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Border collie als Problemhund

  • Problemverhalten im Visier


    Border Collies werden in Deutschland immer beliebter,
    gleichzeitig steigt die Zahl der Besitzer,
    die über Verhaltensauffälligkeiten bei ihren Hunden klagen.
    Um die Häufigkeit der Probleme und deren Ursachen
    zu untersuchen, hat die Arbeitsgemeinschaft
    Border Collie Deutschland eine Umfrage initiiert.
    Silke Meermann berichtet über erste Erkenntnisse.



    Durch sein Image als intelligenter Hund, durch Erfolge im Hundesport und Auftritte im Fernsehen erfreut sich der Border Collie zunehmender Popularität in Deutschland. Die Zahl der im VDH registrierten Welpen hat sich in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt, auf 842 im Jahr 2002. Gleichzeitig werden immer mehr dieser Hunde wegen Verhaltensauffälligkeiten bei Tierärzten und Hundetrainern vorgestellt. Wie schwerwiegend das Problem ist, zeigt eine Zahl:
    Die Initiative „Border Collies in Not“ erhält jede Woche etwa 20 zwanzig Anfragen von Besitzern, die ihren Hund abgeben möchten.
    Zu den häufigsten geschilderten Schwierigkeiten gehören Ängstlichkeit gegenüber lauten Geräuschen, andauerndes Bellen, aber auch das Ausführen stereotyper Bewegungsabläufe in solchen Ausmaßen, dass die Tiere dabei körperlich Schaden nehmen. Ratsuchende berichten, dass ihr Vierbeiner bei dem Versuch, ein Auto mit der Kraft seines Blickes zu stoppen, angefahren wurde. Manche Border Collies geraten ständig in Raufereien mit anderen Hunden, weil diese sich durch das direkte Anstarren provoziert fühlen. Die Lösung von Verhaltensproblemen ist meist ein Langwieriger Prozess, bei dem es kaum ohne radikales Umdenken der Besitzer und grundlegende Veränderungen in den Haltungsbedingungen gibt.


    Datenerhebung per Umfrage


    Um die Häufigkeit der Probleme zu untersuchen und den möglichen Ursachen auf den Grund zu gehen, führt die Arbeitsgemeinschaft Border Collie Deutschland zu Zeit eine Umfrage unter Haltern durch, die einen solchen Hund besitzen. Eine vorläufige Auswertung der ersten gut 120 eingegangenen Antwortbögen zeigt folgende Trends:
    Über 40 Prozent der Interviewpartner beobachten bei ihren Hunden Angstreaktionen bei Feuerwerk, Gewitter oder lauten Geräuschen. Gut zwei Drittel werden von ihren Hunden zum Spiel aufgefordert, dabei erscheint dieses Verhalten 15 Prozent der Besitzer zwanghaft. Von deutlichem „Blickfixieren“ von Bällen und Stöckchen durch den Hund wird in mehr als 40 Prozent der Fälle berichtet.
    Kann dieses Tun, wenn es nur in Bezug auf Spielzeug gezeigt wird noch relativ gut kontrolliert werden, verursacht das „ Auge-Zeigen“ an Autos (sechs Prozent) oder bei bewegten Objekten wie Flugzeug, Fernseher, Waschmaschinen und Schatten (insgesamt 33 Prozent) deutlich mehr Schwierigkeiten im Alltag.


    Erste Deutung der Ergebnisse


    Geräuschempfindlichkeit bei Hunden entsteht meist durch eine unzureichende Gewöhnung an Umweltreizen während der Sozialisationsphase des Welpen. Alles, was der Hund bis etwas zur 16. Lebenswoche als ungefährlich kennen lernt, empfindet er auch später nicht als bedrohlich. Weit über zwei Drittel der untersuchten Hunde wurden in ländlicher Gegend aufgezogen. Werden solche Tiere erst später mit einer lauteren Umwelt konfrontiert, erstaunt es nicht, wenn sie ängstlich reagieren.
    Das „Auge-Zeigen“ wiederum ist eine genetisch bedingte Verhaltensweise, die den Border Collie von anderen Hunderassen unterscheidet. Sie entstammt dem Jagdverhalten, bei dem der Hund sich in geduckter Haltung mit langsamem Schritt an die Beute annähert, die er dabei ständig mit den Augen fixiert. Bei der Hüteausbildung ist dieses Verhalten notwendig, um die Schafe langsam und präzise in eine bestimmte Richtung treiben zu können.
    Wird der Einsatz dieses Musters nicht gezielt bei der Arbeit am Vieh trainiert, sucht der Hund sich häufig andere bewegte Objekte als Auslöser.
    Das „Wegtrainieren“ ist ein fast unmögliches Unterfangen, da es selbst belohnend ist. Das heißt, allein das Ausführen der Bewegung löst beim Hund Glücksgefühle aus. Weil die Disposition. Für dieses Verhalten angeboren ist, tritt es bei den Hunden, die die entsprechenden Anlagen tragen, fast zwangsläufig irgendwann af. Dies ist nicht nur bei Tieren aus reinen Arbeitslinien der Fall, sondern häufig auch bei denen, deren Vorfahren nicht zum Schafe hüten eingesetzt wurden.
    Von den untersuchten Hunden werden 45 Prozent zur Hütearbeit eingesetzt – knapp 75 Prozent der Tiere haben aber mindestens ein Elternteil, das an Vier arbeitet. Das deren Nachkommen häufig „Auge zeigen“ in anderen Situationen, verwundert nicht.


    Den Problemen Vorbeugen


    Möchte man der Entstehung von Verhaltensproblemen bei Border Collies vorbeugen, sind dabei vor allem drei Aspekte von Bedeutung:
    - Die Grundlagen für die spätere Entwicklung eines Hundes legt bereits der Züchter durch die Auswahl der Elterntiere. Für einen guten Border Collie Züchter muss neben der Freiheit von genetisch bedingten Erkrankungen vor allem die Zucht wesensfester, gelassener Hunde im Vordergrund stehen. Ob der Welpe eine hübsche symmetrische Zeichnung besitzt hat keinen Einfluss auf seine spätere Entwicklung und sollte darum nicht vorrangiges Zuchtziel sein.
    - Die nächste Weiche wird in der Sozialisationsphase des Welpen gestellt. Bis zum Alter von vier Monaten sollte er nach Möglichkeit mit allem vertraut gemacht werden, was ihn in seinem späteren Leben erwartet. Hierfür sind Züchter und zukünftiger Besitzer gleichermaßen verantwortlich. Die Tiere müssen Gelegenheit haben, verschiedene Menschen und Hunde sowie Autos, Staubsauger, die Geräusche von Flugzeugen und vieles mehr kennen zu lernen.
    - Selbst wenn der Züchter die ersten beiden Punkte beachtet hat, kann der neue Besitzer noch viel falsch machen. Zwei Zahlen aus der Umfrage geben dazu eine Hinweis: 36 Prozent der Halter erklärten, dass ihnen ihr Hund bisweilen körperlich unterfordert erscheint. Für geistig unterfordert halten immerhin 32 Prozent ihre Tiere.
    Die Tatsache, dass ein Border Collies beschäftigt werden muss, wird von kaum jemandem bezweifelt. Allerdings spielt hierbei nicht nur die Dauer, sondern vor allem die Art der Beschäftigung eine Rolle. Ein erwachsener Border Collie kann ohne Probleme eine Stunde lang am Fahrrad laufen – geistig ausgelastet ist er dadurch nicht. Auch sieht man viele Border Collies, die mit Begeisterung einen Agility-Parcours in Rekordzeit durchlaufen können, was nicht nur dem Hund, sondern auch dessen Besitzer einiges an körperlicher Geschicklichkeit abverlangt. Dennoch sollte man bedenken, dass der Hund auch bei dieser Sportart keine Gelegenheit erhält, die ihm angeborenen Verhaltensweisen wie das „Auge-Zeigen“ in einem sinnvollen Zusammenhang anzuwenden.
    Vielleicht muss nicht jeder (zukünftige) Border Collie Besitzer eine kleine Schafherde halten. Jeder, der einen solchen Hund kauft, sollte sich aber zumindest bewusst sein, dass er sich für einen Hund mit speziellen, genetisch bedingten Verhaltensmustern entscheidet und wie er mit diesem Hund umgehen will. Wenn der Hund diese irgendwann zeigt, handelt es sich dabei zunächst nicht um eine Verhaltensstörung, sondern es entspricht dem normalen Verhaltensrepertoire der Rasse!+


    Quelle: Hunde Revue


    Sorry ist ein etwas längerer Text, aber ich selbst finde ihn sehr interessant!

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