Ich möchte deinen Beitrag am liebsten 20x liken. ![]()
Hier ist ja vor 3 Monaten ein adulter Zweithund eingezogen - weil wir das für UNS so wollten - und irgendwann wird es auch noch einen Welpen dazugeben, wenn alles klappt.
Das war hier nicht eitel Sonnenschein, das war und ist Management. Mal mehr, mal weniger. Gerade die ersten Wochen musste ich wirklich alles regeln, weil ich eben nicht will, dass die Hunde zu Hause irgendwas selber klären. Und auch jetzt nach 3 Monaten habe ich das Gefühl, wir sind hier nicht "fertig" mit Vergesellschaftung. Mehrhundehaltung ist für mich ein dynamischer, fortlaufender Prozess und kann sich im Laufe der Zeit ständig verändern.
Wir haben Kira mehrfach besucht, bevor wir sie abgeholt haben, dabei 2x mit Fine. Die konnten sich beim Gassi in Ruhe kennenlernen und durften auch in den eingezäunten Freilauf. Mir war wichtig, dass sie sich grundsätzlich neutral bis freundlich gegenüberstehen. Wenn es da schon deutliche Spannungen gegeben hätte, hätte ich es wahrscheinlich gelassen. War aber alles fein, also haben wir Kira mitgenommen. In dem Bewusstsein, dass das zu Hause auch wieder ganz anders aussehen kann.
Ich hab die erste Zeit mit festen Ruhezonen gearbeitet, jede hatte ihre Schlafplätze und da hab ich erstmal entschieden, wer wo liegen darf. Es hat auch an Tag 2 oder 3 einmal geknallt, weil ich ne Situation unterschätzt habe. Da musste ich binnen Sekunden dazwischen, die Fronten klären und seitdem ist Ruhe gewesen.
Anfangs hab ich die auch nie unbeaufsichtigt zusammen gelassen. Futter oder Kauartikel gibts mit räumlichem Abstand und wer seine Zone verlassen will, wird ermahnt. Auch das rumstolzieren mit Kaukram, was Kira gerne macht, unterbinde ich - genau wie Rempler beim Gassi durch Fine. Provokation ist hier nicht.
Die zwei sind immer noch nett miteinander, aber hier wird weder gespielt noch gekuschelt. Fine will draußen mir Kira spielen, die hat da keinen Bock drauf. Kira will drinnen mit Fine kuscheln, die mag das nicht. Ich glaub "beste Freundinnen" werden die zwei nie. Ist ein Stück weit schade, aber ist halt so und auch nicht tragisch, weil die Hunde ja für uns angeschafft wurden und nicht füreinander. Ab und zu wird sich beschnuppert und kurz geputzt, mal zusammen auf der Couch gelegen. Für mich passt das so.
Und ich denke die geben sich schon was gegenseitig. Kira profitiert als ängstlicher Hund mit Deprivationsschaden von der souveränen "mir scheint die Sonne aus dem Arsch"-Fine und umgekehrt lernt Fine, dass man andere Hunde zu ignorieren, auch wenn man sich kennt.
Mir ist aber bewusst, dass das jederzeit kippen kann. Durch die nächste Läufigkeit, durch Alterungsprozesse, durch ne blöde Situation. Und ich bin immer aufmerksam mit den zweien. Es ist ein Stück weit anstrengend, aber irgendwie auch wieder nicht.
Als ich noch ganz frisch in der Hundehaltung war, hab ich mir einen zweiten Hund auch viel romantischer vorgestellt. Aber ich finde, wenn man sich mit dem Thema intensiv beschäftigt, bevor man einen Hund dazu holt, wenn man mit vielen Leuten redet, die mehrere Hunde haben und sich auch die Geschichten anschaut, wo es schief lief, dann kann man die rosarote Brille sehr schnell ablegen.
Der/die nächste/n Hund/e werden auch definitiv nicht für die beiden Mädels hier als Spielkumpel einziehen, sondern weil ich es als schön für mich empfinde, mehrere Hunde zu halten. Und tatsächlich auch, weil ich das Gefühl hab, die Hunde profitieren irgendwo von einer Haltung in der Gruppe, weil sie ganz anders ihr Sozialverhalten nutzen können. Und ich finde es durchaus spannend, diese Entwicklung vom Einzelhund zum "Gruppenhund" zu beobachten und bin sehr gespannt auf den ersten Welpen in so einer Konstellation, der es ja dann gar nicht anders kennt.