So langsam verzweifle ich

  • Hallo an alle.
    Ich hoffe ihr könnt mir etwas behilflich sein.
    Unser Cocker Rüde (15 Monate) entickelt so langsam zum Problemkind. Er ist ein sehr kuschelbedürftiger und anhänglicher Hund. Ein Toilettengang ohne seine Verfolgung ist fast nie drin. Es kann aber auch sein, dass er hinter dem Sessel im Schlafzimmer schläft und man ihn für Stunden nicht sieht.
    Am Gartenzaun ist er friedlich, muss aber jeden kontrollieren, der vorbei geht. Nachbarn wundern sich schon immer, da er selten oder nie bellt.
    In der Wohnung ist er gehorsam und geleerig. Wir können ihm sein Futter wegnehmen ohne das er "widerspricht", er schläft nicht im Bett und er kann problemlos allein bleiben, er bellt nicht, jault nicht oder winselt.
    Bis hierhin ist alles ok. Wir waren mit ihm in der Hundeschule. Zuerst ein Welpenkurs, dann ein Grundkurs für Erziehung und kürzlich habe ich einen Mantrailkurs mit ihm gemacht, was total seiner Rasse entsprach, er schien viel Freude zu haben.
    Aber nun mein Problem:
    wenn wir Gassi gehen (an der Leine) zeigt er ein anderes Verhalten. Er schnüffelt natürlich sehr stark. ist immer total neugierig auf alles was sich bewegt und Geräusche macht. Aber seit einigen Wochen kommt er nicht mehr mit anderen Hunden klar. Es begann nur bei Rüden. Wir nähern uns anderen Hunden, dann wird geschnuppert und innerhalb von 5 Sekunden klingt er aus. Er knurrt und bellt, fletscht heftig die Zähne und greift sofort den anderen Hund an. Und der muss nichts zuvor gemacht haben. Es reicht auch schon, wenn ihn ein anderer Hund aus der Ferne anbellt. Dann zeigt er das gleiche Verhalten. Er steigt in die Leine.
    Es ist nicht so, dass wir sofort die Leine verkürzen, wenn wir einen anderen Hund sehen. Er lässt sich aber auch nicht aus dieser Situation rausrufen. Keine Chance. Sobald er einen anderen Hund sieht, stellt er auf Durchzug. Mittlerweile macht er das auch bei Hündinnen.
    Und wenn man ihn dann anfässt beist er auch zu, auch bei uns. :motz:
    Er schaukelt sich dabei total hoch. Heute war es so schlimm, dass er sich im Hausflur noch nicht beruhigt hatte. Ich hatte ihn angesprochen, energisch, er sollte Platz machen, da fing er an mich anzuknurren und die Zähen zu zeigen. Das hat er zuvor nie getan
    Mir scheint so langsam, dass er sich uns nicht mehr unterordnen will. Aber warum so plötzlich.
    Vor 2 Tagen habe ich Freunde besucht. Sie haben 2 Hunde. Bisher war das kein Problem. Aber als ich dem einen Hund zu nahe kam, hat er ihn sofort angefallen. Ist das Eifersucht?
    Das wäre beängstigend, denn wir bekommen Nachwuchs. Ich mache mir Sorgen, dass er dann das Baby auch so anfällt. Ich habe ihn nach dem Vorfall heute daheim erstmal ignoriert.
    Was sollen wir jetzt machen? Sobald er andere Hunde sieht, reagiert er nicht mehr auf uns. Als hätten wir das nie trainiert?
    Sorry, ist jetzt sehr lang geworden. :ug:

  • Liebe Kirsty,

    ich glaube, Ihr vermittelt Eurem Cocker nicht genug Sicherheit und damit auch Grenzen. Kenn' ich, das Thema Leinenaggression, die immer mehr eskaliert. Sind auch noch immer nicht ganz übern Berg... wenn ich's Bruno in stressigen Situationen "eng" machte (anfassen, Leine kurz, rucken etc.) hat er auch versucht, nach mir zu schnappen ("tu die Pfoten weg!!"). Seit Monaten nun gar nicht mehr. Wir haben viel am Blickkontakt gearbeitet, der nun auch eingefordert werden kann - Lob auch durch Super-Leckerli. Damit kannst Du im Zweifel auch mal (Blick vom andern Hund weg) am Wegrand warten. Je mehr solcher Situationen, umso besser – es tritt ein Gewöhnungseffekt beim Hund ein und Du wirst selbstbewusster. Dein Hund muss lernen, dass IHR die Umgebung strukturiert und nicht er. Wenn's eskaliert – nicht schimpfen oder auch nur reden, ihn wortlos aber konsequent mit der Leine ins Sitz bringen (wenn's sein muss, immer wieder) und erst weitergehen wenn er sich beruhigt hat (ansprechbar ist und "schaut"). Durchhalten! Bin gespannt, wie's Euch weiter ergeht... Viele Grüße, Sabine ;)

  • Vielen lieben Dank Sabine.

    Den Trick mit den Leckerlies haben wir schon oft, wenn nicht immer, versucht. Er reagiert darauf dann nicht. Ich könnte ihm sogar nen Steak hinhalten, in dieser Situation ist ihm nichts wichtig.
    Das mit der Sicherheit kann ich mir gut vorstellen, denn er neigt auch irgendwie zur Angst. Aber auch nicht immer. Besonders am Abend, wenn es dunkel wird, ist er sehr verunsichert auf der Strasse. Aber ich versteh nicht warum. Ich würde sagen, dass wir ihm nie einen Anlass dafür gegeben haben. Wir haben ihn nie da draußen allein gelassen, haben uns nicht vor ihm versteckt und es gab auch kein schlimmes Erlebnis. Aber ich kann mich ja auch irren.
    Wie gebe ich ihm denn dann diese Sicherheit zurück?
    Und am schlimmsten ist es, wenn ungeleinte Hunde auf uns zukommen. Ich werde ihn deshalb trotzdem nicht ableinen. Wir wohnen in der Großstadt, da sind zuviel Autos unterwegs. Und er rennt ja auch jedem Hund hinterher, auch da ignoriert er uns.

  • Hallo :)

    Wenn es wirklich an der fehlenden Sicherheit liegt, dann kann man viel machen indem man liebevoll konsequent die Führung übernimmt. Man selbst geht als erstes durch Türen oder die Treppen hinauf. Man leitet das Spiel ein und beendet es wieder. Man entscheidet wolang der Spazierweg geht. Diese ganz alltägliche Konsequenz.
    Ich würde auch UO mit ihm arbeiten, das gibt vielen Hunden Sicherheit, weil sie merken, dass Herrchen/Frauchen genau wissen wo es lang geht.

    Und an der Bindung würde ich auch arbeiten, durch Spiele und solche Dinge. Vielleicht einen Hundesport machen - etwas in die Richtung.

    Ihr bekommt das sicher in den griff, auch wenn es Mühe kosten wird. Nicht zu vergessen ist ja auch, dass er noch ein ziemlich Junger Frechdachs ist :)

    Viel Spaß mit eurem Liebling
    Dana

  • Hm.....an der Bindung arbeiten.........
    Also wir gehen immer zuerst durch die Tür, wir bestimmen auch den Weg, obwohl er natürlich bei all dem immer versucht seinen Kopf durchzusetzen :roll:
    Er hatte auch in den letzten Monaten eine heftige Rüpelphase. Manchmal frage ich mich, ob das alles noch zur Pubertät gehört??? :irre:
    Aber ich möchte natürlich auch nicht, dass sich da so ein Verhalten festsetzt und zur Gewohnheit wird.
    Wir waren beim Mantrail, da war ganz bewusst ich die Leinenführererin uns nicht mein Mann, damit er noch stärker lernt, dass ich hier das sagen habe, weil er ja auch mit mir in Zukunft die meiste Zeit verbringen wird.
    Mir ist auch klar, dass das ganze Zeit braucht, aber ich will es halt richtig angehen jetzt , da es ja von Tag zu Tag schlimmer wird.
    :hilfe:

  • Zitat

    Hm.....an der Bindung arbeiten.........
    Also wir gehen immer zuerst durch die Tür, wir bestimmen auch den Weg, obwohl er natürlich bei all dem immer versucht seinen Kopf durchzusetzen :roll:

    Eine gute Bindung erreicht man nicht nur, weil man zuerst durch die Tür geht. Das ist einfach nur eine Gehorsamsübung. Eine gute Bindung erreichst Du, in dem Du Deinem Hund eine zuverlässige Führung bietest.

    Als zuverlässige Führung brauchst Du nicht den Hampelmann machen, um seine Aufmerksamkeit zu erringen. Macht er Theater, dreh Dich um und geh. Wenn er versucht, seinen Kopf durchzusetzen, geh Deinen Weg, ohne ihn dabei groß zu beachten. Als Chef hast Du das gar nicht nötig. Er muss selber sehen, dass er den Anschluss nicht verliert. Setz ruhig aber bestimmt Deine Kommandos durch.

    Wie man eine gute Führung für den Hund bietet, ist hier schwierig zu erklären. Am besten, Du suchst Dir eine gute Hundeschule, die Dir sicherlich eine Menge hilfreiche Tipps geben kann.

  • ... die Tipps von Rahijana finde ich gut... in allen möglichen Alltagssituationen die Führung übernehmen, wie selbstverständlich. Ich habe gemerkt, dass mein Bruno oft FROH darüber ist, dass es NICHTS für ihn zu tun gibt in Stresssituationen, dass ich das schon regle... den Mist mit den unangeleinten (unkontrollierbaren) fremden Hunden kenn' ich auch und finde ich unendlich nervig. Grade ist in "Der Hund" ein ganz guter Beitrag ("Der tut nix"!) drüber drin. Beim Spielen/Beschäftigen find' ich es auch sehr wichtig, das Ruder IMMER zu übernehmen, das muss nicht zwangsläufig wahnsinnig autoritär rüberkommen, aber der Hund muss merken, dass Du die Sache im Griff hast. Und wenn er Dich zwickt, würd' ich mich nicht scheuen, ihm auch mal eine zu "wischen". Machen Hunde untereinander ja auch. Und wenn er sich dann zurücknimmt - sofort herzlich loben! Sabine

  • Zitat

    Und wenn er Dich zwickt, würd' ich mich nicht scheuen, ihm auch mal eine zu "wischen".

    Wenn Du ihm eine sichere Führung bietest, wird das nicht nötig sein. Oft zwickt ein Hund nur, weil er meint, die Führung zu haben. Wenn Du Dich dann Deiner in seinen Augen untergebenen position unangemessen verhältst, zwickt er, wie er es auch mit anderen Hunden tun würde. Wehrst Du Dich dann, ist das in seinen Augen erst recht ein unangemessenes Verhalten. Im eine zu "wischen" heizt die Situation also nur auf, die Aggression auf beiden Seiten schaukelt sich hoch.

    Du musst also von Grund auf an eurer Beziehung arbeiten, alles andere ist nur Rumschusterei an den Symptomen, und führt nicht zu einem entspannten Miteinander.

  • Ich habe ja nur wiederholt, was Rahijana als konsequente Führung übernehmen, geschrieben hat ;)
    Wie ich ja geschrieben habe, waren wir in der Hundeschule, und wir haben das gelernte auch umgesetzt und machen das noch immer. Nur machen nicht immer alle Hunde das so schön, wie es gerne erwartet und geschrieben wird. Er folgte aufs Wort, wich nicht von unserer Seite, ein Abbruchsignal war kein Problem, Notpfiff war selbstverständlich usw......
    Wenn das jetzt noch alles funktionieren würde, wäre ich ja glücklich. Und wir haben unser Verhalten nicht geändert. Es hat sich auch bisher nichts an seiner Lebenssituation geändert. Ich denke, er versucht hier plötzlich die Führung zu übernehmen.
    Er konnte auch immer schön mit anderen Hunden spielen. Klar, ich mag auch nicht jeden Menschen, so kann er auch nicht jeden Hund mögen, aber bei jedem so auszurasten :schockiert:
    Und ich möchte nicht, dass das mal auf Menschen übergreift!!!
    Daher bitte ich ja um Rat :ops:

  • hallo kirsty,
    ich weiß nicht, ob ich dir helfen kann, schreibe aber mal, wie ich es mit meinem hund mache. als ich ihn bekam, stand er auch nur in der leine, wenn nur eine schwanzspitze in 200 meter entfernung zu sehen war. er tickte total aus und war nicht mehr ansprechbar. im grunde ging nur noch: bodenhaftung herstellen und halten :lachtot: und genau das war total falsch, zumindest für uns. ich blieb stehen.

    ich arbeite mit ihm auf dem hundeplatz unterordnung. und er wird dort an andere hunde gewöhnt.
    als ich am anfang stehen blieb, als er austickte, hat mein trainer sofort eingegriffen. es hieß dann. "nicht stehen bleiben, nichts sagen, einfach weiter gehen, diskutiere nicht mit dem hund" halt die leine ruhig.

    ich habe mehr als einmal blut und wasser geschwitzt, es war sehr anstrengend, weil ich ja jeden moment darauf gefaßt sein mußte, dass meine gut 30 kilo in die leine gehen, wenn z.b. draußen am zaun andere hunde vorbeigingen.
    aber wir haben das alles überstanden. darüber können wir heute lachen und draußen wird es auch immer besser.

    draußen bin ich immer ausgewichen, bzw. bogen gelaufen, dass er sich noch wohlfühlen konnte.
    im laufe der zeit konnte ich die entfernung zu fremden hunden schon sehr schön verringern. wir hatten auch schon den ersten direktkontakt, der andere hund lebt sogar noch *lol*

    vielleicht ist das ja eine hilfe für dich, wenn nicht, weißt du zumindest, dass du nicht allein bist :D
    gruß marion

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