Mobbing erkennen

  • Kurzer Hintergrund zur Fragestellung:
    Da gestern kurzfristig das Training ausfiel (Trainerin hatte Grippe) haben sich ich und drei weitere Hundehalter zusammen geschlossen und die Hunde im umzäunten Trainingsgelände laufen lassen. Schöne Gelegenheit für meine die Beine mal wieder ordentlich zu strecken beim Rennen, da sie aktuell Leinenknast hat. Zu Beginn war es ein schönes Spiel, irgendwann wurde eine Bulldoggen-Hündin etwas rüpelig (ich gehe davon aus, dass meine ihr zu schnell war.. Passiert leider öfter) und fing an meine Hündin seitlich umzurennen/anzuspringen/Weg abschneiden etc., O-ton Besitzerin: "Die spielt immer so." Da Bulldoggen ja meist etwas rüpelig sind hab ich es erst noch so laufen lassen. Meine Hündin zeigt i.d.R. sehr deutlich wenn es ihr zuviel wird und kommt dann zu mir, so auch dieses mal und suchte Schutz zwischen meinen Beinen. Die Bulldogge kam weiter her & versuchte sie durch meine Beine anzugehen. Ich hab sie dann abgeschirmt von meiner Hündin und brabbel so vor mich hin "Alles gut Kleine, brauchst keine Angst hab ich pass schon auf.".

    Daraufhin ging das Gespräch los, da die anderen Halter der Meinung waren meine Hündin hätte gar keine Angst, die Körpersprache ist ja eine andere. Sicher. Panik war es nicht, aber wenn sie Schutz sucht bekommt sie diesen. Punkt.

    Haben es dann nochmal versucht aber die Bulldogge und ein anderer haben dann gemeinsam angefangen meine Hündin recht deutlich zu mobben (einkesseln, aufreiten, in Nacken zwicken..). Darauf haben wir sie getrennt und beendet.


    Nun zur Frage:

    Habt ihr Erfahrungen/Tipps wie ihr Mobbing erkennt? Ich finde es wirklich schwer einzuordnen wann es droht zu kippen und wann es noch Spiel ist.


    Wenn es meiner viel zu viel ist, stellt sie die Haare am Rutenansatz, aber das ist wirklich der Worst-Case und meiner Meinung nach zu spät zum eingreifen.
    Würde mich über eure Ansichten freuen :)

  • Ich mach sowas daran fest, ab welchem Zeitpunkt mein oder der andere Hund nach meinem Empfinden keinen Spaß mehr an der Intaktion hat. Halt typische Signale wie "viele Pausen verlangen, ständiges Abwehren, weg wollen, Drohgebärden" etc.

    Zum (wirklichen) Mobbing gehört für mich dann alles ab zwei Hunde aufwärts. Einer mag nicht mehr, der zweite wird übergriffig und ein Dritter läuft aussen rum und kläfft (feuert also an).

    Wenn mein Hund zu mir kommt und Schutz sucht, klares Zeichen, dass es zuviel ist. Da hast du absolut richtig gehandelt. Dann ist das "normale körperliche Spiel" des anderen Hundes eben nichts für sie. Manche Halter fühlen sich da auf den Schlips getreten, weil IHR Hund ja der Böse demnach war :roll:

  • Ich würde das schon als Mobbing bezeichnen, wenn dieses "Angerempel" nur noch einseitig ist und der angerempelte Hund dann zu seinem Besitzer flüchtet.
    Meine Sina ist auch so eine. Wenn sie mit kleineren Hunden herumflitzt, dann wechselt das die ersten Minuten hin und her und irgendwann beginnt Sina eine einseitige Jagd auf den anderen Hund. Sie beginnt dann auch mit "Jagdgekläffe".
    Ich breche das dann frühzeitig ab und leine sie an weil das für den anderen Hund kein Spaß mehr ist.

    Andererseits ist es so, wenn Sina ein größerer Hund zu nahe kommt und sich nicht sehr ruhig verhält, also vllt. an der Leine herumspringt oder bellt, dann sucht sie Schutz zwischen meinen Beinen. Ich nehme sie dann meist hoch oder vergrößere den Abstand, dann ist ihr wieder wohler.

  • Das kenn ich. Wurde auch schon ausgelacht weil ich Marley den Schutz gegeben habe den er eingefordert hat und ihm den anderen Hund fern gehalten habe. Aussage damals war "Das machen die unter sich" wie soll es anders sein. Nein machen sie eben nicht bzw. wenn ich ihn das alleine regeln lassen hat er eben kein Spaß dran und er gehört auch nicht zu den Hunden die durch zwicken dem anderen Zeigen bis hier hin und nicht weiter. Andere Drohgebärden wie Lefze hochziehen oder Nackenhaare aufstellen interessiert die anderen Hund oft nicht in ihrem Spiel- oder besser gesagt Mobbwahn.

    Also ich finde du hast genau richtig gehandelt. Ich lobe Marley immer nur mit einer super wenn er zu mir kommt und die Verantwortung abgibt und mach dem anderen Hund dann klar, dass er gehen soll je nach Hund entweder verbal oder habe auch schon einen mim Bein weg geschoben (nicht getreten).

    Woran erkenne ich es bei Marley: er fängt an die Lefze hoch zu ziehen und versucht aus der Situation raus zu kommen. Wendet sich vom Hund hab und fängt an zu schnüffeln. Aber ich weis schon Augenblicke vorher, dass diese Reaktionen gleich eintreten weil ich mittlerweile einfach einschätzen kann wann es ihm zu doof wird. Wenn der anderen dann trotzdem versucht ihn weiter zu animieren kommt er in der Regel zu mir. Hat am Anfang länger gedauert mittlerweile hat er es kapiert und wartet nicht mehr sonderlich lange mit dem kommen.

  • die Bulldogge und ein anderer haben dann gemeinsam angefangen meine Hündin recht deutlich zu mobben (einkesseln, aufreiten, in Nacken zwicken..).

    Das ist in meinen Augen schon kein Mobbing mehr, daß war kurz vor einer Eskalation.

    Mobbing erkennt ich meist sehr gut, wenn ein Fremdhund versucht, meine Hündin einzugrenzen, sie nichts mehr machen läßt, weder schnüffeln, noch sonstige Aktivitäten.

    Wenn meine Hündin mobbt,(kommt selten vor) treibt sie den jeweiligen anderen Hund vor sich her und fixiert dabei in geduckter Haltung.


    Wenn es meiner viel zu viel ist, stellt sie die Haare am Rutenansatz, aber das ist wirklich der Worst-Case und meiner Meinung nach zu spät zum eingreifen.

    Das ist wirklich schon zu spät. In diesem Fall droht deine Hündin schon massiv und im nächsten Moment könnte es "knallen".

  • also ich mag so Gruppenspiele nicht wirklich, außer die Hunde kennen sich gut und haben auch die selbe Spielweise.
    Wenn zwei Hunde einen verfolgen, würde ich zb abbrechen oder auch, wenn begonnen wird, einen zu verbellen.
    Mobbing ist ja im Grunde immer das, was der gemobbte empfindet, und das ist unterschiedlich, also finde ich es wichtig, seinen eigenen Hund zu kennen und auch zu wissen, was ihm zuviel wird, um es gar nicht soweit kommen zu lassen.
    Und man lernt seinen eigenen Hund auch kennen und bremst ihn dann rechtzeitig.
    Ich bleib allerdings selten bei Gruppen stehen, sondern geh weiter, dann kann mein Hund auch weiter, bevor irgendwas eskalieren könnte

  • Wenn mein Hund zu mir kommt und Schutz sucht, klares Zeichen, dass es zuviel ist. Da hast du absolut richtig gehandelt. Dann ist das "normale körperliche Spiel" des anderen Hundes eben nichts für sie. Manche Halter fühlen sich da auf den Schlips getreten, weil IHR Hund ja der Böse demnach war :roll:

    Danke dir! Das denke ich auch, wobei ich mir dessen vollkommen bewusst war und extra nichts gesagt habe. Nachdem die Haltern der Bulldogge das von selbst angesprochen hat, war ich vll nicht die erste mit der das Spiel so lief,und sie gleich in die Abwehrhaltung ging :D


    Klar ihr habt Recht, ich denke jeder Hund kann in der entsprechenden Situation sowohl Mobber als auch Mobbingopfer sein.
    Auch wirklich interessant zu lesen, dass sich das so unterschiedlich zeigt. Milou zieht z.B. nicht die Lefzen. Deswegen haben die anderen Mädls gestern sie wohl auch als "nicht ängstlich" eingestuft, aber wenn sie am Rand des Geländes steht und die andere Hündin ihr den Weg abschneidet und sie sich nicht traut vorbei zu gehen ist das ja auch bereits ein Zeichen.


    @iinas Das finde ich toll, dass dein Hund so zuverlässig kommt. Ich finde auch, wenn einem der Hund schon zutraut ihm zu helfen, dann sollte man dieses Vertrauen auch nicht verspielen. Aber ich lasse mich da schon mal verunsichern, wenn jemand so selbstüberzeugt sein geballtes Hunde-Körpersprachen-Wissen präsentiert & mich überängstlich dastehen lässt.


    Mobbing erkennt ich meist sehr gut, wenn ein Fremdhund versucht, meine Hündin einzugrenzen, sie nichts mehr machen läßt, weder schnüffeln, noch sonstige Aktivitäten

    Genau so war das gestern auch als ich es zuerst geschnallt hab... Gut Danke dann hab ich das schon richtig gesehen :)

  • Ich finde auch, wenn einem der Hund schon zutraut ihm zu helfen, dann sollte man dieses Vertrauen auch nicht verspielen. Aber ich lasse mich da schon mal verunsichern, wenn jemand so selbstüberzeugt sein geballtes Hunde-Körpersprachen-Wissen präsentiert & mich überängstlich dastehen lässt.

    Auch da weis ich was du meinst und ich habe mir natürlich auch meine Gedanken dazu gemacht als es gehießen hat "das machen die unter sich" aber letztendlich war beim nächsten Mal, als er wieder angerannt kam meine Reaktion ohne drüber nach zu denken die gleiche. Ich habe Marley gelobt und den anderen weggeschickt und für uns funktioniert es genau so.

    Und wenn jemand mit 30 Jahren Hundeerfahrung sagt du musst das so oder so machen weil es bei ihm IMMER funktioniert hat heißt es noch nicht, dass es bei dem Hund auch funktioniert.

    Ich habe mir inzwischen angewöhnt in der Hundeerziehung von anderen HH genauso wenig reinreden zu lassen wie ich es bei Kinder wahrscheinlich auch nicht lassen würde. Wie soll jemand Außenstehendes es denn beurteilen wie man DEINEN Hund handelt? Du kennst das Wesen deines Hundes und wenn er evtl. zu den sensibleren zählt kann man da einfach viel kaputt machen wenn man meint ihn nach alter Schäferhundschule erziehen zu müssen.

    Ach und die Betonung liegt auf SELBSTÜBERZEUGT. Wie viele können ihr nicht vorhandenes Wissen einfach nur gut verkaufen und deshalb meint man dann sie hätten wirklich Ahnung.

  • Ich finde es wirklich schwer einzuordnen wann es droht zu kippen und wann es noch Spiel ist.

    Wenn Du Deinen Hund beobachtest und siehst, dass es ihm keinen Spaß mehr macht, was da abgeht, dann vertraue Deinem Bauchgefühl. Wann es für Deinen Hund doof wird, erkennst Du ja (Rute unten, Abwehrschnappen, Jaulen, panischer Gesichtsausdruck ...).

    Die Gegeneite ist dann das Problem. Wenn Hetzen, Hetzkumpel einbinden usw. von den anderen HH toleriert werden und die nicht erkennen, wann ihre Hunde "ungut" werden, dann würde ich so eine Gruppe (ohne Trainer) meiden.

    Du machst es richtig, Deinen Hund zu schützen. Die anderen müssen noch viel lernen, dass es nicht okay ist, ihre Hunde mobben zu lassen und es "spielen" zu nennen.

  • Und wenn jemand mit 30 Jahren Hundeerfahrung sagt du musst das so oder so machen weil es bei ihm IMMER funktioniert hat heißt es noch nicht, dass es bei dem Hund auch funktioniert.

    Den Satz würd ich mir gern einrahmen XD So wahr!


    @frolleinvomamt ich glaube den anderen war das tatsächlich überhaupt nicht bewusst, dass das bereits mobben ist. Gerade weil meine eben "keine ängstliche" Körpersprache hatte, aber wie in weiter oben schon geschrieben wurde - wenn sie bereits den Kamm stellt ist ja schon zu spät bzw. viel zu weiter über das Maß hinaus.
    Habe das leider jetzt schon öfter erlebt, dass die anderen HH das absolut nicht erkennen bzw. noch als Spiel werten.
    Und ich gelte dann als Oberglucke =P Aber lieber gluckig und meinem Knirps gehts gut als andersrum.
    Ich weiß z.B. das ich hohe Ansprüche an meine eigene Hundehaltung habe, also bezüglich der richtigen Auslastung für meinen Hund, in dem ich ihr das unbeaufsichtigte Jagen nicht erlaube usw. Für mich ist das so richtig, ich bekomme aber oft zu hören dass ich zu streng/gluckig bin und mal loslassen soll :D

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!