Tag 19 - ein paar Kilometer müssen trotzdem gemacht werden
Um 6.00 Uhr in der früh regnet es noch immer, also schlafe ich weiter bis um 7.00 Uhr, stehe auf, räume alles zusammen und wirklich, es ist nicht schön! Zelt natürlich komplett nass, riecht unangenehm, Evazotematten mehrheitlich nass und riechen ebenso ungut, Kenais Decke nass, Geruch erwähne ich lieber nicht, da er die Nacht auf dem grossen Mikrofasertuch gepennt hat ist auch dieses dreckig, meine Kleidung ebenso nass und müffelnd.
Gut, dass ich noch im Schlafsack liegend eine Unterkunft gebucht habe. Kommt mir sehr entgegen, dass die nächste Möglichkeit ca. 50 Kilometer entfernt in Dole ist, so bin ich gezwungen, trotz grauenhaftem letzten Tag auch heute wieder einige Kilometer hinter mich zu bringen und mir so das Bett zu verdienen.
Das nasse Zelt schiebe ich unter das Regenverdeck des Anhängers, ziehe den Regenschutz über meine Packtaschen und die Regenjacke verstaue ich in Griffweite in der Lenkertasche.
Witzig hier auf dem Weg übrigens, dass jeder Kilometer auf dem Boden angeschrieben ist, heute starten wir bei Kilometer 109 (gestern war der Start bei Kilometer 18, mit dem herumgeeiere zum Hotel und wieder zurück dürften das die 100km gewesen sein) und wie immer sind die ersten ein bis zwei Stunden die Hölle. Gefühlt komme ich nicht voran, bin nicht wirklich wach und meine Oberschenkel protestieren gegen die immer gleich bleiben Bewegungen mit Übersäuerung. Da es natürlich auch kein Frühstück gab und ich keine Zeit für eine Pause vergeuden möchte schiebe ich mir während dem radeln Schokolade und Trockenfrüchte rein, danach geht es ein wenig besser.
Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich, seitdem ich in Frankreich bin kaum noch andere Fernradler antreffe? Wie letztes Jahr nach Wien.
Es ist zum Mäuse melken, wann immer ich die Regenjacke ausziehe nieselt es wieder so stark, dass ich sie wieder anziehe und dann, sobald ich sie anhabe, wird es wieder weniger oder ich muss ein paar wenige Meter nach oben pumpen und schwitze wieder! Egal, auf mich wartet ein Bett und eine Dusche.
Gegen 14 Uhr kommen wir in der Unterkunft an.
Mein Bedürfnis :
× schlafen
Meine To do Liste :
× alles ausräumen und aufhängen was nass ist und trocknen muss
× alles zusammen sammeln was gewaschen werden muss und abgeben
× duschen, Haare waschen
× einkaufen (Hundefutter und Menschenkekse sind leer)
× Schlafsack auspacken und lüften
× Therm-A-Rest Matte säubern und auslüften
× Tagesberichte nachschreiben
Ich bin mittlerweile ein Profi darin Hotelzimmer umzubauen um alles aufzuhängen, Innenarchitekten wären begeistert, die Hotelbesitzer würden mich vermutlich sofort wieder vor die Türe setzen. Auch geh ich nicht alleine unter die Dusche sondern nehme eine der zwei Evazotematten mit, denn auch diese müssen unbedingt mal wieder so richtig gewaschen werden.
Heute übrigens zum ersten Mal mit der Garmin fenix 5X die Strecke getrackt, super spannend weil natürlich der Weg genau gezeigt wird (bis jetzt habe ich es immer über My Maps gemacht, da kann man aber nicht wirklich die Strecke anpassen wenn sie zwischen dem Start- und dem Endpunkt falsch gezogen wird), ausserdem Geschwindigkeit, Kalorienverbrauch, Herzfrequenz etc. Werde das die nächsten Tage weiterhin damit machen und dabei beobachten, wie lange dann der Akku der Uhr hält.