Ich muss vorweg schieben, dass ich bei allen Theorien, die neuer sind als 13 Jahre, total out of order bin. Ich hab mir bei unseren früheren Familienhunde und die ersten zwei Jahre nach Ronjas Einzug alles draufgeschafft, was es an Theorie so gab. Und dann hat Ronja mur beigebracht, dass ich bei Weitem mehr lerne, wenn ich ihr zuschaue und zuhöre.
Ernährung gibts hier bunt gemischt. Zur Theorie des Fleischfressers ist ja schon eine ganze Menge gesagt, spare ich mir.
Mit der Schnauze gibts hier Maulrangeln. Da taut sogar die Angsthundine gelegentlich auf. Abbruch: Bei Ronja ein Anschnauzer. Wenns dicke kommt dränge ich sie auch mal körperlich von etwas weg (ohne zu rempeln) bzw. renne auf sie zu. Bei Lilly reicht ein Pfiff und „Nein“, die hat bei Weitem mehr den Wunsch zu gefallen und ist mir gegenüber sehr harmoniebedürftig.
Nackengriff hab ich früher mal gelernt, aber den gibts hier nicht. Brauche ich auch nicht. Ebenso ist es mit dem Schnauzgriff. Die Frage nach der Natur stellt sich mir in dem Zusammenhang nicht. Hunde haben ihren Siegeszug beim Menschen angetreten, weil sie mit uns kommunizieren und und oft sogar besser verstehen als wir uns selbst. Klar lernen Welpen das erst. Aber auch da zieht Authentizität meiner Meinung nach besser als der Versuch, hündisch zu kommunizieren.
Weshalb ich bei solchen Methoden gerade beim Welpen kritisch bin: Bevor es zu einer körperlichen Maßregelung kommt, gibts schon eine Reihe blitzschneller - für den Hund verstehbarer - Warnsignale. Der aufdringliche Welpe/Junghund kann also nachvollziehen, das und wofür er verwarnt wurde und was er jetzt besser stattdessen macht. Menschen haben i. d. R. nicht die Fähigkeit, nonverbal so genau und präzise zu verwarnen und meistens auch noch mieses Timing bei der Verwarnung. Die Gefahr ist also riesig, dass der Welpe das überhaupt nicht einordnen kann.
Bei den Damen hier gibts drinnen keine körperliche Auseinandersetzung. Aber schon das ein oder Andere mal der Ansatz zum Blicke- oder Gestikmodell. Da kann man den angedeuteten Schnauzgriff und die Kopfauflage beobachten, ohne dass sich die Hunde im Mindesten berühren oder auch nur nebeneinander stehen. Diese Feinsteuerung kriegt man als Mensch nicht, wenn man versucht, sich aus fremdem Repertoire zu bedienen.
Aber ein Braue hochziehen und leises „ich sehe das“ von mir reicht aus, daran zu erinnern, dass da noch jemand mitredet.