Den Bereich des spielerischen Schnappens trenne ich hier mal völlig ab. Wiewohl auch das mMn sorgfältig beobachtet gehört.
„Schnappen“ sehe ich in der Reaktion auf einen Schreck- oder Schmerzreiz und in Form von Luftschnappen als noch (leidlich) höfliche Verwarnung. Mit unterschiedlicher Gründen für die Verwarnung. Graduell stärker, wenns um „drohendes Verwarnen“ geht (wie es meine jüngere Hündin z. B. bei aufdringlichen Rüden an den Tag legt - wenn nicht nur einmal geschnappt , sondern in schneller Folge nachgesetzt wird. Ähnlich für Murmelchen ist Beißen da für mich erreicht, wo es Körperberührung gibt. Und Schnappen ist für mich nicht essenziell anders als Beißen, sondern graduell.
Wenn bei den Hunden hier untereinander abgeschnappt wird - zweimal passiert - dann, weil ich gepennt und nicht schon bei den ersten Warnzeichen eingegriffen habe. Da bin ich recht strikt.
Tabu ist hier in der Kennenlernphase nichts, ich will meine Hunde ja kennenlernen. Heißt allerdings nicht, dass ich da einen veritablen Anschiss ausschließen würde, je nach Hintergrund und Motivation.
Insbesondere bei unserer Angsthündin habe ich mich sogar gefreut, als sie damit ihr extrem eingeschränktes Repertoire erweitert hat. Unabhängig davon habe ich ihr natürlich trotzdem vermittelt, dass diese Taktik bei uns nicht zum Erfolg führt (allerdings nicht mit Anschiss, sondern damit, dass ich es völlig habe abtropfen lassen). Unsere Althündin, die wir seit der Welpenzeit haben, gabs nie ein Schnappen in unsere Richtung. Bei Gassihunden habe ich es als Warnung betrachtet und mich entsprechend vorsichtig verhalten.
Beim Training würde ich betrachten, wie der Hund meines Kenntnisstands nach aufgewachsen ist, welche Kommunikationsmöglichkeiten oder Möglichkeiten zur Konfliktlösung mit dem Menschen man überhaupt voraussetzen kann, was die (vermutete) Motivlage (oder Mischmotivlage) war, ob der Hund fokussiert oder im Hormontunnel zugebissen hat.
Nebenher ist Beißen für mich auch ein ganz natürlicher Bestandteil hündischer Kommunikation.
Bei dem Ausgangsthread für die Frage sehe ich übrigens keinen „Angstbeißer“ und keinen Hund mit überstarker Menschenfixierung und Vereinsamungsängsten wegen des Verlusts von menschlicher Zuwendung. Gegen Zweiteres spricht für mich die Herkunft und statistisch wahrscheinliche Entwicklungsgeschichte des Hunds, gegen Ersteres das Verhalten gegenüber Besuchern, das im Eingangsbeitrag geschildert wurde.