkte ein, die Deine These bei anderer Betrachtung stützen. Und normal bin ich ein Freund von „agree to disagree“. Aber nicht in dem Ausgangsfall, wo eh schon so viel Leid im Raum steht.
Von meinen Hunden gibts erstmal sowieso keine Videos und eh keine Videos von Momenten, in denen sie „um die Ohren geflogen“ sind. Bei Ronja gibts das sowieso nicht mehr. Und wenn das bei Lilly nochmal so ist, dann bin ich mit Händen, Hirn und Herz beim Hund. Da hab ich schlicht weder Wunsch noch Nerv, was zu tun, was ich eh nicht tue und was uns auch nicht durch diese Situation bringt. Da wirst Du mir schon glauben müssen.
Um nochmal auf das „Wohltuende“ des Spazierens, Patrouillierens oder wie auch immer zurück zu kommen: Das für den Hund Wertvolle daran ist, dass er sich - im besten Fall - gleichzeitig entspannt und anregt. Also interessante Reize erlebt, mit denen er sich seiner Veranlagung gemäß auseinandersetzt und dabei Zeit und Verfassung hat, sich positiv damit auseinanderzusetzen. Adrenalin wird mäßig aufgebaut, steigert die Aufmerksamkeit und Lernfähigkeit, kann wieder abgebaut werden und es kommt zur Ausschüttung von Dopamin, wenn der Hund kleinere Herausforderungen bewältigt. Die Bewegung fördert die Durchblutung und den Abbau von Adrenalin und Cortisol. Soweit - ganz grob gesagt - zu einem Körper, der mit sich selbst im Reinen ist.
Ist der Hund aber in einer Verfassung (und dafür kanns mehrere Ursachen geben), dass ihn seine Umgebung oder seine Situation gerade insgesamt völlig überreizt und stresst, dann treten diese positiven Wirkungen nicht ein. Der Körper steht schon unter Cortisol, den abbauförderlichem Effekt der Bewegung steht das Dauerfeuer durch die Sinnesreizungen entgegen. Die Melatoninproduktion wird gehemmt, Hund kommt zu weniger Schlaf. Das Adrenalin fordert „Mach was, tu was, beweg Dich“, aber der erleichternde und dopaminausschüttende Abbau stellt sich nicht dauerhaft ein, weil im Machen und Tun neues Adrenalin ausgeschüttet wird. Dem Körper wird Kraft und Energie entzogen, die kognitiven Fähigkeiten machen dicht, er kann nichts mehr lernen. Und in diesem Fall kann man dem Wesen tatsächlich mit einem vermeintlich harmlosem Spaziergang schaden.
Bei der Rassefrage kommt noch die Frage hinzu, wie der Körper Adrenalin ausschüttet und adäquat verarbeiten kann. Und dann bist Du beim Thema der reizoffenen und reaktiven Hunde. Die gezielt darauf selektiert sind, die körperliche Leistungsfähigkeit mittels Adrenalin von 0 auf 120 hochzufahren und die Energie in die folgende Aktion zu entladen. Die genau dafür gemacht sind. Und diesem Bedürfnis wirst Du mit ner Schnüffelrunde nicht gerecht, das funktioniert nicht. Im Gegenteil: Der Reiz war da, der Körper erwartet Aktion und Klimax - und stattdessen kommt quasi „jetzt entspann Dich mal.“ Im schlimmsten Fall ist der Hund dann draußen unentwegt und beständig auf der Suche nach der Möglichkeit, den Kick und die Gelegenheit zur Aktion zu kriegen. Spätestens dann ist es sehr schnell ungemütlich auch für die Umgebung.
Und eine Kombi aus 2 und 3 ist dann eben speziell. Da ist dann wirklich sorgfältige Steuerung und Anleitung durch den Halter gefragt. Wenn aber ganz klar ist, dass der Halter das (noch) nicht leisten kann, dann ist der sinnvollste Rat, dennHund auf keinen Fall weiter hochzufahren.
Und auch nochmal angemerkt: Bisher ist hier joch nicht mal die Rede von wirklich kranken oder verhaltensgestörten Hunden.