Ich finde es halt immer ein bisschen schwierig, was für verschiedene Anforderungen an den Tierschutz - eine Arbeit, die in weiten Teilen ehrenamtlich und privat finanziert geleistet wird - gestellt werden. Das Thema Vernetzung ist ein gutes Beispiel dafür:
Bitte nicht, um sich über unliebsame Interessenten auszutauschen.
Aber bitte ja, um sich im Vorfeld über die unliebsame Interessenten auszutauschen, die im Nachgang vielleicht tote Hunde in Plastiksäcken auf ihrem Grundstück verscharren oder in übereinander gestapelten Boxen in Kellern oder total versifften Wohnungen halten. Und das selbstverständlich auszuschließen. Oder die unkastrierte Tiere als Gebärmaschinen nutzen.
Und bitte auch vernetzen, um bei Notfall-Privatabgaben möglichst schnell einen Platz für das abzugebende Tier bereit zu stellen, wenn man es selbst nicht unterbringen kann.
Am Besten auch noch, um private Sachspenden intern weiterzuleiten, wenn man sie selbst nicht verwenden oder lagern kann - um den beleidigten (gerne sehr öffentlichen) Reaktionen zu entgehen, wenn man etwas ablehnt.
Und natürlich, um kostensparend Aufgaben wie Vor- und Nachkontrollen und auszulagern, damit nicht Stunden Fahrtzeit von der eh schon knapp bemessenen Zeit für die Tierpflege abgeben.
Ach ja: Vor- und Nachkontrolle möglichst gar nicht (diese Kontrollen sind übrigens teils sogar vom Amt vorgeschrieben), aber bitte Tiere immer nur ins für sie passende Umfeld vermitteln. Das wiederum aber möglichst fehlerfrei am Besten gleich im ersten Gespräch ermittelt wird. Und ja nicht auf die Weise „wir verkaufen den Hund obs nun passt oder nicht - und dem neuen Besitzer gehört er dann mit allen Vor- und Nachteilen.“
Der Vermittlungsvertrag, den ein Verein hat, ist standardisiert auf alles ausgelegt, üblicherweise sind die Bestandteile darin Mustern entnommen. Wenige Vereine haben ihren eigenen Vertragsrechtler. Und der wird natürlich nicht individuell abgeändert, unter Umständen darf der Tierheimleiter das nicht mal, weil die Verantwortung beim geschäftsführenden Vorstand liegt.
Und die DSGVO hat es da nun nicht einfacher gemacht, weil demnach über jeden potenziell denkbaren Datenaustausch informiert werden muss. Klar fasst man das im Eigeninteresse dann so weit wie möglich, um spätere Beanstandungen (die einen Verein die Existenz kosten könnten) auszuschließen. Und ebenso klar kennt nicht jeder Pfleger und Tiervermittler alle dabei mitgedachten Hintergründe.
Das hat alles nichts mit Misstrauen gegenüber einer bestimmten Person zu tun, sondern mit dem Wunsch, im Notfall eben handlungsfähig zu sein. Und ist natürlich nicht immer gutgemacht. Oder veraltet. Weil für sowas halt auch nicht viel Geld ausgegeben wird.
Es ist Jedermanns gutes Recht, sich darauf nicht einlassen zu wollen. Niemand muss ein Tier aus dem Tierschutz übernehmen, es steht jedem völlig frei zu sagen: Das will ich nicht unterzeichnen, ich gehe zum Züchter. Ist auch völlig verständlich.
Aber die immer weiter gehende Spekulationen über finstere Motive, Machenschaften, Menschenfeindlichkeiten: Abgesehen davon, dass ich die mittlerweile recht ermüdend finde, decken die sich nun so gar nicht meiner mittlerweile 39jährigen Erfahrung mit Tierschutztieren und -vereinen. Obwohl es da - ganz klar - definitiv Auswüchse gibt und gab, die ich keinesfalls unterstützen oder schönreden möchte. Früher mehr als heute, meiner Meinung nach. Aber von Denen sind „ganz normale“ Tierhalter oder Interessenten. Und die haben wenig mit Vertragsklauseln zu tun.