Rasseporträts ungeschönt
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Ich habe als Kind und Erwachsene immer gerne Rasseportraits gelesen. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass besagte Wesensbeschreibungen vor allem im Netz, aber teilweise auch beim Züchter eher Werbung und Idealvorstellung als Realität sind. Bei meinem ersten Hund hätte mir unglaublich gut getan, zu wissen, was auf mich zukommt- ohne Schnörkel wie: lernt schnell ( gutes Benehmen, aber auch Quatsch), zielstrebig (überlegt drei Mal vorher, ob es sich lohnt, direkt zu kommen), wachsam und familientreu (stellt Besucher ohne weitere Anleitung) und so weiter.
Mein Hund war ein Cane Corso/ Old English Bulldog Mischling. Natürlich ist es hier wie überall, jeder Hund ist anders... Aber sicherlich bringen einige Rassevertreter auch Merkmale mit, die sich ähneln. Mich interessiert beides sehr, die Stärken, aber auch die "Schwächen", also angezüchtete Merkmale, die für "Probleme"/ Missverständnisse im Alltag sorgen könnten.
Ich fange an: Nefeli, meine Pudeldame, ist sehr sensibel. Ein zweischneidiges Schwert, da sie zwar schnell eine Bindung eingehen kann, aber vorher ganz genau beobachtet, wem sie vertrauen kann, und wem nicht. War jemand zu laut und hektisch, hat sie als Welpe einen weiten Bogen gemacht. Sich schnell erschrocken. Sie merkt sich, wenn sie jemand zu etwas zwingt und macht dicht. Gleichzeitig versucht sie sehr, richtige Entscheidungen zu treffen, um gelobt zu werden. Wenn man ihr die Wahl lässt, macht sie oft toll mit.
Sie reagiert auf schnell bewegende Reize, gerade am Anfang ist sie bei Autos und Radfahrern, sowie Rollern in die Leine gegangen, und wurde schnell frustig. Sie hat stark ausgeprägtes jagdliches Interesse, ist aber auch in hoher Reizlage mittlerweile immer öfter lenkbar. Was am Anfang aber ganz anders war.
Sie hat einen riesigen Radius im Freilauf! Und fährt draußen richtig schnell hoch- wobei sie im Haus eher an eine träge, riesige Hauskatze erinnert

Also ein vollwertiger Jagdhund, trotz des Schoßhund- Klischees. Außerdem höre ich von vielen Pudelbesitzern, dass ihr Hund mäkelt, Allergien oder Unverträglichkeiten hat, zu Ohrenentzündungen neigt.... Also auch gesundheitliche Probleme. Darauf will ich jetzt nicht so sehr eingehen, aber die innere Nervosität, die ich beschreibe, kann sicherlich auch dadurch begünstigt werden.
Ich bin sehr gespannt, was eure Rassen (- mischungen) so an typischen Wesenszügen mitbringen.
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Hi,
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Wir haben einen Kleinpudel-Großpudel-Mix und hätten gerne vorher gewusst, dass Pudel auch ordentlich territorial sein können. Das ist etwas, was mich an dem Hund wirklich nervt. Um das in einer Beschreibung über Pudel zu finden, muss man aber ziemlich lange suchen.
Dieses Thema mit Unverträglichkeiten/Allergien und Ohrenentzündungen hat jeder Pudel, den ich näher kenne und mehrere Pudel-Mixe, die ich kenne. Das gehört auf jeden Fall in eine Rassebeschreibung.
Unsere hat aber z.B. draußen nur einen kleinen Radius und ist da mega gestresst, wo viel los ist, also in Fußgängerzonen und ähnlichen Orten. Sie wollte nie hinter Radfahrern oder so her. Ihr jagdliches Interesse würde ich als mittelmäßig beschreiben. Sie springt vor allem bei Vögeln an, lässt sich aber abbrechen.
"Sie merkt sich, wenn sie jemand zu etwas zwingt und macht dicht. Gleichzeitig versucht sie sehr, richtige Entscheidungen zu treffen, um gelobt zu werden. Wenn man ihr die Wahl lässt, macht sie oft toll mit."
Das wird immer gesagt, trifft bei unserer aber nicht ganz zu. Am Anfang mussten wir klären, dass sie uns nicht in unserer Bewegung einzugrenzen hat, schon gar nicht, indem sie uns an der Hose hängt. Da funktionierte nett überhaupt nicht. Ansonsten schaltet sie auch öfter mal auf stur, egal, mit welchen Leckerchen wir wedeln oder wie motivierend wir uns geben. Da muss man dann schlicht durchgreifen.
Allgemein finde ich, wie Du, dass in Rassebeschreibungen zu viele Adjektive benutzt werden, die Menschen falsch als rein positiv interpretieren.
Ich finde es auch bedenklich, dass fast jede Rasse als familienfreundlich bezeichnet wird.
Was fast immer fehlt, sind Hinweise auf Qualzucht-Merkmale. Da würde ich mir sogar eine Regelung vom Gesetzgeber, ähnlich, wie bei Zigarettenpackungen, wünschen.
Außerdem gehört bei jedem großen und/oder sehr kräftigem Hund ein Hinweis hin, dass man bitte vorher testen soll, ob man so ein Tier überhaupt gehalten und gehändelt bekommt, egal, wie nett die Rasse theoretisch ist. Das führt im Alltag nicht ganz selten zu brenzligen Situationen für andere Lebewesen und auch die Halter selbst, die ein hohes Verletzungsrisiko haben, wenn der Hund in die Leine brettert und sie umreißt und ähnliches. Außerdem sitzen viele große Hunde ewig im Tierheim mit Eigenschaften, wegen denen sie da nicht säßen, wenn sie kleiner wären.
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Hatten wir doch erst: Ehrliche Rassebeschreibungen
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