Ab wann sagt man "ein Hund jagt"?

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  • Hallo,

    komme soeben von unserer nachmittäglichen Gassirunde und bin total am Boden zerstört :sad2:

    Mein Hund läuft seit einiger Zeit in übersichtlichen Gebieten ohne Leine. Rückruf klappt zu 85% nebenbei bauen wir noch ein Supersignal mit Pfeife auf klappt bereits mit geringer Ablenkung ganz gut. Ohne Ablenkung zu 100%.

    Um von den einen Feldern zu den nächsten zu kommen müssen wir über einen kleinen Waldweg. (ca.30 m). Rocco war ein Stück zurückgeblieben und hat an nem Baum geschnuppert. Ich rief ihn mit "weiter" auf meine Höhe. Er kam auch direkt und plötzlich schoss vor uns aus dem Gebüsch ein Reh. Ich war total perplex und bis ich nach dem Geschirr greifen konnte rannte er schon hinterher. Rufen zwecklos, ein Pfiff mit der Pfeife ( SUpersignal - im - Aufbau) und er blieb stehen, schaute sich kurz um und rannte direkt weiter. Noch ein Pfiff, er bleibt stehn schaut sich wieder um und kam dann auf Umwegen zurück zu mir. Mit hängenden Ohren und eingekniffener Rute. Dazu ist noch zu sagen, dass er sich die ganze Zeit in meiner Sichtweite befunden hat. Er war höchsten 25 m entfernt von mir.

    Ich hätte heulen können. Das hat er noch niemals gemacht. Ich stand erst mal bestimmt 10 Minuten im Wald, den Hund keines Blickes würdigend und hab versucht zu verstehn, was da grad passiert ist.
    Wollte eigentlich auch noch länger spazieren gehn, hab den Spaziergang dann aber aus Frust abgebrochen. Das wäre in der Stimmung wohl nicht gut gegangen.

    Hab ich also ab sofort ein "Jagdproblem" und muss mit Schleppleine arbeiten?

    War das ein Ausrutscher und er ist nur hinterher, weil das Reh wirklich direkt vor uns aus dem Gebüsch gesprungen ist? In einer Art Refelx....

    Er macht ansonsten zwar ab und an mal nen Ausflug in die "Pampa" aber kommt sofort auf Ruf zurück, verfolgt keine Spuren und macht auch sonst keine Anzeichen zum Jagen.

    Er ist mittlweile 10 Monate alt.


    :hilfe:

  • Ich habe jetzt eine ganze Weile überlegt, komme aber zu keinem anderen Ergebnis als zu dem welches ich auch schon spontan hatte.

    Ich wäre danach weder frustriert gewesen noch geschockt.
    Und wenn mir die Tränen gekommen wären dann vor Stolz auf meinen Hund.

    Ich sag Dir warum.

    Zitat

    Ich rief ihn mit "weiter" auf meine Höhe. Er kam auch direkt und plötzlich schoss vor uns aus dem Gebüsch ein Reh.

    Also völlig überraschend in nächster Nähe.


    Zitat

    Ich war total perplex und bis ich nach dem Geschirr greifen konnte rannte er schon hinterher.

    Reflex.

    Zitat

    Rufen zwecklos, ein Pfiff mit der Pfeife ( SUpersignal - im - Aufbau) und er blieb stehen, schaute sich kurz um und rannte direkt weiter.

    Er hat mitten im Rennen innegehalten und sich sogar kurz zu Dir umgedreht.
    War also aufnahmefähig und hat das Signal sogar als wichtig genug eingestuft darauf zu reagieren.
    Super!
    Er hat beschlossen weiterzulaufen.
    Verständlich!

    Zitat

    Noch ein Pfiff, er bleibt stehn schaut sich wieder um und kam dann auf Umwegen zurück zu mir.

    Du hast ihn erneut ausgebremst, mitten aus dem Lauf.
    Und sogar erfolgreich.
    Er hat abgebrochen und auf den Pfiff gehört, trotz hohem Erregungszustand, das Reh vor der Nase.
    Das ist gigantisch!

    Zitat

    Mit hängenden Ohren und eingekniffener Rute. Dazu ist noch zu sagen, dass er sich die ganze Zeit in meiner Sichtweite befunden hat. Er war höchsten 25 m entfernt von mir.

    Das ist das einzige was mir nicht so gefällt.
    Warum kam er "angeschlichen"?
    Muss er mit "Strafe" rechnen wenn er in solchen Situationen aufs Kommando hört?

    Zitat

    Ich hätte heulen können.

    Warum?
    Dein Hund ist 10! Monate alt.
    Ich finde er hat eine enorme Leistung gebracht.

    Zitat

    Das hat er noch niemals gemacht. Ich stand erst mal bestimmt 10 Minuten im Wald, den Hund keines Blickes würdigend und hab versucht zu verstehn, was da grad passiert ist.

    Ich hätte meinen Hund freudig empfangen und gelobt was das Zeug hält.
    Selbst wenn Du Dich erst erschreckt hast, selbst wenn er gestartet ist obwohl er nicht sollte, ihn zurückzurufen ist um einiges schwerer als ihn bleiben (sitzen, liegen, stillstehn) zu lassen bevor er losrennt.

    Zitat

    Wollte eigentlich auch noch länger spazieren gehn, hab den Spaziergang dann aber aus Frust abgebrochen. Das wäre in der Stimmung wohl nicht gut gegangen.

    Ich denke Deine Erwartungen sind einfach zu hoch.
    Meiner Meinung nach habt ihr bisher sehr gute Arbeit geleistet, sonst hätte das so wie Du es beschreibst niemals geklappt.

    Perfektes Beherrschen eines Abrufs mitten in der Jagdsequenz von einem 10 Monate alten Hund zu erwarten oder die Impulskontrolle innezuhalten wenn er gedanklich schon gestartet ist meiner Meinung nach zuviel des Guten.

    Ob Du ab jetzt mit Schlepp arbeiten solltest finde ich schwierig zu beantworten.
    Ich persönlich würde es erstmal nicht tun, ich wäre aber auch mit dem "Test" sehr zufrieden gewesen.

    Bin sehr gespannt ob ich mit meiner Ansicht alleine dastehe. :smile:


    LG
    Tina

  • Zitat

    Das ist das einzige was mir nicht so gefällt.
    Warum kam er "angeschlichen"?
    Muss er mit "Strafe" rechnen wenn er in solchen Situationen aufs Kommando hört?


    Ist es tatsächlich ein Aussie :D :p ?

    Ich würde Situationen mit Wild möglichst oft suchen (Morgen-/Abenddämmerung an Waldrändern/Wiesen, an Bachläufen) und dem Hund beibringen, welches Verhalten erwartet wird. Er orientiert sich zu dir beim Anblick von Wild: Party!!, er startet durch -> Ärger.

    Ich persönlich würde den Hund nicht loben, wenn er angesetzt hat zum jagen. Aber das würde ich mit einem "richtigen" Jagdhund wohl anders sehen. Mein Ziel ist das nicht-jagen, nicht die Abrufbarkeit.

    Ist es denn ein Aussie?

  • Es ist ein Aussi?

    Und wenn es einer ist, ist dann Abrufbarkeit nicht genug und stattdessen nur das warten auf ein Kommando was zu tun ist akzeptabel?

    (Kenne mich mit Hütehunden nicht so aus).

    LG
    Tina

  • Zitat


    Und wenn es einer ist, ist dann Abrufbarkeit nicht genug und stattdessen nur das warten auf ein Kommando was zu tun ist akzeptabel?

    für mich ist jagen nie akzeptabel ;) . Auf ein Kommando warten müssen meine Hunde nicht (im Gegenteil), nur ein paar Grundregeln beachten. Und mit einem Aussie sollte das durchaus erreichbar sein :smile:

    Ist vielleicht Einstellungssache. Ich begegne hier definitiv zu viel Wild, als dass ich ständig die Umgebung scannen möchte um dann rechtzeitig die Jagd abbrechen zu können. Und mir wäre die Gefahr auch zu groß, dass der Hund durch diese kurzen Jagdsequenzen auf den Geschmack kommt.

  • Da hast Du schon recht.

    Aber grundsätzlich hat man doch bei einem Wildinteressierten Hund nur zwei Möglichkeiten.

    Stopp vor Beginn oder Abruf aus dem Lauf.
    Und wenn ich den stopp vor Beginn verpenne bleibt mir nur zweiteres.

    Wenn ich dann, nach erfolgreichem Abbruch nicht lobe sondern ignoriere, welche Motivation hat der Hund abzubrechen und zu mir, dem Miesepeter, zurückzukommen?

    Vielleicht tickt ein Aussi ja anders als mein Jagdhund.
    Aber ich habe irgendwann mal den Satz gelesen "hüten ist jagen ohne töten" ... und dachte bisher da sei was dran.

    Und dann sollte die Methode doch nicht soviel anders sein, oder?
    (Ausbildung von berufstätigen Hütehunden mal ausgenommen - davon habe ich keine Ahnung).

    :|

    LG
    Tina

  • dein hund hat beim 2en pfiff reagiert und ist zu dir gekommen?
    wieso belohnst du ihn nicht, das war doch super!

  • Zitat

    Vielleicht tickt ein Aussi ja anders als mein Jagdhund.

    Mein Aussi tickt so: "ich finde Wild, ich renne zu Frauchen -> es gibt ein großes Lob." Also sucht er Wild (nicht im Sinn von stöbern, aber wenn er weiß, da ist was in der Nähe oder hier trifft man öfter mal, er riecht was...hält er entsprechend Ausschau). Nun kann ich mir sehr gut ausmalen, was mein Aussie täte, wenn ich ihn loben würde, nachdem er kurz Wild gejagt hat und dann auf den Ruf hin zu mir stürmt... Ich würde beim nächsten Mal eher das Lob ganz weg lassen (bei einem solchen Hund), als das Abrufen zu belohnen. Aber es sind halt meine eigenen Erfahrungswerte.
    Bei meiner Hündin (mit deutlich mehr Jagdtrieb, kein Aussie), könnte ich das ansetzen erst recht nicht durchgehen lassen, das wär 1000x toller für sie (selbst wenn nur kurz und dann gestoppt) als alles, was ich ihr an sonstigem Lob bieten könnte. Wir haben mal kontrolliert gejagt, die Belohnung fürs ablegen auf Kommando war die Hoffnung, dass es weiter geht. Ich hätte mit einer ganzen Fleischwurst winken können, hätte meine sonst so verfressene Lucy nicht die Bohne interessiert...

    Aber es gibt ja viele, die den Schwerpunkt aufs abrufen legen und mein Weg ist halt nur mein persönlicher

  • Zitat

    Mein Aussi tickt so: "ich finde Wild, ich renne zu Frauchen -> es gibt ein großes Lob." Also sucht er Wild (nicht im Sinn von stöbern, aber wenn er weiß, da ist was in der Nähe oder hier trifft man öfter mal, er riecht was...hält er entsprechend Ausschau).

    Wenn das bei dir so abläuft, würde ich auch nicht loben. Aber hier hat ein junger Hund auf Rückruf reagiert, und da finde ich, ist das Lob schon wichtig.

    Mich wundert es auch ein wenig, das der Hund so gedrückt kam. Ich muß in letzter Zeit auch ein wenig aufpassen, Lilly läßt sich gerne mal von anderen Hunden anstecken und versucht aufzureiten. Hole ich sie aus dem Spiel raus, kommt sie aber freudestrahlend zu mir. Sie wurde noch nie bestraft, geschimpft oder auch nur böse angeschaut, wenn sie kam. Ein brav gibts von mir immer wenn sie sich an mir orientiert und zu mir kommt. Kommt sie aus dem Spiel, dann gibts auch ein größeres Lob.

  • Grisu kommt bedrückt "angekrochen", wenn meine Körperhaltung (was auch immer) auch nur eine Spur Missbilligung ausdrückt. Er ist da extrem sensibel. Und so ein guter Schauspieler bin ich nicht, dass ich vor ihm verbergen könnte, dass mir grad was gegen den Strich ging, auch wenn ich nicht wirklich wütend auf ihn bin. Insofern finde ich das Verhalten für (einige) Aussies nicht ungewöhnlich. Das heißt nicht, dass der Hund jemals zuvor Ärger bekommen hat, wenn er auf den Rückruf reagiert hat. Er merkt nur, da stimmt was nicht, Frauchen/Herrchen ist verstimmt.

    edit: meiner Hündin z.B. müsste man da im Vergleich schon mit dem Holzhammer kommen, damit sie "beunruhigt" wirkt oder merkt, es passt mir nicht. Obwohl sie auch eher sensibel ist. Nur an mir kann es nicht liegen, Grisu reagiert wirklich extrem auf Stimmungen. Nicht jeder Aussie ist so, aber einige...

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