Komm ich so weiter?

  • Hallo!
    Bin grade ein bisschen verunsichert...
    Seit ein paar Wochen bellt unser Hund, 7 Monate alt, Passanten an, jagt Fahrradfahrer, Jogger, will in Autos springen...

    Bei den Passantan arbeite ich so, dass ich klicker, wenn einer auftaucht und Finn noch ruhig ist.
    Dadurch ist die Distanz, in der er sich aufregt, schon ziemlich viel kleiner geworden. Bei manchen schaut er nur kurz hin uns geht unbeirrt weiter. Dafür wird dann megatoll gelobt.

    Fahrräder werden so ähnlich behandelt, meistens bleib ich aber stehen und wir schauen uns das ganze aus sicherer Entfernung an. Ich hab so das Gefühl, dass die Aufregung auch weniger wird.

    Mit den Autos weiß ich nicht so ganz, ob ich mit der Clickermethode weiter komm, er regt sich nach wie votr furchbar auf...hat jemand einen braucbaren Tipp?
    Wenne r total auszuticken droht, knie ich mich neben ihn und halt ihn gut fest, erstmal, damit er sich einkriegt und eben nicht auf die Starße springen kann.
    Habt ihr Tipps, wie ich daran arbeiten könnte?

    So, jetzt sagen mir nur viele Leute, darunter auch meine Family, dass ich so niemals einen "normalen" Hund aus Finn mache. Es würde zu lange dauern und sowieso mit den Leckerchen bringt das auch nix...
    Welche Möglichkeiten hätte ich sonst, was wäre effektiver?
    Wäre schön, wenn ihr mir weiterhelfen könntet!

    Etwas verunsichert, Dina

  • Huhu,

    zuerst mal: lass Dich nicht verunsichern, die Methode mit Leckerchen ist schon richtig.

    Allerdings solltest Du möglichst mehr Distanz zwischen Euch und den Dingen, die ihn aufregen, bringen. D.h. Autos etc. nur so nahe kommen lassen, dass er noch Leckerchen von dir akzeptiert. Und dann gaaaaanz langsam ranarbeiten...
    Hast Du nicht irgendwo eine Wiese wo ihr mit einigem Abstand zur Straße üben könnt?

    LG,
    D.

  • Zitat


    Wenne r total auszuticken droht, knie ich mich neben ihn und halt ihn gut fest, erstmal, damit er sich einkriegt und eben nicht auf die Starße springen kann.
    Habt ihr Tipps, wie ich daran arbeiten könnte?

    hallo dina,
    ich würde mich nicht neben ihn hocken. ich glaube nicht, dass die idee gut ist.
    allerdings habe ich auch kein autoproblem.
    meiner geht nur ab, wenn er hunde sieht. da habe ich es am anfang so gemacht, dass ich ihn absitzen ließ. das war nix. hat gar nichts gebracht.
    jetzt vergrößere ich den abstand, dass er ruhig bleiben kann. geht es nicht und er will theater machen, gibt es bevor er loslegt ein scharfes nein und "fuß", wenn er links geht, geht er rechts, ein komm. ich gehe einfach weiter. verpasse ich "meinen einsatz" :ops: sage ich nichts und gehe weiter.
    mein trainer sagte mir, dass ich auf keinen fall stehen bleiben soll.

    ich finde, es hat sich bei uns schon sehr gebessert. und wichtig, die leine nicht kurz nehmen, wenns geht lang lassen und durchhängen lassen.

    es kommen aber sicher noch andere antworten. bin gespannt.
    gruß marion

  • Hi
    ich würde es auch wie rotti frauchen machen. Gehorsam einfordern mit größtmöglichen Abstand und weitergehen. Und nimms gelassen es sollte dir egal sein ob er sich aufregt sonst überträgt sich deine Nervosität. Es sollte dir aber nicht egal sein ob er "Fuß" läuft sondern halt nur ob er sich schlecht benimmt wenn du verstehst was ich meine?!

    Und bei jedem Erfolg loben nicht vergessen aber das machst du ja fleißig hab ich gelesen.

  • Zitat

    Bei den Passantan arbeite ich so, dass ich klicker, wenn einer auftaucht und Finn noch ruhig ist.
    Dadurch ist die Distanz, in der er sich aufregt, schon ziemlich viel kleiner geworden. Bei manchen schaut er nur kurz hin uns geht unbeirrt weiter. Dafür wird dann megatoll gelobt.

    Fahrräder werden so ähnlich behandelt, meistens bleib ich aber stehen und wir schauen uns das ganze aus sicherer Entfernung an. Ich hab so das Gefühl, dass die Aufregung auch weniger wird.

    erkennst Du ein Muster? Je schneller und je größer "Das DING" wird, desto Größer ist seine Aufregung. Aber Du machst Das genau richtig!! Man nennt es systematische Desensibilisierung (in kleinen Stufen steigernd dran gewöhnen) und klassische Gegenkonditionierung (durch Verknüpfung mit was Positivem die Emotionale Reaktion auf "das Ding" ändern).

    Zitat


    Mit den Autos weiß ich nicht so ganz, ob ich mit der Clickermethode weiter komm, er regt sich nach wie votr furchbar auf...hat jemand einen braucbaren Tipp?
    Wenne r total auszuticken droht, knie ich mich neben ihn und halt ihn gut fest, erstmal, damit er sich einkriegt und eben nicht auf die Starße springen kann.
    Habt ihr Tipps, wie ich daran arbeiten könnte?


    Doch, wirst Du auf Dauer. Du solltest aber versuchen, ihm die SAche etwas einfacher zu machen.
    1. Versuch (zunächst) Straßen zu meiden, auf den viele Autos schnell fahren. Vielleicht gibt es bei Euch ja Spielstraßen ( 30 km-Zonen) - da geht es besinnlicher zu und er muß sich nicht so aufregen. ODER Du Suchst Dir Straßen, wo nicht gar so viele Autos fahren, und wo Du Dich in für Finn erträglicher Entfernung plazieren kannst. Dort kannst Du auch das Ruhig Bleiben clickern.
    Und in der Tat: knien und gut festhalten ist eine gute Idee, denn beim festen Umfassen werden bestimmte Hormone ausgeschüttet (Oxitozin), die beruhigen!! Aus diesem Grund arbeitet man bei Ttouch mit Körperbandagen und T-Shirts!! (vielleicht magst Du dich da mal weiterinformieren (g**gle Ttouch, Tellington-Jones, Körperbandage ect. oder Kauf Dir das Buch "Tellingtontraining für Hunde" von Linda Tellington-Jones).
    Auch solltest Du zu Hause ein Entspannungssignal konditionieren. Das geht so:

    WENN Finn entspannt ist (kurz vor dem Einschlafen, oder wenn Ihr Eure Kraulstunde macht, etc.) sagst Du leise und säuselnd "ruuuuuuuuuhiiiiig" oder "eeeeaaaaaasyyy" oder ähnliches. Dabei kannst Du auch phantastisch die Ttouches anwenden. Dieses wiederholst Du häufig (also alle paar Minuten während so einer Entspannungs-"Session" - und die "Sessions" eben sooft Finn entspannt ist), damit Finn seine Emotion (entspannt sein, sich gut und sicher fühlen) mit dem Signal ("ruuuuuhiiig") verknüpft.
    Unterstützen kannst du diese Verknüpfung noch durch: Einsatz von T-Shirt oder Körperbandage und durch DAP. DAP ist ein Pheromon, dass nur Hunde riechen können, und das sie beruhigt. DAP kann man z.B. auf ein Halstuch sprühen, das der Hund "angezogen" bekommt. Mit diesen Maßnahmen unterstützt Du das "wohlige" Gefühl und dieses wird stärker mit dem "Ruuuuuhiiiig" verknüpft.
    Wenn Du das 1 - 2 Wochen konditioniert hast, kannst Du es auf Dein Fußgänger und Radfahertraining anwenden und auch auf das Autotraining, wenn Du letzeres so gestaltest, dass Finn recht entspannt dabei bleiben kann (größere Distanz zu den (langsameren) Autos.
    Kommt Dir also ein "Ding" entgegen, kanst Du jetzt clickern UND Dein Entspannungssignal sagen!! UND ihn dann fürs Entspannen Clickern.

    Ich würde auch auf jeden Fall als Leckerchen etweas extrem begehrenswertes nehmen, etwas wofür er töten würde und das er jetzt nur noch für dieses Gegenkonditionieren bekommt.


    Zitat


    So, jetzt sagen mir nur viele Leute, darunter auch meine Family, dass ich so niemals einen "normalen" Hund aus Finn mache. Es würde zu lange dauern und sowieso mit den Leckerchen bringt das auch nix...
    Welche Möglichkeiten hätte ich sonst, was wäre effektiver?
    Wäre schön, wenn ihr mir weiterhelfen könntet!

    Etwas verunsichert, Dina

    Lass Dich nicht verunsichern - Du machst das genau Richtig. Niemand kann wissen, was aus Finn werden kann, wenn man es nicht versucht!
    Und wenn es eben länger dauert, na und? Was wäre denn ihrer Meinung nach die Alternative? Weggeben? Einschläfern?? Problem so lassen wie es ist? Wie würden sie es trainieren??? Mit Bestrafung??
    Letzteres wäre EXTREM Kontraproduktiv. Das ist in vielen Wissenschaftlichen Studien erwiesen - und es gibt einige gute Bücher zum Thema.
    Wie gesagt, Du machst es richtig und Erfolge hast Du ja auch schon. Richte Dich im Trainingsfortschritt nach dem Lerntempo von Finn - dazu ist es sinnvoll, wenn man die Streßsignale seines Hundes gut erkennen kann - damit man ihm niemals zuviel zumutet! Das Motto ist: "einklitzekleinesbißchen Streß braucht man zum Lernen - zu viel und man lernt auch, aber das falsche!!"

  • Hi!
    Vielen Dank für eure Antworten. Ich schau mal, was ich von euren Tipps noch umsetzten kann.
    Das mit dem Beruhigungswort werd ich mal versuchen. So was ähnliches mach ich schon, wenn er am Gartenzaun bellen will. Dann kommt ein " is gut" und Finn entspannt sich dann meistens, weil er weiß, dass ich nachschau, was los is.

    Ich hab nochmal ne frage: wenn ich mit Finn im Wald oder so unterwegs bin und wir sehen in der Ferne eine Person, die auf uns zukommt, regt er sich immer mehr auf, je näher die person kommt. auch wenn genug platz zum ausweichen ist, es baut sich eben spannung auf. Wie reagier ich hier am besten?
    Wenn "plötzlich" jemand auftaucht, als wir in ner Kurve jemandem begegnen und die zeit zwischen erstem sehen und vorbeilaufen nicht so lang ist, regt er sich weniger auf.


    Lg, Dina

    P.S. hab heute als Belohnunh bei den Autos Leberwurst dabeigehabt...es wirkt wunder!

  • Zitat

    Ich hab nochmal ne frage: wenn ich mit Finn im Wald oder so unterwegs bin und wir sehen in der Ferne eine Person, die auf uns zukommt, regt er sich immer mehr auf, je näher die person kommt. auch wenn genug platz zum ausweichen ist, es baut sich eben spannung auf. Wie reagier ich hier am besten?
    Wenn "plötzlich" jemand auftaucht, als wir in ner Kurve jemandem begegnen und die zeit zwischen erstem sehen und vorbeilaufen nicht so lang ist, regt er sich weniger auf.

    Das liegt daran, dass sich im ersten Szenario die Spannung über einen viel längeren Zeitraum aufbauen kann.
    Versuch ihm in einer solchen Situation Aufgaben zu geben, die ihn "zwingen", seinen Blick von dem "DING" abzuwenden. z.B. einen Vorsitz mit Blickkontakt oder ein "Twist" (um sich selbst drehen). Wenn er sehr verfressen ist und Du gute Leckerchen dabei hast, kannst Du auch ein paar ins Gras werfen und ihn suchen schicken - das "Geruchshirn" des Hunde ist so groß, da ist es dann ziemlich mit beschäftigt, den Keks zu finden und "vergißt" für einige Sekunden das "DING".
    Es geht ja nicht darum, den Hund zu 110% vom Entgegenkommenden abzulenken. Aber solange seine "Fixierung" darauf immer wieder kurz unterbrochen wird und er auf "andere Gedanken" kommt, desto weniger kann er Spannung aufbauen. Lass ihn nicht am Ende der Leine vor Dir auf das "DING" zu steuern. (habe ich das heute schon mal geschrieben?) Sondern schalte Dich immer wieder ein und bring ihn dazu, dass er wahrnimmt, dass Du auch noch da bist, sodaß er Gelegenheit hat, zu sehen, dass Ihr Euch da gemeinsam "durchkämpfen" könnt! Wenn er vor Dir ist, kann er Dich gar nicht sehen und seine ganze Konzentration geht auf das Gegenüber. Wenn Du ihn dazu bringen kannst, sich Dir immer wieder zuzuwenden, wird er das eben auch (sofern sich das für ihn lohnt) von alleine immer öfter tun.
    Wenn es gar nicht anders geht, kannst Du ein paar Schritte rückwärts gehen (ihn dabei nicht in die Leine rennen lassen, sondern mit einem vorher geübten Umkehrsignal "mitnehmen") - dann muß er sich nämlich von dem Ding abwenden. In einem Seminar habe ich auch gelernt, in solchen Situationen dem Hund die Augen zu zu halten: auch diese wird zu Hause geübt - denn da gehört für den Hund eine ganze Menge Vertrauen in Dich dazu - und mit einem Ankündige-Signal versehen.

    Was ich bei meinem Hund mache (der keinerlei Probleme mit entgegenkommenden was auch immer hat): ich kündige ihm die "Dinger" an, die da kommen:
    Crispel, da kommt ein Fahrrad (Mann, Frau, Kind, Hund, Auto...) - dann warte ich, dass er in die Richtung des Fahrradfahrers sieht, dann gibts ein Click und Leckerchen.
    Bewährt hat sich das besonders toll, wenn ein "angeschlichener" Fahrradfahrer plötzlich um die Kurve geschossen kommt, wir ihn beide vorher nicht bemerkt haben. UND ich wende es bei Sammy an, Sammy ist ein leider gar nicht sozialer Rüde aus unserem Dorf, der mit total unhundlichen BEsitzern gestraft ist: Sammy keift, was geht (und es geht nicht wirklich viel, wenn man auf den Hinterbeinen gehen muß, weil man am Halsband in die Luftgezogen wird, röchel :kopfwand: :irre: :gott: ) Und wenn ich sage, Crispel, da kommt Sammy, weiß Crispel, dass es gleich Leckerchen regnen wird, nur weil er sich anhören muß, wie der arme Sammy ihn anröchelt...


    Zitat


    Lg, Dina

    P.S. hab heute als Belohnunh bei den Autos Leberwurst dabeigehabt...es wirkt wunder!


    Siehste! Geht doch. Aber fleißig weiterüben, das wird nicht "über nacht" das dauert einige Wochen bis Monate, bis die neue "Einstellung" zu den bösen Dingern wirklich gefestigt ist, aber das ist es dann wert, wenn man mit einem entspannten Hund an allen möglichen Dingern locker flockig vorbeigehen kann.

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