Zu der Grundsatzdiskussion hier: Ich finde, es geht gerne unglaublich was Durcheinander, wenn über Reinheit der Motive und den Fortschritt des menschlichen Bewusstseins räsoniert wird. Das Jagen ist auch in der menschlichen Natur verankert und setzt Hormone frei.
Eine Gegenbewegung entsteht da, wo Mitleidensfähigkeit (nicht zu verwechseln mit Empathie) und eigener Moralkodex ein starkes Tabu dem gegenüber auferlegen. Das macht die Motivation nicht „hehrer“ und die Gesellschaft (jedenfalls unsere) nicht ethisch fortschrittlicher. Bei uns hats nur dazu geführt, dass das Töten anonymisiert wird. Entweder durch Entfernung aus dem Blickwinkel (es erledigen dann halt ein paar wenige für einen), aktive Verdrängung oder darum, dass man sich das Getötete schon im Vorfeld nicht als Lebewesen vergegenwärtigt.
Jagd gehört zu unserer Gesellschaftsordnung und hat dort ihren Zweck. Wie die Hundehaltung übrigens auch, die mittelbar den Tod all dessen bedeutet, was in Napf und Kong wandert. Oder dessen, was sich gerne in Haut, Fell und den Polstern niederlassen würde und nicht darf ... Auch das ist letztlich eine schwierige Frage. Es ist halt nicht so im Blick. Moral ist zwangsläufig da relativ, wo es keinen allgemeingültigen ethischen Konsens gibt, zu dessen Einhaltung sich alle verpflichtet fühlen.
Und „keine Tiere töten“ ist kein allgemeingültiger ethischer Konsens. Der wäre allenfalls „kein unnötiges Leid zufügen.“ Und das wiederum ist relativ, weil „nötig“ und „unnötig“ auch wieder Definitionssache ist.
Um zur Ausgangsfrage zurück zu kehren: Meine Fragen wären: „Hatte die Jägerin die Verpflichtung, die Katze nicht zu töten (weil es andere realistische Möglichkeiten gegeben hätte, das Tier am Leben zu erhalten und dabei gleichzeitig den Job des Schutzes ihres Reviers nicht zu vernachlässigen)“ und „hat sie es so gut getan, wie man es bei anerkannten Anforderungen an einen Jäger erwarten darf.“
Letzteres kann ich nicht beurteilen. Ersteres scheint zumindest schwierig zu sein, weil, wie Sventje es beschrieben hat, sich wohl weder Tierhalter noch Kommunen so wirklich zuständig für entsprechende Alternativen fühlen. Damit bleibt es eine Einzelentscheidung des Ausführenden.
Die Hauptkritik, die ich jetzt woanders aus jagdlichen Kreisen gelesen habe, ist die, dass sie das Filmen zugelassen hat.