Beiträge von Phonhaus

    „Korrektur“ wäre für mich kein Wort, mit dem ich hündisches Verhalten erklären würde. Auch nicht „Beschädigungsabsicht“. Die gehören für mich eher in den menschlichen Kontext. Mag aber Wortklauberei sein, ich habe da eine Verarbeitungsbesonderheit.

    Das Nachsetzen wäre für mich eine Eskalationsstufe mit mehr Nachdruck. Wobei das Abschnappen ja auch schon eine Eskalation ist. Mit dem Wunsch, dass das Gegenüber das lässt, was es da tut, aber nich ohne den Wunsch, in den ernsthaften und möglicherweise verletzungsgefährlichen Konflikt zu gehen.

    Beißen als Mittel zum Zweck - da ist für mich der Zweck nicht, dass der Gegner hinterher „beschädigt“ ist, sondern das lässt, was auch immer er vorhatte oder getan hat. Ggf. noch mit dem Nachdruck dahinter, dass er auf so eine krause Idee bitte auch nie mehr kommen soll. Bei der „kommunikativen“ Beißerei.

    Wenn die nicht mehr kommunikativ ist - also entweder im Tunnel oder mit „bewusstem“ Wunsch auf eine finale Lösung - dann würde ich allenfalls von Tötungsabsicht sprechen.

    Den Bereich des spielerischen Schnappens trenne ich hier mal völlig ab. Wiewohl auch das mMn sorgfältig beobachtet gehört.

    „Schnappen“ sehe ich in der Reaktion auf einen Schreck- oder Schmerzreiz und in Form von Luftschnappen als noch (leidlich) höfliche Verwarnung. Mit unterschiedlicher Gründen für die Verwarnung. Graduell stärker, wenns um „drohendes Verwarnen“ geht (wie es meine jüngere Hündin z. B. bei aufdringlichen Rüden an den Tag legt - wenn nicht nur einmal geschnappt , sondern in schneller Folge nachgesetzt wird. Ähnlich für Murmelchen ist Beißen da für mich erreicht, wo es Körperberührung gibt. Und Schnappen ist für mich nicht essenziell anders als Beißen, sondern graduell.

    Wenn bei den Hunden hier untereinander abgeschnappt wird - zweimal passiert - dann, weil ich gepennt und nicht schon bei den ersten Warnzeichen eingegriffen habe. Da bin ich recht strikt.

    Tabu ist hier in der Kennenlernphase nichts, ich will meine Hunde ja kennenlernen. Heißt allerdings nicht, dass ich da einen veritablen Anschiss ausschließen würde, je nach Hintergrund und Motivation.

    Insbesondere bei unserer Angsthündin habe ich mich sogar gefreut, als sie damit ihr extrem eingeschränktes Repertoire erweitert hat. Unabhängig davon habe ich ihr natürlich trotzdem vermittelt, dass diese Taktik bei uns nicht zum Erfolg führt (allerdings nicht mit Anschiss, sondern damit, dass ich es völlig habe abtropfen lassen). Unsere Althündin, die wir seit der Welpenzeit haben, gabs nie ein Schnappen in unsere Richtung. Bei Gassihunden habe ich es als Warnung betrachtet und mich entsprechend vorsichtig verhalten.

    Beim Training würde ich betrachten, wie der Hund meines Kenntnisstands nach aufgewachsen ist, welche Kommunikationsmöglichkeiten oder Möglichkeiten zur Konfliktlösung mit dem Menschen man überhaupt voraussetzen kann, was die (vermutete) Motivlage (oder Mischmotivlage) war, ob der Hund fokussiert oder im Hormontunnel zugebissen hat.

    Nebenher ist Beißen für mich auch ein ganz natürlicher Bestandteil hündischer Kommunikation.

    Bei dem Ausgangsthread für die Frage sehe ich übrigens keinen „Angstbeißer“ und keinen Hund mit überstarker Menschenfixierung und Vereinsamungsängsten wegen des Verlusts von menschlicher Zuwendung. Gegen Zweiteres spricht für mich die Herkunft und statistisch wahrscheinliche Entwicklungsgeschichte des Hunds, gegen Ersteres das Verhalten gegenüber Besuchern, das im Eingangsbeitrag geschildert wurde.

    Im Frühsommer gabs Berichte verschiedener Versicherungen, dass die Anzahl nachgefragter Hundehalter-Versicherungen in die Höhe geschossen ist und damit zu rechnen ist, dass dieser Markt boomt. Im späteren Jahresverlauf kamen dazu aber keine Berichte mehr. Da bin ich auch auf die Abschlusszahlen gespannt.

    Tagliata mit Aceto Balsamico und Pasta für Mann (dazu gabs Möhren-Sellerie-Salat).

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    Und Veggieburger für mich.

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    Mein Mann kann nicht kochen, aber Küche putzen. Ich bins zufrieden :smile:

    Im Endeffekt genau das - also die Knall als „zum Alltag gehörend“ behandeln solltest und jetzt nicht damit anfangen, bei einem Knall ein Leckerchen rauszukramen. Denn damit weckst Du Aufmerksamkeit, ohne das vom Zeitpunkt her eine realistische Chance da wäre, das Knallen mit Schönfüttern positiv zu verknüpfen (was rein vom Gefühl her eh nicht mein Ansatz für das Thema wäre, aber das ist ein anderes Thema :smile:).

    Mit den „Calming Signals“ kann ich leider nicht dienen. Aber Literatur ist hier schon empfohlen worden.

    Und ansonsten zur Frage des „virtuellen Lernens“: Zum Einen sollte dafür schon eine Grundlage da sein und zum Anderen: Dieser Hund beißt. Er hat das schon viermal mit Erfolg getan. Bei einem Besitzer ohne Hundeerfahrung, der die Warnsignale nicht sehen kann.

    Und bis sich das ein Profi angesehen, eingeschätzt und entsprechende Maßnahmen empfohlen hat, halte ich Relativierung oder Einordnung in den Bereich des niedlichen Wortes „Schnappen“ für brandgefährlich, weil das zu Fehlbeurteilungen und falscher Sicherheit führen kann. Bis da ein Trainer draufgeguckt hat, sollten mit dem Hund keine Experimente mehr gemacht werden.

    Ob es sowas wie reines „Abwehrschnappen“ überhaupt gibt und wie die verschiedenen Formen aussehen (könnten) und wie man sie erkennt, wäre sicher ein interessantes Thema für einen eigenen Thread.

    Jetzt ist es für Maßnahmen wie Schönfüttern eh zu spät...

    Ich würde jetzt eher darauf gehen, die Bude zu verrammeln, was Ablenkendes im Fernsehen laufen zu haben, Gassi in Knallzeiten zu vermeiden und für den Fall der Fälle etwas Eierlikör im Haus zu haben. Und bis dahin tatsächlich eher fröhlich, souverän mit etwaigen Böllern umgehen.

    Ganz ehrlich: Ich frage mich nun auch wirklich auch sehr, wohin dieser Thread noch führen soll.

    Obs nun durch Corona wirklich eine Schwemme kritischer „Importhunde“ aus dem Osten gibt, die es ansonsten nicht gäbe, ist doch nirgends belegt. Ob mehr Menschen an diesen Hunden scheitern als zu den Zeiten vor Corona auch nicht. Und ob sich das alles rächt, wenn - wann auch immer - „Normalität“ wieder einkehrt (wobei es mir sehr widerstrebt, unsere Gesellschaft als normal zu bezeichnen - mein Kopfkino), weiß man auch nicht. Ob diese Normalität wieder 9 to 5 Büro bedeutet auch nicht.

    Also reden wir hier eigentlich nur über Kopfgeburten. Und ja, da fände ich es auch schön, wenn man das zumindest einigermaßen respektvoll tun könnte.

    FrekisSchwester

    Ich bin auch - wirklich - ein Fan verhaltensbiologischer Ansätze. Aber auch die helfen nun nicht unbedingt, die Motivlage eines Hunds zu verstehen, den man nicht vor sich hat.

    Was hier eingangs beschrieben wurde - ich zitiere mal - würde ich (aus meinen Erfahrungen heraus) völlig anders interpretieren als Du. Wenn ich es interpretieren müsste. Aber das soll sich wirklich ein Trainer vorort anschauen und eine Einschätzung abgeben.

    Zitat

    Er kam vor 2 Monaten direkt aus Ungarn zu uns und macht uns seitdem große Probleme.

    An und für sich ist Jerry ein netter Hund. Er ist freundlich zu anderen Hunden und auch zu mir und meinem Freund. Das Problem ist Besuch! Wenn wir Besuch bekommen verwandelt sich Jerry in ein Monster. Er ist völlig unberechenbar. Er läuft zum Besuch hin, wedelt mit dem Schwanz, freut sich total und wenn der Besuch ihn streicheln und begrüßen will beißt er zu! Er macht das aber nicht immer, manchmal lässt er sich ganz normal begrüßen, wedelt freudig und lässt sich streicheln. Aber er hat bereits 4 mal gebissen und das macht uns Sorgen.