• Hallo!
    Also, ich benötige :hilfe:.
    Denn mein Hund kann nicht frei laufen. NIEMALS; NIE!
    Und weil ich das so schnell wie möglich ändern will, bin ich für alle Tipps, Erfahrungen und natürlich auch Kritik dankbar. damit meine ich: welche Bücher habt ihr gelesen, wie habt ihr es bei eurem eigenen Hund gemacht, was würdet ihr an meiner Stelle tun, etc.

    Hier die Hintergrundinformationen:

    1: Mein Hund HAT Jagdtrieb. Zwar nichtsehr ausgeprägt, aber doch :hust: ...ausgeprägt...

    2: Mein Hund und ich leben in einer sehr wildreichen Gegend, in der es schon mal vorkommt, dass bei einem Spaziergang von einer Stunde (am hellichten Vormittag!) drei Fasane vor der aufgeregten Hundenase aufhüpfen....

    3: Außerdem laufen in meiner Wohngegen Beagles und alle anderen Hunde mit Jagdtreib nur an der Leine, die Hundetrainer hingegen besitzen sowieso nur Schäferhunde ;) ....

    4: Ja....ich habe das Buch "Antijagdtraining".....nur geholfen hat es nicht. (Oder nicht sehr...)

    Durch dieses Buch weiss ich zwar eine Menge über das Jagen, besitze eine Schleppleine und Suuuuperleckerchen, aber weitergekommen bin ich trotzdem nicht =)
    Das liegt wahrscheinlich daran, dass "vorgefertigte Lösungen" für ein bestimmtes Problem bei mir und meinem Hund noch nie funktioniert haben. Da hilft anscheinend nur ausprobieren.
    Dafür muss ich aber möglichst viel wissen...und daür brauche ich euch :roll:

    Also: vielen Dank an alle, die diesen Text gelesen haben und sich auch noch die Mühe nehmen, mir zu antworten....

    Liebe Grüße, marienkäferchen

  • Das Buch Antijagdtraining ist ansich sehr gut, nur du darfst keine kurzfristigen Erfolge erwarten ... du solltest mit 1-2 Jahren rechnen ... je nach Hund und Ausprägung der Jagdfreude.

    Was hast du denn bisher versucht und wie lange?

  • Ehrlich gesagt komm ich mit Trainingstipps aus Büchern auch meist sooo sehr weit - das Buch ist aber wirklich gut.

    Noch besser ist allerdings ein Seminar bei Pia Gröning - da kann dann auch individuell auf Deinen Hund - und Deine Fehler und Fähigkeiten - eingegangen werden.

    Im Grunde geht's übers Schleppleinentraining - oder Training des Freilaufes auf gesichertem Gelände (also eingezäunt)

    - und, wenn das prinzipiell mal klappt

    viel Impulskontrolle immer wieder (lebenslänglich!!!) trainieren.

  • Ja, dass diese Training lange dauern wird weiß ich.
    Mir geht es hier eigentlich nur darum, ein Konzept zu haben, bevor ich meine energie verschwende und den Hund nur unnötig verwirre. Das ist mir einfach sehr wichtig weil ich ja sonst nicht trainieren kann. Und das Buch hat mit da eben einfach nicht geholfen.
    marienkäferchen

  • Zitat

    Ehrlich gesagt komm ich mit Trainingstipps aus Büchern auch meist nicht sooo sehr weit - das Buch ist aber wirklich gut.

    Sorry, muss mich mal selbst zitieren :ops:
    da hat das Wörtchen nicht gefehlt.

    Ich finde das Konzept aus dem Buch gut, vermute aber das Du einfach mal ne persönliche Anleitung brauchst.

  • Vielleicht fang ich mal damit an :roll:


    Ich gehe davon aus du besitzt einen Labradormix, der in etwa den Jagdtrieb eines Labradors besitzt - nicht übermäßig stark, aber auch nicht mit blossem "Hieer" und Leckerchen als Belohnung in den Griff zu bekommen.


    Das Jagen ist das Größte für einen solchen Hund - es ist ein Ursinstinkt, dient der Selbsterhaltung und macht dem Hund irre Spaß.

    Um den Hund dazu zu bringen auf deinen Wunsch die Jagd abzubrechen sind drei Komponenten fällig:

    1. zuverlässiger Gehorsam
    2. gefestigte Bindung
    3. Alternativbeschäftigung


    > Punkt eins..
    Der Gehorsam muss sitzen, da führt kein Weg dran vorbei.
    Du fängst in einer ablenkungsarmen Umgebung an (Park, Hundeplatz, Spielwiese) und gehst die normale Unterordnung durch.
    - kurze Fußeinheiten
    - Sitz und Platz auf Entfernung und aus der Bewegung
    - zuverlässiger Aufbau des "Bleib"
    Natürlich nicht durchgehend ohne Pausen, Motivation muss sein!
    Allmählich steigerst du die Anforderungen:
    - Beginne mit Futterbeutelarbeit indem Sinne, dass der Hund den Beutel als Ersatzbeuteobjekt sieht. Du lässt den hund neben dir in der Grundstellung sitzen, wirfst oder versteckst den Dummy, kehrst zum hund zurück und lässt ihn den Dummy holen, er bringt ihn dir und erhält prompt die Belohnung.
    der genaue Aufbau dessen jetzt nochmal in grün :

    Mein Hund kam für die Futterbeutel-Übungen immer an die Schleppleine.
    Der Hund muss sich ablegen und im Bleib verharren, ich fuchtel ein bisschen mit dem Dummy herum, damit er kein langweiliger Abfall, der mir aus der Hoisentasche gefallen ist, ist, sondern ein heißbegehrtes Beuteobjekt. Dann lege ich ihn in 50 cm Abstand direkt vor meine Füße.
    Darf der Hund ihn nun holen und ergreift ihn, kann er agrnicht viel falsch machen, da er ja direkt vor mir gegen ein leckerchen eingetauscht wird.
    Gibt man am Anfang kein Leckerlie, will der Hund irgendwann nur noch widerwillig seine gerade erbeutete Beute abgeben.

    Wiederholt man diese Übung regelmäßig, kann man sich bald mitsamt dem Dummy vor den Füßen einige Meter vom Hund entfernen und ihn den Dummy dann greifen lassen.
    Danach entfernt sich der Dummy Zentimeter für Zentimeter von dem Hundeführer - abgesichert durch die Schleppleine wird der Hund am Weglaufen mit der Beute gehindert.
    Immer wenn der Dummy dem HH wieder in die ausgestreckte Hand gelegt wird, gibt es ein tolles Leckerchen und ein kleines Suchspiel, sodass der HGund ganz schnell über die verlorene Beute hinwegkommt
    Will der Hund dennoch mal mit der Beute flüchten, wird schnell die Schleppleine festgehalten und der Hund wird ein Stück herangezogen, verbunden mit einem "Hier" , die auf das Abgeben folgende Belohnung fällt dann noch größer, schöner,leckerer, besser, spannender aus, als je zuvor

    - Mein nächster Schritt war die Reizangelarbeit
    Der Futterbeutel wurde an eine 5 m Schleppleine befestigt , der Hund ins Platz gelegt , das Beuteobjekt vor dem Hund her gezogen (fang in weiterer Entfernung an und nähere dich dem Hund später immer mehr) und erst beim Auflösen des Kommandos, durfte der Hund hetzen, den beutel packen und mir unverzüglich bringen (daher erst den Aufbau der normalen Futterbeutelarbeit festigen, sonst versucht hund mit beute wegzurennen und beginnt einen Kampf mit der am band befestigten beute)
    Klappt das ganze wirklich ohne!! Probleme, bin ich dazu übergegangen, den Hund aus dem platz die Erlaubnis zu geben hinterherzuhetzen und ihn während der "Jagd" ins Platz zu rufen. Die ersten Male, musste ich mich quasi zwischen Hund und Beute stellen, ihm somit den Weg erschweren und die kurze Verwirrung nutzen den Befehl zu verdeutlichen, später ist der hund auch aus der Entfernung ins Platz zu rufen.
    Du musst den Hund nicht bei jeder Jagd ins Platz rufen, da er sonst schnell die Lust am Spiel verleirt, da der Erfolg am Ende vom Frust über das nicht-erreichen der beute überlagert wird.
    Lass ihm öfters auch sofort den Erfolg den Dummy zu packen und zu dir zu apportieren.

    Ist dies ganze in der ablenkungsarmen Umgebung gegeben, wiederhole das gesamtpaket in Ablenkung von Wildgeruch.
    Bei der Futterbeutelarbeit hat der Hund den Dummy zu dir zu bringen, auch wenn direkt daneben eine frische Wildspur ist - das musst du durchsetzen, aber dann klappts auch ;)
    Zudem muss auch in wildreicher umgebung der normale Gehorsam fest sitzen - lege deinen Hund öfter mal direkt neben einer kaninchenkoloniebau ab und entferne dich erst 10 sek, dann 30, dann 60 usw..
    Als Motivation muss am Ende immer ein umfassendes Spiel folgen - mit der Reizangel, dem Futterbeutel einem Leckerchensuch- oder Rennspiel.

    Wenn eine Übung plötzlich nicht mehr klappen will, bau sie nochmal klein auf und belohne jeden kleinen Erfolg, beende eine Übungseinheit lieber zu früh und richtig, als zu spät und der hund hat schon einen Fehler gemacht.


    => Das Ziel ist es bei unverhofften Wildbegegnungen den hund aus dem Hetzen sogar ins Platz rufen zu können, und ihn dann dementsprechend mit dem Spielzeug an der Reizangel belohnen zu können.


    > zweiter Punkt
    Um diesen zuverlässigen Gehorsam erreichen zu können musst du im Mittelpunkt auf Spaziergängen stehen, von dir geht alle Action aus, durch dich erfährt der Hund Jagderfolg (den Futterbeutel) , du bist ein konsequenter, souveräner, durchsetzungsfähiger Jagdpartner und dein kommando und deine Belohnung stehen über dem Instinkt des Hundes zu hetzen.

    Da ist eine super Bindung mehr als wichtig ...
    - belohne jeden Blickkontakt des Hundes
    bei Wildbegegnungen in Entfernung mit einem super Leckerlie
    bei Zusammenarbeit mit Futerbeutel und Reizangel mit einem netten in die Augen blinzeln , freundlich schauen und "Feiin" und zwischendurch aucgh mal was leckerem und bei der einfachen Erholung des Hundes im Freilauf (an der Schleppleine) reicht auch mal einfach ein netter Blickkontakt und ein "Fein" - der Hund soll sich ja auch mal von der gemeinsamen Arbeit entspannen können und nicht ständig unter Strom stehen um zu dir zu gucken.

    - verstecek dich auf Spaziergängen öfters mal hinter einem Baum - der hund wird dich suchen und du belohnst ihn natürlich dafür.

    - wechsel öfters einfach mal so ohne den Hund aufmerksam zu machen die Richtung, schlage ganz unverhofft einen anderen Weg ein, renne plötzlich in einen seitenweg oder springe plötzlich in den Wald über einen Baumstamm ...

    - hock dich auf den Spaziergängen urplötzlich mal , scharre aufgeregt im laub, lass unauffällig ein zwei Leckerchen reinfallen und lass den hund interessiert suchen, was du schon wieder tolles entdeckt hast

    => Das Ziel soll sein, dass der hund dich auch in wildreichen Gebieten immernoch für den "Star" hält, der die Richtung angibt , für Action sorgt und unverhofft mal das ein oder andere leckerlie findet bzw. den Hund auchmal auf den "verlorenen" Futterbeutel aufmerksam macht.


    > dritter Punkt

    Dein Hund ist ein Jagdhund, der dementsprechend ausgelastet werden muss. Auch wenn du den oben beschriebenen Trainingsplan mit Erfolg beendet hast, heißt das nicht, dass dein hund ab jetzt immer bei Wild abgerufen werden kann und seine Auslastung im "frei laufen" erfährt. Er sieht in dir immernoch DEN Jagdpartner, der regelmäßig für Erfolge suchen muss.

    Baust du also im weiteren Hundeleben täglich immer mal wieder Suchspiele, Futterbeutelarbeit, Reizangeltraining und Gehorsamsübungen ein wird der Grundgehorsam so erhalten bleiben.


    Aber glaub mir: Hast du einmal damit angefangen über zwei Jahre täglich deinen Hund so zu beschäftigen, willst du es immer weiter machen, denn auch wenn es immer mal den ein oder anderen Rückschlag gibt, macht es irre Spaß mit seinem Hund so arbeiten zu können.


    Viel Erfolg
    LG Jana

  • WoW!
    Vielen Dank Cörki! (vor allem für diesen Monstertext)
    Ich werde mir das mal durch den Kopf gehn lassen, was du geschrieben hast. Vieles davon wusste ich schon, vieles aber auch nicht :roll:
    Das mit dem Labbimix hast du übrigens genau getroffen, nur hat meine Süsse eventuell noch mehr Jagdtrieb als ein Labbi weil wohl noch irgendwas vom Typ Vorstehund mitgemischt hat....
    Ich werde jetzt eben noch mehr lesen und ausprobieren und wenn ich nicht mehr weiter weiß, greife ich auf diesen Thread zurück (oder mach einen neuen auf...)
    Grüße, marienkäferchen

  • Na bei meinem Vorstehhund hat das ganze auch geklappt ;) , also müsste es für deinen Labbi-Vorstehhundmix auch in Ordnung gehen.. :gut:

    Viel Erfolg wünsche ich dir und natürlich kannst du alle Fragen hier wieder stellen!

    LG Jana

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!